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  Die Jury der Evangelischen Filmarbeit empfiehlt als Film des Monats Juli 2003:

Sweet Sixteen
Regie: Ken Loach, Buch: Paul Laverty, GB/BRD/Spanien 2002

SWEET SIXTEEN erzählt die Geschichte des 15-jährigen Liam, der in einer heruntergekommenen schottischen Industriestadt

zum Drogen-dealer wird, um seinen Traum von einer bürgerlichen Familie zu realisieren, nach der er sich stets gesehnt, aber die er nie erlebt hat. Seine Mutter sitzt gerade eine Strafe wegen Drogenhandels für ihren Freund Stan ab. In sechs Wochen wird sie entlassen, pünktlich zu Liams 16. Geburtstag. Er hofft, sie mit seiner Schwester Chantelle auszusöhnen, die jeden Kontakt mit der Mutter abgebrochen hat, und sie zu-gleich von Stan fernhalten zu können, den er verachtet. Liam will einen Wohnwagen kaufen und dort mit seiner Mutter einziehen. Um das Geld für die erste Rate aufzubringen, stehlen Liam und sein Kumpel Pinball Drogen aus Stans Versteck und beginnen zu dealen. Doch damit begeben sich die Jungen auf ein gefährliches Terrain.

Seinen Traum von der Familie verfolgt Liam mit beharrlicher Energie, wobei ihn die Realität immer wieder einholt. Mit bitterem Witz stellt der Film seinen Aufstieg in der örtlichen Unterwelt dar und ironisiert nebenbei das neoliberale Ethos der unternehmerischen Selbsthilfe: z.B. wie Liam als Beifahrer eines Pizzalieferanten seine Kunden mit Stoff beliefert, während die Pizzas erkalten und der wartende Fahrer sich in Flüchen ergeht. Doch der Witz verblasst, wenn Liam sich immer tiefer in kriminelle Abhängigkeiten verstrickt. Die wirtschaftliche Misere einer ganzen Region lässt ihm keine andere Aufstiegschance. Nicht das Elend der Drogenabhängigen und die fatale Logik des Drogenhandels, sondern die folgenreiche Identifikation mit einem wirklichkeitsfremden Ideal steht im Zentrum des Films. Seine Überzeugungskraft beruht nicht zuletzt auf einem Dialog im regionalen und milieuspezifischen Dialekt, den die deutsche Synchronisation zerstört. Am Ende steht Liam vor den Trümmern seiner Ambitionen. Dennoch hat nicht die Verzweiflung das letzte Wort. Die Schlussszene hält die Balance zwischen Hoffnungslosigkeit und möglichem Neuanfang.
Offizielle Website                        Kritik in epd Film


Produktion: Rebecca O'Brien, GB/BRD/Spanien 2002; Regie: Ken Loach; Buch: Paul Laverty; Kamera: Barry Ackroyd; Schnitt: Jonathan Morris; Musik: George Fenton; Darsteller: Martin Compston (Liam), Michelle Coulter (Jean), Annmarie Fulton (Chantelle), William Ruane (Pinball), Gary McCormack (Stan), Tommy McKee (Rab) u.a.; Format: 35 mm, F., 106 Min.; Verleih: ottfilm GmbH / Filmwelt, Kurfürstendamm 175/176, 10707 Berlin, Tel. 030/8871888-0, Fax - 29; FSK: 12, ffr.; Kinostart: 26.6.2003