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  Die Jury der Evangelischen Filmarbeit empfiehlt als Film des Monats März 2001:

Karnaval
Regie: Thomas Vincent; Buch: Thomas Vincent, Maxime Sassier

Larbi, dem jungen algerischstämmigen Franzosen, schlägt nicht nur das triste Klima im nordfranzösischen Dünkirchen auf das Gemüt. Er hat sich auch mit seinem Vater eine handgreifliche Auseinandersetzung geliefert und will nun einen Neuanfang im sonnigen Marseille versuchen. Doch der letzte Zug ist weg. In einem Hausflur, wo er die Nacht verbringen will, begegnet er Béa und Christian, die vom Karneval kommen. Larbi hilft Béa, den betrunkenen Ehemann in die Wohnung zu schaffen, bekommt zum Dank einen Kuss und steht am nächsten Tag wieder vor ihrer Tür. Zu dritt ziehen sie los... Regisseur Thomas Vincent inszeniert seinen Erstling vor dem Hintergrund des traditionellen Dünkirchener Karnevals, bei dem sich einst die Fischer vor der großen Fahrt vergnügten. Der Zuschauer nimmt das bunte Treiben, den moralischen Ausnahmezustand und den Dauersuff aus der Sicht Larbis, des Außenseiters, wahr, teilt dessen Erstaunen wie Abscheu und lässt sich doch, wie dieser, mitreißen. Der Film arbeitet so mit einer doppelten Brechung: Wie der Karneval eine Verfremdung des Alltags darstellt, so stellt Larbis Blick die 'Regeln' dieses Ausnahmezustandes in Frage. Die nahezu ständig bewegte Handkamera vermittelt ein hautnahes Bild dieses Taumels, der es erlaubt, sich für wenige Tage im Jahr hinter einer Maske zu verstecken; sie blickt zugleich in die Gesichter der Menschen, deren Sorgen sich auch in den Wogen des Alkohols nicht ertränken lassen. Karnaval ist keine voyeuristische Zurschaustellung eines Massenspektakels, sondern eine Comédie humaine, die die Sehnsüchte der Menschen auch in ihren schützenden Maskeraden erkennt. Der Film ist zugleich eine vielschichtige Reflexion über soziale Identität und über das Verhältnis von Menschen, die sich wechselseitig als Fremde begegnen, ohne dass es trotz aller bedrohlichen Spannung zur Katastrophe kommen muss.
 

Produktion: ADR/Thelma Film/ Arte France Cinéma/RTBF, Frankreich / Belgien / Schweiz 1998; Regie: Thomas Vincent; Buch: Thomas Vincent, Maxime Sassier; Kamera: Dominique Bouilleret; Schnitt: Pauline Dairou; Darsteller: Sylvie Testud (Bea), Amar Ben Abdallah (Larbi), Clovis Cornillac (Christian), Martine Godart (Isabelle), Jean-Paul Rouve (Pine), Thierry Bertein (Gigi), Dominique Bayens (Dorianne) u.v.a.; Format: 35 mm Farbe, 88 Min., OF mit dt. UT; Verleih: KAIROS-FILM, Geismarlandstr. 19, 37083 Göttingen, Tel. 0551/484523, Fax 487098; Kinostart: 22.2.2001