EZEF-Arbeitshilfe
Kein Brot für Öl - Der Biosprit-Boom in Kolumbien
"Kein Brot für Öl - Der Biosprit-Boom in Kolumbien" ist ein Beitrag auf der DVD "Unterwegs in die Zukunft – 12 Filme zum Thema Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt". Weitere Informationen zur DVD finden Sie in der Arbeitshilfen-Übersicht der DVD und in unserem Katalog.
Deutschland 2008, Reportage, 30 Min., DVD Buch und Regie: Renate Werner Kamera: René Begas, Renate Werner Schnitt: Kirsten Becker Produktion: WDR, Redaktion tag 7, Angelika Wagner, Maria Dickmeis
1. Inhalt
Der Film zeigt die Auswirkungen der Palmölproduktion in Kolumbien insbesondere auf die Situation von Kleinbauern und deren Umwelt auf und setzt sie in einen globalen Kontext, in dem auch Deutschland eine gravierende Rolle spielt.
Tausende von Kleinbauern, überwiegend afro-kolumbianischer Herkunft, wurden vor einigen Jahren im Nordwesten Kolumbiens von mächtigen Unternehmern gewaltsam von ihrem Grund und Boden bei einer zwar illegalen, aber von der kolumbianischen Regierung geduldeten Aktion vertrieben. Jetzt kehren einzelne Bauernfamilien, bzw. kleine Dorfgemeinschaften zurück, aber auf ihren Feldern sind Palmölplantagen entstanden. Die Bauern nennen die riesigen Plantagen die „Grüne Wüste“. Hier werden über mehrere Hektar Ölpalmen in Monokulturen angepflanzt aus denen Palmöl gewonnen und in Industrieländer exportiert wird. Früher wurden auf diesen Flächen Nahrungsmittel angebaut, welche den Bauern die tägliche Grundversorgung gewährleistete. Heute machen die großen Plantagenbesitzer mit dem Palmöl auf dem Weltmarkt ein gutes Geschäft, von dem auch die Regierung profitiert.
Der Film zeigt, wie die Kleinbauern inmitten der Plantagen wieder anfangen, ihre Nahrungsmittel anzubauen. Sie fordern ihr Land zurück, und sind deshalb immer wieder der Gewalt von bewaffneten Milizen ausgesetzt, die im Auftrag der Palmölfirmen die Heimkehrer einschüchtern, bedrohen und Gewalt antun. Die Bauern fürchten sich auch vor den Soldaten, die um die Dörfer und Felder patrouillieren. Dabei, so sagt die Regierung, seien sie nur zu ihrem Schutz.
Der größte Teil des Palmöls wird nach Europa exportiert, auch nach Deutschland. Wurden daraus bisher Waschmittel, Margarine, Süßigkeiten und andere Produkte hergestellt, so boomt diese Produktion nun durch die Nachfrage von Agrosprit. Für Agro-Diesel soll in Kolumbien die Anbaufläche in den nächsten Jahren verdoppelt werden.
Es herrscht Goldgräberstimmung in Kolumbien: die Preise für Palmöl sind derzeit hoch und die Regierung plant eine Verzehnfachung der Produktion. Doch während die Regierung Arbeitsplätze und Wohlstand verspricht, explodieren in Kolumbien die Lebensmittelpreise und viele der ehemaligen Kleinbauern verelenden als schlecht bezahlte Tagelöhner auf den Plantagen oder in den Slums der Großstädte.
Offiziell sagt der Vertreter des Landwirtschaftsministeriums, sie seien dabei, die Eigentumsrechte der Kleinbauern zu prüfen und setzten sich dann für die Zurückgabe des Landes ein. Doch daran zweifelt die Opposition. Die Regierung interessiere sich mehr für die Interessen der internationalen Regierung als für die Kleinbauern. Vor allem der Verlust von Ackerfläche für den Anbau von Lebensmitteln, der durch den Palmölboom entstehe, sei problematisch, so der der Oppositionspolitiker Uriel Armado: „Palmen kann man nicht essen. Um die Tanks der Autos zu füllen, werden Bauern getötet.“ Grundnahrungsmittel, wie beispielsweise Mais, müssten schon komplett aus den USA importiert werden.
Dadurch, so argumentiert der Film, würde Kolumbien vom Export und der Nachfrage auf dem Weltmarkt abhängig. Der Geschäftsführer der Raffinerie schiebt die Verantwortung von sich. Es würde über die Preise in den Industrienationen entschieden, welcher Anbau sich in Kolumbien lohne. Der Export von Bananen würde sich nur dann rentieren, wenn die Konsumenten in Europa auch mehr dafür bezahlten.
