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  Die Jury der Evangelischen Filmarbeit empfiehlt als Filme des Monats Juli 2002:

  • Little Senegal
  • Taxi – Eine Nacht in Buenos Aires


    Little Senegal
    Regie: Rachid Bouchareb; Drehbuch: Olivier Lorelle, Rachid Bouchareb

    Alloune arbeitet als „guide“ in einem senegalesischen Museum für die Geschichte des Sklavenhandels. Als er in den Ruhestand tritt, reist er in die USA, um den Spuren seiner Vorfahren zu folgen. Seine Recherchen führen ihn schließlich nach New York, wo sein Neffe Hassan in einer schwarzen Community von West Harlem lebt. Tatsächlich findet er Nachkommen seiner verschleppten Familie wieder: die scharfzüngige Ida Robinson, die einen Zeitungsstand betreibt, und ihre Enkelin Eileen, die sich als schwangere Teenagerin in einer ausweglosen Situation befindet. Schnell begreift Alloune, dass seine Vorstellungen von Familiensolidarität im heutigen New York kaum durchsetzbar sind: Als Repräsentant der alten Welt Afrikas wirkt er wie eine Erinnerung an eine längst vergangene und vergessene Zeit. Und er spürt auch die Verachtung, die den Afrikanern von den Afroamerikanern entgegengebracht wird. Als Hassan bei einem gewaltsamen Konflikt mit jungen Schwarzen ums Leben kommt, nimmt Alloune den Toten mit nach Senegal, um ihn im Land seiner Ahnen zu bestatten. Little Senegal zeichnet die Lebensverhältnisse heutiger Afroamerikaner aus der Perspektive ihrer afrikanischen Herkunft und die zerstörerischen Folgen der Sklaverei nach: den Verlust der ursprünglichen familiären Traditionen, Gewalt, Gleichgültigkeit, rassische und soziale Diskriminierung. Es gelingt dem Film, ein differenziertes Porträt einer schwarzen „Neighbourhood" zu entwerfen, in der die Stimme der Solidarität durch einen exotischen Besucher wachgerufen wird. Zwar scheitert der Brückenschlag zwischen den Kulturen, den der frankoarabische Regisseur Rachid Bouchareb imaginiert. Dennoch bewahrt der Film im Bild einer wiederentdeckten Verwandtschaft das Versprechen, jenseits aktueller Konflikte den Sinn für ein gemeinsames Schicksal wiederzufinden. Sein Charme und seine Melancholie entstehen daraus, dass wir dieses Versprechen im Spiegel eines afrikanischen kulturellen Erbes erkennen.

    Produktion: Tadrat/3B Prods./Taunus/Tassili, Frankreich/BRD/Algerien 2000; Regie: Rachid Bouchareb; Dreh-buch: Olivier Lorelle, Rachid Bouchareb; Kamera: Benoit Chamaillard, Youcef Sahraoui; Schnitt: Sandrine Deegen; Darsteller: Sotigui Kouyate (Alloune), Sharon Hope (Ida), Roschdy Zem (Karim), Karim Koussein Traoré (Hassan) u.v.a.; Format: 35 mm, Farbe, 97 Min.; Verleih: ALAMODE FILM, Arnulfstr. 297, 80639 München, Tel. 089/17999-211, Fax -213; Kinostart: 4.7.2002