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  Die Jury der Evangelischen Filmarbeit empfiehlt als Film des Monats Oktober 2002:

Halbe Treppe
Regie und Buch: Andreas Dresen

Frankfurt/Oder. Zwei befreundete Ehepaare, Ende 30, Anfang 40, haben ihre Gefühle den Partnern gegenüber unter allerlei Routine begraben. Der gelangweilte Radiomoderator Chris empfindet seine Ehe mit der Zollangestellten _Katrin als geradezu lästige Pflicht, und Uwe, der bis spät in die Nacht in seiner Imbissbude "Halbe Treppe" mühselig das zum Leben Notwendige aufzubringen versucht, vernachlässigt sowohl seine Kinder als auch seine romantischen Gefühlen zugeneigte Frau Ellen. Irgendwie zufällig schlittern Chris und Ellen in ein Liebesabenteuer, das aber bald auffliegt. Alle vier Protagonisten überdenken, emotional aufgerüttelt, ihre festgefahrenen Verhaltensmuster und finden je eigene Wege, ihr Leben neu oder anders zu gestalten. Mit geringem Budget und nur einem kleinen Mitarbeiterstab hat Andreas Dresen eine sehr lebensnahe Studie über die gelegentlich auch heiteren Seiten des Scheiterns von Beziehungen vorgelegt. Mit seiner Digitalvideokamera kommt er seinen Hauptdarstellern oftmals beängstigend nahe und bleibt ihnen dabei mit großer Sympathie verbunden. Mit ihnen zusammen hat Dresen die Szenenfolgen täglich weiterenwickelt und gibt dem Begriff Schauspielerfilm damit eine neue Dimension. Auch die gesellschaftliche Realität in der Ex-DDR fängt Dresen ein - die Tristesse der Plattenbauten, die scheinbar ewige Kälte, den LKW-Stau an der polnischen Grenze, eine immergleiche, langweilige Radiomoderation. Grotesk-komische Situationen, Musikeinlagen, gestellte Interviews und zum Teil absurd anmutende Elemente fügen sich mit einer genauen Menschenbeobachtung zu einem manchmal selbstironischen, manchmal melancholischen, aber immer emotional wahrhaftigen Film zusammen. Die Zuschauer nehmen ganz intim an der Selbstfindung der Figuren teil - und stoßen dabei auf mentale und lebensgeschichtliche Verwandtschaften über die Differenzen von west- und ostdeutschen Milieus hinweg.

Produktion: Peter Rommel Productions, BRD 2002; Regie und Buch: Andreas Dresen; Kamera: Michael Hammon; Schnitt: Jörg Hauschild; Musik: 17 Hippies; Darsteller: Steffi Kühnert (Ellen), Gabriela Maria Schmeide (Katrin), Thorsten Merten (Christian), Axel Prahl (Uwe) u.v.a.; Format: 35 mm, Farbe, 105 Min; Verleih: Delphi Filmverleih GmbH, Kurfürstendamm 225, 10719 Berlin, Tel. (030) 885 974-0, Fax -15; Kinostart: 3. Oktober 2002; Preise: Deutscher Filmpreis in Silber 2002; Silbener Berliner Bär 2002 u.a.; FBW: besonders wertvoll; FSK: ab 12 Jh