Im Moment sind die Preise unschlagbar gut. Viele Großgrundbesitzer hätten darum ihren Anbau umgestellt: statt Reis oder Bananen würden nun Ölpalmen angebaut. Im Norden des Landes wurde Felicidad Castro, eine Bäuerin interviewt. Auch sie hat den Reisanbau aufgegeben und ist statt dessen einen langfristigen Vertrag mit einem Konzern eingegangen. Sie ist glücklich: Jetzt kann sie sich und ihre Kinder gut ernähren und die Schulgebühren bezahlen. Stolz zeigt sie ihre Hühner und Schweine. Auch die Grundstückspreise sind seither in die Höhe geschnellt. Doch die Kommentatorin zeigt die Grenzen dieser positiven Entwicklung auf. Denn was ist, wenn die Preise sinken? Was wird, wenn in 20 Jahren die Böden durch die Palmen ausgelaugt sind und kein Anbau mehr möglich ist?
Die Palmölplantagen wirken sich derweil aber nicht nur auf die Ernährungssituation der Kleinbauern aus, sondern sind auch zur direkten Bedrohung für die Umwelt geworden. Täglich wird in Kolumbien Urwald gerodet um weiteren Platz für Plantagen zu schaffen. Durch die hohe Pestizid-Belastung und den hohen Wasserverbrauch in den Monokulturen wird das Ökosystem empfindlich gestört und das Wasser stark verschmutzt. Der Boden wird ausgelaugt und der Fischfang in anliegenden Gewässern ist für die Bevölkerung unmöglich geworden.
2. Filmische Umsetzung
Bei dem Film „Kein Brot für Öl“ handelt es sich um eine klassische Fernsehreportage. Der Film beleuchtet die ökologischen und sozialen Folgen des internationalen „Palmöl- Booms“ in Kolumbien. Insbesondere die Vertreibung von Kleinbauern und die Verletzung ihrer (Menschen)rechte werden im Film diskutiert.
Als Reportage konzipiert, ist der Film räumlich und zeitlich begrenzt. Die Filmemacherin Renate Werner erzählt aus Sicht einer Augenzeugin, indem sie vor Ort Bauern, Regierungsvertreter, Oppositionelle und Händler befragt. Der Film ist parteilich, er will Kleinbauern und Oppositionellen eine Stimme geben, die sonst weltweit wenig Gehör finden. Er will aufzeigen, dass die Rechte der Kleinbauern wenig zählen, wenn Handelsgewinne mit Agrarprodukten im großen Stil möglich sind. Er hat also auch nicht den Anspruch objektiv zu sein. Vielmehr versucht die Reporterin ihre These, dass das System die Kleinbauern benachteiligt, mit Zitaten von den Betroffenen zu belegen. So werden die Probleme, die mit der Palmölproduktion in Verbindung stehen, schnell für den Zuschauer ersichtlich und geben ihm die Möglichkeit, eine kritische Position zur Thematik kennenzulernen. Dem Zuschauer wird bewusst gemacht, dass durch den globalen Handel der Konsument in Deutschland direkt an der Situation in Kolumbien beteiligt ist und somit an seine eigene Verantwortung erinnert.
Der Film konzentriert sich auf die Folgen des Booms und auf die zentralen politischen Aussagen. Und es gelingt ihm, nicht nur eine gute Zusammenfassung der Kritik an dem Ausbau von Agrartreibstoffen zu geben, sondern ist auch ein starkes Plädoyer für die Rechte der Kleinbauern.
Durch die Parteilichkeit kann sich der Zuschauer aber kein eigenes Bild machen, indem er Argumente von beiden Seiten kennen lernt. Die Gegenposition kommt sehr wenig, und selten unkommentiert zu Wort. Auch bleibt die Datenlage vage. Man erfährt wenig über genaue Orte und Akteure, Größenordnungen, Abnahmeregelungen, Preise und Gewinne. Deshalb müsste dem Film für eine Bildungsarbeit, in der die Teilnehmenden sich selbst eine Meinung bilden sollen, ein mindest ebenso starkes Gegenbeispiel entgegen gesetzt werden.
