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Die Jury der Evangelischen Filmarbeit empfiehlt als Film des
Monats August 2001:
Black Box BRD
Regie und Buch: Andres Veiel; Kamera: Jörg Jeshel
Zwei Biografien stehen im Zentrum von Andres Veiels Dokumentarfilm: die Alfred Herrhausens, ehemaliger Vorstandssprecher der Deutschen Bank, der 1989 bei einem Attentat der RAF getötet wurde, und die des RAF-Mitglieds Wolfgang Grams, der 1993 bei seiner Festnahme in Bad Kleinen erschossen wurde. Unterschiedlichen Generationen angehörend, verweisen ihre Lebensläufe auf wesentliche Dimensionen der alten BRD. Während Herrhausen, einst Zögling einer Nazi-Eliteschule, später zum Repräsentanten der Macht aufstieg, suchte Grams, Sohn eines Mitglieds der Waffen-SS, den vermeintlich faschistoiden Staat gewaltsam zu bekämpfen.
Zwischen Schilderungen von Familienangehörigen, Freunden und Kollegen montiert Veiel private Filmausschnitte, zeitgenössische Fernsehaufnahmen und nachgestellte Szenen. Die Vielschichtigkeit Herrhausens, der wegen seines Eintretens für Schuldenverzicht gegenüber der Dritten Welt zuletzt umstritten war, wird ebenso spürbar wie sein Charisma. Dies verdankt sich in erster Linie dem beredten Zeugnis seiner Witwe. Grams, bei dessen Porträt Veiel auf die Mitwirkung der sich in Haft befindenden Freundin Birgit Hogefeld verzichten musste, wird als zeitbedingter Überzeugungstäter erkennbar. Während Grams’ Eltern den vom Sohn bestickten Wandbehang als eines der wenigen Erinnerungsstücke vorführen und die ehemaligen Freunde über die Legitimation von Gewalt nachsinnen, lassen seine Lebensjahre im Untergrund nur Mutmaßungen zu.
Bloß Bruchstücke zum Verstehen kann und will der Film anbieten. Die Verantwortlichen für das Attentat auf Herrhausen ebenso wie die Umstände, die zu Grams’ Erschießung führten, bleiben wie bei einer Black Box im Dunkel. Indem der Regisseur die Biografien eines mutmaßlichen Täters und eines Opfers des Terrorismus nebeneinander stellt und beide als Individuen zeichnet, eröffnet er einen neuen Zugang zur Thematik jenseits üblicher Denkmuster.
Produktion: Thomas Kufus/zero film/HR/SWR/arte, BRD 2001; Regie und Buch: Andres Veiel; Kamera: Jörg Jeshel (BVK); Montage: Katja Dringenberg; Schnittassistenz: Claudia Spiller; Musik: Jan Tilman Schade; Dokumentarfilm mit 23 Gesprächspartnern; Format: 35mm, F., 102 Min.; Verleih: X-Verleih, Bülowstr. 90, 10783 Berlin, Tel. 030/26933-600, Fax-700; Kinostart: 31.5.2001
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