<Das Interview>
"Ein einzelnes Wort kann helfen" - mit Jakob Vetsch
<ip>: Der schweizerische, ökumenische Verein "Internet-Seelsorge" bietet seit zwei Jahren auch eine Seelsorge-Beratung über den Short Message Service (SMS) des Mobiltelefons an. Eine Antwort kann da doch nur lauten: "Gott liebt dich, Salü?"
> Vetsch: Nein, so geht das nicht. Wir versuchen, die Menschen mit einer qualitativen Beratung ein Stück weit zu begleiten.
<ip>: Es gibt also eine Seelsorge in Häppchen?
> Vetsch: Ja, die gibt es, vergleichbar mit den täglichen Herrnhuter Losungen. Ein gutes, kurzes Wort kann viel bewirken. So gibt es etwa im Buddhismus den Brauch, auf ein Lebensproblem mit einem Satz zu antworten, den der oder die Fragende meditieren soll. Im Unterschied zum persönlichen Gespräch müssen die Beteiligten beim SMS gleich zum Wesentlichen kommen.
<ip>: Was schreiben die Ratsuchenden, die nur 160 Anschläge zur Verfügung haben?
> Vetsch: Sie schreiben durchaus auch komplexe Dinge, manchmal in zwei bis drei SMS hintereinander. Ein Beispiel: "Wie finde ich neuen Lebensmut? Ich habe die Diagnose Multiple Sklerose erhalten. Bin sehr niedergeschlagen und bitte um Hilfe." Oder nach den Anschlägen in den USA am 11. September: "Es tut mir so leid um die vielen Toten. Ich weine jeden Tag, obwohl ich niemanden von ihnen kenne. Warum hat Gott dies zugelassen? Ich gebe ihm keine Schuld, aber er hätte es doch verhindern können!"
<ip>: Was haben Sie per SMS geantwortet?
> Vetsch: Ich habe geantwortet: "Ich verstehe Deine Sorgen und bin auch bekümmert. Es ist aber nicht so, dass wir nichts tun können. Wenn viele Menschen beten, ist das eine ganz große Kraft in dieser Welt." Ich versuche möglichst immer einen konkreten Ratschlag anzubieten. Also etwa eine Kerze anzuzünden und zu beten. Einem Depressiven habe ich geraten, jeden Tag eine Stunde lang an die frische Luft zu gehen. Aber wir sagen immer auch, dass wir einen Arzt nicht ersetzen.
<ip>: Warum haben Sie überhaupt eine SMS-Seelsorge begonnen, wenn Sie schon eine Internet-Seelsorge betreiben?
> Vetsch: Wir haben festgestellt, dass es viele Menschen gibt, die kein E-Mail haben, aber mit SMS kommunizieren. Wir bekommen ungefähr genauso viele Anfragen per SMS wie per E-Mail, fünf bis zehn pro Tag. Außerdem werden Mobiltelefon und Internet in Zukunft miteinander verschmelzen. Seelsorge muss um der Menschen willen auf allen wichtigen Kommunikationskanälen präsent sein. Es darf keine Straße geben, auf die die Kirche keine barmherzigen Samariter schickt.
<ip>: Planen Sie für die Zukunft schon wieder etwas Neues?
> Vetsch: Ja, ich habe die Idee eines SMS-Chats via Teletext. Die Fernsehsender, wie etwa in Deutschland das ZDF, bieten solche Teletext-Seiten an, auf denen man per Mobiltelefon und SMS chatten kann. Da wäre es doch reizvoll, wenn ein Pfarrer einmal die Woche für zwei Stunden im Chat angekündigt würde. So nach dem Motto "Was ich immer schon einmal fragen wollte". Ich hoffe, nächstes Jahr in der Schweiz damit beginnen zu können.
<ip>: Vielen Dank, Herr Vetsch.