3. Themen
A. Was ist Agrosprit?
Agrotreibstoffe (meist Bio-Treibstoffe genannt) sind aus Biomasse hergestellte Kraftstoffe. Bioethanol wird aus zucker- oder stärkehaltigen Pflanzen wie Zuckerrohr, Gerste, Weizen, Mais, Zuckerrüben und Maniok hergestellt. Biodiesel dagegen wird aus ölhaltigen Pflanzen wie Raps, Soja, Ölpalmen, Sonnenblumen, Rizinus oder Jatropha gepresst. Der Nachteil dieser ersten Generation von Agrotreibstoffen ist, dass ein großer Teil der Pflanzen nicht für die Energiegewinnung genutzt werden kann und somit als Nebenprodukt meist verfüttert werden muss oder als Dünger wieder auf dem Feld landet.
Zur Zeit machen Agrotreibstoffe weltweit 1% des gesamten Kraftstoffverbrauchs aus, davon sind 90% Bioethanol. Wenngleich die Größenordnung noch relativ gering ist, zeigt die Wachstumskurve sowohl hinsichtlich der erzeugten Menge, der Flächenbelegung als auch dem Verbrauch von Agrotreibstoffen steil nach oben. Ganz besondere „Boomländer“ des Energiepflanzenanbaus sind Brasilien (Zuckerrohr, z.T. auch Soja), Indonesien (Palmöl), Malaysia (Palmöl) und neuerdings Kolumbien (Palmöl).
B. Importe nach Deutschland
In Europa werden Ethanol und Biodiesel erheblich mit staatlichen Geldern gefördert. Zudem erhielten die Agrokraftstoffe jahrelang große Steuervorteile, indem sie von der Mineralölsteuer befreit waren. Als sich dies ab 2006 änderte, konnte nur ein Gesetz, das der Mineralölbranche vorschreibt, ihren Produkten Ethanol und Biodiesel beizumischen, die Hersteller von Agrokraftstoffen vor dem wirtschaftlichen Desaster bewahren. In Deutschland gilt für 2009 eine Mindestbeimischung von 5,25%, die ab 2010 auf 6,25% angehoben werden soll.
Da europäische Flächen bei weitem nicht ausreichen, um das momentan anvisierte Beimischungsziel zu erreichen, ist die EU auf Importe angewiesen. Um die Bedenken bezüglich der ökologischen und sozialen Folgen Rechnung zu tragen, wird in der Europäischen Union an einer Nachhaltigkeitsverordnung gearbeitet. Doch bislang fehlen in den Kriterien noch weitgehend ausreichende soziale und menschenrechtliche Standards.
Seit 2004 gibt es den Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO). Ihm gehören v.a. die namhaften Palmölproduzenten, aber auch Energiekonzerne und die verarbeitende Industrie an. NGOs sind fast keine vertreten, Basisorganisationen schon gar nicht. Der RSPO hat sich offiziell zum Ziel gesetzt, den Anbau von Ölpalmen nachhaltig zu gestalten, insbesondere die verheerenden Abholzungen zu stoppen.Beim Richtlinienentwurf für den „Runden Tisch“ sind die direkt Betroffenen, also im Fall von Kolumbien, die Kleinbauern, nicht miteinbezogen worden. Von einer nachhaltigen Strategie kann also nicht die Rede sein. Fedepalma, der kolumbianische Verband der Ölpalmenpflanzer, ist von Anfang an Mitglied der RSPO und hat in der Vergangenheit sein Augenmerk vor allem auf den Umweltschutz gelegt. Dennoch werden in Kolumbien fast täglich große Flächen Regenwald zerstört, um die Ölpalmen in Monokulturen zu kultivieren. Die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren ist stark bedroht. Die sozialen Auswirkungen sind von Fedepalma nur wenig beleuchtet worden. In einigen Gebieten Kolumbiens setzt die lokale Wirtschaft ausschließlich auf die Produktion von Exportprodukten, was die lokale Versorgung mit Lebensmitteln stark beeinträchtigt. Zu den Beziehern des Exportpalmöls gehört im großen Maße die EU, also auch Deutschland. Nichtregierungsorganisationen fordern, dass in der Zwischenzeit der Import von Palmöl für Verwendung als Agrodiesel ausgesetzt wird.
C. Agrotreibstoffe in der entwicklungspolitischen Diskussion
Das Thema „Agrotreibstoffe“ wird in Deutschland seit einiger Zeit kontrovers diskutiert. Im Zentrum der Diskussion steht insbesondere die Frage, ob Agrotreibstoffe einen wirkungsvollen Beitrag zur CO2-Reduzierung leisten können und unter dem Schlagwort „Teller oder Tank“, ob der Anbau von Agrotreibstoffen den weltweiten Hunger noch vergrößert.
