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  Die Jury der Evangelischen Filmarbeit empfiehlt als Filme des Monats Juli 2002:

  • Taxi – Eine Nacht in Buenos Aires (Taxi – un encuentro)
  • Little Senegal


    Taxi – Eine Nacht in Buenos Aires (Taxi – un encuentro)
    Regie und Buch: Gabriela David

    Fast wie in einem Verhör sitzt der kleine Gauner Esteban einem unsichtbaren Zuhörer gegenüber und erzählt von jener denkwürdigen Nacht in Buenos Aires, als er einem jungen Mädchen, das fast Opfer einer Familientragödie geworden wäre, das Leben rettete. Sein Gegenüber wird sich am Ende als jenes Mädchen Laura herausstellen, das ihren Retter suchte, von dem sie nur wusste, dass er in der Nähe einer Kreuzung des Panamerican Highway wohnt. Regisseurin Gabriela David porträtiert Esteban als einen widersprüchlichen Charakter. Er stiehlt Taxis, fährt damit durch die Nacht, um seiner Einsamkeit zu entfliehen, und übergibt sie am nächsten Morgen einer Hehlerbande. Als ihm Laura vor das Auto läuft, nimmt er sie mit nach Hause, versorgt ihre Wunde, lässt sie anschließend am Straßenrand liegen und informiert einen Notarzt... Gabriela Davids Erstlingswerk, eine Mischung aus Gangsterfilm, Melodram und Liebesgeschichte, verzichtet auf einen dramatischen Knoten und bezieht seine Spannung aus einer Erzählweise, die die Motive, Absichten und Beziehungen seiner Protagonisten bis zum Schluss offen hält und damit die Anonymität der Großstadt, in der sie sich durchschlagen, widerspiegelt. Schon vor dem Zusammenbruch der argentinischen Wirtschaft gedreht, lenkt der Film die Aufmerksamkeit auf ein Land, das von schwersten sozialen Problemen geplagt ist. Nicht nur in der Familientragödie, der Laura entkommt, zeigen sich die strukturellen und manifesten Gewaltverhältnisse dieser Gesellschaft. Taxi – Eine Nacht in Buenos Aires ist ein moralischer Film, der ohne jedes Moralisieren auskommt. In der flüchtigen Begegnung zwischen Esteban und Laura erzählt er von der Spannung zwischen Mitmenschlichkeit und Überlebenswillen. Gabriela David erfindet dafür eine traumähnliche erzählerische Form, die die Aufmerksamkeit fesselt und die Klischees des Kinos unterläuft.

    Produktion: G. David & La Cofradia Nocturna, Argentinien 2001; Regie und Buch: Gabriela David; Kamera: Miguel Abal; Schnitt: Enrique C. Angeleri; Musik: Mariano Nunez West; Darsteller: Diego Peretti (Esteban), Josefina Viton (Laura), Miguel Guerberof (Vater), Pochi Ducasse (Großmutter) u.a.; Format: 35 mm, Farbe, 93 Min., OF mit dt. UT; Verleih: KAI-ROS-FILM, Geismarlandstr. 19, 37083 Göttingen, Tel. 0551/484523, Fax 487098; Preise: „Beste Regie“ Latin American Cinema Festival, New York Februar 2002;

    Kinostart: 30.5.2002