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Die Jury der Evangelischen Filmarbeit empfiehlt als Film des Monats Juli 2006:





Esmas Geheimnis - Grbavica

Regie und Buch: Jasmila Zbanic, Österreich/Bosnien und Herzegowina/Deutschland 2005


Die alleinerziehende Esma lebt mit ihrer 12-jährigen Tochter Sara in Grbavica, einem Stadtteil von Sarajewo. Für Mutter und Tochter gilt es zunächst, den Alltag zu bewältigen. Die soziale Unterstützung reicht nicht aus, so dass Esma eine Stelle als Kellnerin in einem Nachtklub annimmt. Sara verliebt sich zum ersten Mal und freut sich auf die bevorstehende Klassenfahrt. Mit kindlichem Stolz erzählt sie die Geschichte, dass ihr Vater als Kriegsheld, als Schechid, an vorderster Front gefallen ist. Als sie ein amtliches Dokument über seinen Tod benötigt, weicht ihr die Mutter aus. Saras immer drängendere Fragen finden keine Antwort. In einem dramatischen Gespräch bricht die Wahrheit aus Esma heraus: sie wurde im Krieg mehrfach vergewaltigt und schwanger. Das Kind, das sie nicht haben wollte, konnte sie jedoch nach der Geburt nicht verstoßen. Um sich und die Tochter zu schützen, hat sie die Vergewaltigung verschwiegen.
 
Die vergewaltigte Frau als Opfer des Krieges mit ihren traumatischen Erfahrungen steht im Mittelpunkt des Films. Auch in der Nachkriegsgesellschaft Sarajewos gibt es wenig Raum für ihr Leiden, ihre Demütigung und ihre tiefen psychischen Verletzungen. In einem von männlicher Dominanz und ungebrochenem Sexismus geprägten sozialen Umfeld findet sie nur in einer Selbsthilfegruppe für im Krieg vergewaltigte Frauen eine gelegentliche Zuflucht. Die Enthüllung ihrer Erfahrung erhellt rückblickend ihre manchmal ängstlich, manchmal aggressiv erscheinenden Reaktionen ebenso wie die Bedeutsamkeit von Gesten weiblicher Solidarität. Auf diesem differenzierten Psychogramm beruht die Überzeugungskraft des Films. Ob die Wunden des Krieges langsam vernarben, hängt davon ab, inwiefern die Opfer der unsäglichen Gewalttaten gehört und verstanden werden. Mutter und Tochter brauchen das Gefühl der Zugehörigkeit, um unter dem schrecklichen Schatten der Vergangenheit eine gemeinsame Zukunft finden zu können.

Österreich/Bosnien und Herzegowina/Deutschland 2005
Produzent: Barbara Albert, Damir Ibrahimovic, Bruno Wagner
Regie: Jasmila Zbanic
Drehbuch: Jasmila Zbanic
Kamera: Christine A. Maier
Schnitt: Niki Mossböck
Darsteller: Mirjana Karanovic (Esma), Luna Mijovic (Sara), Leon Lucev (Pelda), Kenan Catic (Samir), Jasna Ornela Berry (Sabina), Dejan Acimovic (Cenga), Bogdan Diklic (Saran), Emir Hadihafizbegovic (Puska) u.a.
Format: 35mm, Farbe, 90 Min.
Verleih: Ventura Film GmbH
Boxhagener Str. 18, 10245 Berlin, Tel.: +49 (0)30 283 65 30, Fax.: +49 (0)30 283 65 33, ventura.film@snafu.de, http://www.ventura-film.de
Preise: Goldener Bär und Preis der Ökumenischen Jury, Berlinale 2006
FSK: -
Kinostart: 6. Juli 2006