Die Probleme der Vereinbarkeit von ökologischer Bedeutung, sozialer Gerechtigkeit, wirtschaftlicher Rentabilität und Nachhaltiger Entwicklung werden am Beispiel der Palmölproduktion besonders deutlich. Palmöl bringt von denjenigen Pflanzen, aus denen Agrodiesel gewonnen werden kann, die höchsten Hektarerträge und ist deshalb schnell ins Interesse der internationalen Wirtschaft gerückt.
Anfangs hoch gelobt, gibt die stark ansteigende Produktion der letzten Jahre immer mehr Anlass zur Sorge. In Indonesien, Brasilien oder eben Kolumbien wird in großem Maßstab Regenwald gerodet, um Platz für Großplantagen zu schaffen. Dies hat nicht nur große Auswirkungen auf die Umwelt, sondern gefährdet auch den Lebensraum von indigenen Völkern und die Grundversorgung vieler Kleinbauern mit lebensnotwendigen Nahrungsmitteln.
Zwar wird seitens der Regierungen immer wieder beteuert: „...die Flächenexpansion sei ohne Gefährdung der Ernährungssicherheit und der biologischen Vielfalt möglich“ – doch die Realität sieht häufig anders aus.
Agrotreibstoffe und Ernährungsunsicherheit
Die Erwartungen an Agrotreibstoffe waren groß. Moderner Umweltschutz, bei dem der Verbraucher auf nichts verzichten muss, war die Devise. Schnell rückten die Potentiale der Energiepflanzen ins Licht der Öffentlichkeit und wurden als die Alternative zu Erdöl und -gas im Bereich der Spritproduktion gehandelt. Für Industrieländer verhieß der „grüne“ Sprit einen Weg in eine zukunftsfähigere und nachhaltige Wirtschaft. Für viele Länder des Südens bedeutete das wachsende Interesse an alternativen Treibstoffen aber Konflikte, Umweltprobleme, Verletzung von Menschenrechten und den Verlust der Ernährungssouveränität.
Viele Entwicklungsländer hofften, die Nachfrage nach „Biosprit“ im Norden bedienen zu können. Agrotreibstoffe versprachen ein lukratives Geschäft. Daher investierten internationale Großkonzerne, und namhafte internationale Finanziers gaben großzügig Kredite. So entstanden Großplantagen häufig auf sehr fruchtbarem Land. Dass dieses vorher Jahrzehnte lang von Kleinbauern bewirtschaftet wurde und ihrer alltäglichen Versorgung und der ihrer Familien diente, wurde dabei immer wieder ignoriert. Fehlende Landrechte verschlimmerten die Situation zusätzlich.
Auch die gestiegenen Weltmarkspreise für Grundnahrungsmittel, wie z.B. Mais, stehen in enger Verbindung zur verstärkten Nachfrage nach „Bio“sprit. Ein bekanntes Beispiel ist die so genannte Tortilla-Krise in Mexiko. Zu Beginn der 90er Jahre konnte Mexiko seine Bevölkerung noch weitestgehend selbst mit dem Grundnahrungsmittel Mais versorgen. Erst mit dem Beitritt Mexikos zur nordamerikanischen Freihandelszone (NAFTA) 1994 und der damit verbundenen Öffnung der Märkte sind die Maisimporte aus den USA sprunghaft gestiegen: auf bis zu einem Viertel des jährlichen Maiskonsums von 23 Millionen Tonnen in Mexiko. Diese Importe sind in den folgenden Jahren weiter gestiegen auf jährlich etwa 10 Miollionen Tonnen Mais. Längerfristig hatten die mexikanischen Maisbauernfamilien damit kaum eine Chance gegen die Konkurrenz im Norden. Denn mehr als zwei Drittel der mexikanischen Bauern und Bäuerinnen bewirtschaften weniger als fünf Hektar Land; die großen US-Farmer hingegen 1.000 Hektar und mehr. Hinzu kommen hohe Subventionszahlungen für den US-amerikanischen Maisanbau, die deren Produkte verbilligen. Aufgrund der Konkurrenzsituation mit billigem amerikanischen Mais purzelten in Mexiko die Mais-Preise um 70 % (1995-2002).
