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Ferien in der Heimat (Vacances au pays)
(Vacances au pays)
Kamerun, Frankreich, Deutschland 2000, Dokumentarfilm, 75 Min., VHS Buch und Regie: Jean-Marie Téno Kamera: Jean-Marie Téno, Moussa Diakité Ton: Lardia Thombiano Schnitt: Christiane Badgley Musik: Ben‘s Belinga, Marianne Entat Produktion: Les Films du Raphia, ZDF/arte
Gefördert vom Kirchlichen Entwicklungsdienst der Evangelischen Kirche in Deutschland
Kurzinhalt: In Form eines Dokumentarfilm-Essays setzt sich der Filmemacher Jean-Marie Téno mit der sozialen und politischen Lage in seiner Heimat Kamerun auseinander. Mit ironischer Distanz erkundet er, was den vollmundigen Versprechungen von Modernität und Entwicklung real zugrunde liegt.
Inhalt: “Ferien in der Heimat” ist ein Road-Movie, das einer doppelten Bewegung folgt. Eine reale Reise folgt der Route, wie sie der Filmemacher Jean-Marie Téno in seiner Jugend jeweils in den Sommerferien unternommen hat - von der Hauptstadt Yaoundé, wo er das Gymnasium besuchen konnte, zurück in sein Heimatdorf Bandjoun, wo seine Familie lebt. Auf der Zeit-Ebene führt diese Reise zugleich zurück: - biografisch in die eigene Vergangenheit und damit in die seiner Familie, kollektiv in die Geschichte seines Dorfes wie die seines Landes. Ziel- und ursprünglicher Ausgangspunkt dieser Zeit-Reise sind jene euphorisch empfundenen Tage, als das Land seine politische Unabhängigkeit erhalten hatte. Auf den Stationen seiner Reise durch Kamerun begegnet der Filmemacher einer Vielzahl von Menschen. Einem losen Katalog von Fragen folgend, forscht er nach den erfüllten Hoffnungen aber auch nach den Enttäuschungen, die ihnen die Jahre seit der Unabhängigkeit gebracht haben. Zu diesen Menschen gehören sowohl kleine Leute, wie der Bauer, der seine Kakaobohnen auf dem Asphalt der Überlandstraße trocknet oder ein ehemaliger Fährmann, der den Zeiten nachtrauert als die aus Europa importierte Flußfähre noch funktionierte. Dazu gehört aber auch ein aufgeblasener Provinzfunktionär, der eine goldene Zukunft beschwört, sich dabei aber durch die Überheblichkeit seiner Selbstdarstellung unfreiwillig als mitverantwortlich für die Malaise entlarvt, in der das Land heute steckt. Jean-Marie Téno hat für “Ferien in der Heimat” die Form eines Dokumentarfilm-Essays gewählt, um sich – betont subjektiv – damit auseinanderzusetzen, was politische Unabhängigkeit und (vermeintliche) Modernität seinem Heimatland Kamerun gebracht haben. Einem Begriff von Fortschritt folgend, den er als “Modernität à la Tropicale” kritisiert, erscheine vielen Kamerunern alles Europäische modern und alles Afrikanische vorsintflutlich. Von seinem kritischen Duktus her erinnert “Ferien in der Heimat” im Ansatz wie in der Zielrichtung dem vielbeachteten Buch von Axelle Kabou, “Weder arm noch ohnmächtig”.
Filmo- Biografie Jean-Marie Téno wurde 1954 in Famleng, Kamerun, geboren. 1978 emigriert er nach Frankreich. In Valenciennes studiert er audiovisuelle Kommunikation. Regelmäßig reist er nach Kamerun, wo er auch alle seine Filme gedreht hat. Er arbeitet als Filmemacher und unabhängiger Produzent, aber auch als Cutter, u.a. für France 3. Jean-Marie Téno zählt - nicht erst mit “Ferien in der Heimat” - zu jener jungen Generation von Afrikanern, die selbstkritisch und ohne dabei die schwere Hypothek des Kolonialismus aus den Augen zu verlieren auch nach dem afrikanischen Anteil am Scheitern der beiden großen Versprechungen von Fortschritt und Entwicklung fragen.
(Filmographie; Auswahl) 1984 Schubbah 1985 Hommage 1985 Fièvre jaune taximan 1988 L’eau de misère 1992 Die Macht der Wörter (Afrique, je te plumerai) 1994 La tête dans les nuages... 1996 Clando 1999 Chef! 2000 Ferien in der Heimat
Pressestimmen: “Fortschritt und Modernität sind im Kamerun der Gegenwart nur um den Preis von Verarmung und Identitätsverlust zu erkaufen; sie sind Schimären, die Téno ebenso als Erblast der Kolonialzeit wie als neuerliche Heimsuchung des Kapitalismus begreift. Es ist selten, daß sich ein Film seiner Befunde und Angriffsziele derart sicher ist.” Berliner Zeitung
“Ferien in der Heimat ist ein soziopolitischer Reisebericht der besonderen Art“ Variety
„Die Reise in die Vergangenheit des Regisseurs wird zu einer Vision für eine mögliche Zukunft seiner Landes; und die empfindliche Balance zwischen Vergangenheit und Zukunft, die soviele afrikanische Filme zum Thema haben, findet hier einen aufregend neuen Ausdruck.“ Film Comment
Jean-Marie Téno über “Ferien in der Heimat” “Ich habe ab Mitte der sechziger Jahre das Gymnasium Général Leclerc besucht, in den euphorischen Jahren nach der Unabhängigkeit. Unsere Eltern plagten uns damals mit den Worten: ‚Du mußt studieren, dann wirst du wie die Weißen‘, und unsere Vorfahren in den Schulbüchern waren Gallier. Man erzog uns oder öffnete uns vielmehr einem Kult der Modernität, dem man huldigen mußte, selbst auf die Gefahr hin, sich dabei zu verlieren. Aus meiner Schulzeit habe ich das frustrierende Gefühl zurückbehalten, daß alles Europäische modern ist, alles Afrikanische hingegen vorsintflutlich und infolgedessen zum Verschwinden bestimmt.”
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