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Die Jury der Evangelischen Filmarbeit empfiehlt als Filme des Monats September 2004:

Silent Waters
Puppen aus Ton



Silent Waters

Regie und Buch: Sabiha Sumar, Pakistan/Frankreich/BRD 2003


Die verwitwete Ayesha ist die einzige Frau im Dorf, die nicht zum Brunnen geht. Zu ihrem Haus kommt unerwartet ein Sikh-Pilger, der behauptet, ihr Bruder zu sein. Er will sie überreden, ans Sterbebett ihres Vaters zu reisen. Vor 22 Jahren, in den blutigen Unruhen nach der Unabhängigkeit von 1947, hatten fliehende Sikhs ihre Töchter und Frauen in den Tod getrieben, um die Ehre ihrer Familien vor der muslimischen Mehrheit zu retten. Auch Ayesha sollte sterben. In albtraumartigen Rückblenden kehrt ihre Vergangenheit zurück. Ein Muslim, der später ihr Mann wurde, hatte sie vor dem Zugriff des Vaters gerettet.

Während Ayesha im Koranunterricht ihren Schülerinnen verdeutlicht, dass Gott die die Menschen nicht nach ihrer Religionszugehörigkeit bemisst, schließt sich ihr 18jähriger Sohn Saleem islamistischen Fanatikern an, die im Auftrag von Pakistans Präsident General Zia ul Haq das friedlich dahinlebende Dorf radikalisieren wollen. Unter dem Druck von Bruder und Sohn, die ihre Überzeugungen missachten und ihre soziale Existenz zu zerstören drohen, wählt Ayesha den Freitod und stürzt sich in den Brunnen, der schon einmal ihr Grab werden sollte. Ein Zeitsprung in die Gegenwart zeigt Saleem als erfolgreichen islamistischen Parteipolitiker im Fernsehen.

„Silent Waters“ führt auf dem Hintergrund einer Familiengeschichte in das politisch-religiöse Spannungsgebiet im Punjab. Die Geschichte seiner Hauptfigur formuliert eine eindringliche Anklage gegen religiöse Intoleranz, die sich aus den gewalttätigen Konflikten der Vergangenheit immer wieder erneuert. In der Staffelung der Zeiten wiederholen sich mit vertauschten Fronten die gleichen zerstörerischen Konstellationen. Das erste Opfer des Fanatismus sind die Frauen, denen die innerfamiliären Machtverhältnisse keine Stimme gönnen. Mit ihrem ersten, preisgekrönten Spielfilm nimmt sich die pakistanische Regisseurin Sabiha Sumar das Recht, für diese Frauen zu sprechen.

Produktion: Flying Moon Filmproduktion mit Vidhi Films/Unlimited SA/ZDF+arte, PK/F/BRD 2003; Regie und Buch: Sabiha Sumar; Kamera: Ralph Netzer; Darsteller: Kirron Kher (Ayesha), Aamir Malik (Saleem), Navtej Johar (Jaswant), Salman Shahid (Amin) u.a.; Format: 35 mm, F., OmU; Verleih: academy films, Friedrichstr. 23a, 70174 Stuttgart, Tel. 0711/365960-0, Fax –11, www.info@academy-films.com; Preise: Goldener Leopard und Ökumenischer Preis, Filmfestival Locarno (Schweiz) 2003; Kinostart: 2.9.2004