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Die Jury der Evangelischen Filmarbeit empfiehlt als Film des Monats Mai 2004:





Abouna - Der Vater

Regie und Buch: Mahamat-Saleh Haroun, Tschad/Frankreich 2002


Der Vater von Tahir (15) und Amine (8) ist verschwunden, plötzlich und ohne erkennbaren Grund. Die Mutter, deprimiert und überfordert, bringt die beiden in eine Koranschule auf dem Land. Dort finden sie sich nur schwer zurecht und versuchen zu fliehen. Der Vater hat ihnen ein großes Bild vom Meer geschickt, dort wollen sie ihn suchen. Aber Amine wird schwer krank und stirbt. Als Tahir in die Stadt zurückkommt, findet er seine Mutter in einer psychiatrischen An-stalt. Die Liebe zu einem stummen Mädchen verspricht ihm eine gelungenere Zukunft.

Die Suche nach dem abwesenden Vater liefert auch diesem Film die dramaturgische Folie, auf der sich eine vielschichtige Studie über Bruderliebe und Elternlosigkeit entfaltet. Als Amine und Tahir in einer Kinovorführung sitzen, sehen sie den Vater plötzlich auf der Leinwand – als Oberhaupt einer anderen, glücklichen, funktionierenden Familie. Die beiden schleichen sich später in den Vorführraum und stehlen die Filmrolle. Sie versuchen darauf ein Bild ihres Vaters zu finden, vergeblich. Das Kino bleibt Projektion.

„Abouna - Der Vater“ erzählt eine einfache Geschichte. Zugleich bleibt für unsere westlichen  Augen vieles unverständlich. Das Verhalten der Mutter wirkt abweisend, die Strukturen des Dorfes sind schwer durchschaubar, ebenso die Vorgeschichte der Familie, vor allem das Leben des Vaters. Formal gelangt „Abouna – der Vater“ immer wieder zu beeindruckenden visuellen Abstraktionen von Farbe, Licht und Dunkelheit, die an die Farbstreifenbilder Mark Rothkos erinnern. Der Film spielt im Tschad, einem der ärmsten Länder der Erde. Er beschreibt fast beiläufig die Härte einer Gesellschaft zwischen Aufbruch und Rückkehr, deren traditionelle familiare Strukturen scheinbar zerfallen, in der aber weiterhin das Bedürfnis nach Orientierung besteht. Es ist eine Gesellschaft, in der es wie ein optimistisches Signal wirken muss, wenn Tahir am Ende des Films Verantwortung für die Familie übernimmt.

Aktuelle Kinotermine unter www.heutekino.de  oder www.kino.de

 

Produktion: Guillaume de Seille, Tschad/Frankreich 2002; Regie und Buch: Mahamet-Saleh Haroun; Kamera: Ibrahim Haile Biru; Schnitt: Sarah Taousse-Maroun; Darsteller: Ahidjo Mahamet Moussa (Tahir), Hamza Moctar Aguid (Amine), Zara Haroun (Mutter), Mounira Khalil (die Stumme), Koulsy Lamko (Vater) u.a.; Format: 35 mm, Farbe, 85 Min.; Verleih: Kairos Filmverleih, Geismarlandstr. 19, 37083 Göttingen, Tel 0551/484838; Preise:  Preis der Internationalen Filmkritik (FIPRESCI), Kerala 2003; Kinostart: 29. April 2004