In der sogenannten Tortilla-Krise (Zeitraum von Oktober 2006 bis zum Januar 2007) stiegen die Maispreise um etwa 50 %. Verursacht wurde dies durch Prognosen für eine schlechte Maisernte in den USA und einer stärkeren Nachfrage nach Mais, unter anderem zur Verwendung als Agroenergie. Die Auswirkungen insbesondere für die städtische mexikanische Bevölkerung, von denen viele am Existenzminimum leben, waren gravierend. Mehr als 100.000 Menschen in Mexiko-Stadt protestierten gegen diese Preissteigerungen. Nach Schätzungen des Deutschen Mais-Komitees wurden 2007 bereits 20 % der US-Maisernte für die Herstellung von Bioethanol verwendet, 2006 waren es lediglich 10 %. Der enorme Maisbedarf der Ethanol-Industrie wird das ganze Ernährungssystem treffen, fürchten die Forscher C. Ford Runge und Benjamin Sauer von der University of Minnesota. Sie haben ausgerechnet, dass eine Ethanol-Tankfüllung eines normalen Geländewagens 196 Kilo Mais benötigt. Damit könnte man einen Menschen ein Jahr lang ernähren.
Die ökologische Bilanz von Agrotreibstoffen
Angesichts steigender Energiepreise, schwindender fossiler Ressourcen und eines unaufhaltsamen Klimawandels wächst das Interesse an der Gewinnung von Strom, Wärme oder Treibstoff aus nachwachsenden Rohstoffen. Die Regierungen versprechen sich eine verminderte Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Landwirte hoffen auf neue Einnahmequellen durch den Anbau von Energiepflanzen
Zunächst waren auch Umweltschützer begeistert von den Möglichkeiten, regenerative Energien aus Pflanzenmaterial für die Treibstoffproduktion zu gewinnen. Doch immer mehr wurden die Grenzen deutlich. Betrachtet man heute die Ökobilanz aber umfassend – im einzelnen hängt dies wesentlich von der Art der Energiepflanze, von deren Anbauort und von der Intensität der Produktionsweise ab; ebenso von direkten oder indirekten Landnutzungsänderungen wie auch von der Nutzungsform der Bioenergie – dann überzeugt diese Nutzungsform wenig. So spricht sich der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderung (WBGU) eindeutig gegen die Verwertung in Form von Agrotreibstoffen aus. Der Biomassenutzung im Bereich der Strom- und Wärmebereitstellung werden hingegen gute Chancen eingeräumt.
Die ökologischen und sozialen Probleme verdeutlichen, dass wir nicht einfach unseren Energiebedarf grenzenlos durch Agroenergie befriedigen können. Keineswegs stellen sie eine umfassende Lösung für einen nicht-nachhaltigen Lebensstil dar. Ohne eine Steigerung der Energieeffizienz und eine Senkung des Energieverbrauchs kann es keine Nachhaltigkeit geben. Keineswegs sollte ein zukunftsfähiger Lebensstil, der weniger CO2 verursacht, auf Raubbau der ärmeren Länder aufbauen.
D. Hintergründe zu den Landvertreibungen in Kolumbien
Zwischen 1996 und 1997 wurden nahezu 10.000 Angehörige afrokolumbianischer Gemeinden in den Tälern der Flüsse Cacarica, Curvaradó und Jiguamiandó in der Provinz Chocó von militärischen und paramilitärischen Einheiten im Rahmen der Militäroperation „Génesis“, die vorgab, sich gegen die FARC Guerilla zu richten, vertrieben. Kurz nach der Vertreibung begannen Unternehmen mit der Errichtung von Bananen- und Ölpalm-Plantagen auf dem Land der vertriebenen Gemeinden. Die vertriebenen Familien haben bei dem Versuch, auf ihr Land zurückzukehren, vielfältiges Unrecht erlitten. Die Liste der Straftaten reicht von Bedrohungen über Verfolgung, Kriminalisierung und Folter bis hin zur Ermordung von Gemeindemitgliedern. Außerdem wurde durch den Anbau der Ölpalme großflächig Regenwald in einem der weltweit artenreichsten Gebiete abgeholzt. Der Lebensraum vieler Gemeinden wurde zerstört. Der Anbau der Ölpalme in Monokultur hat in dieser Region zu beträchtlichen Umweltschäden geführt, welche die Lebensgrundlage der Gemeinden gefährdet.
Die afrokolumbianischen Gemeinschaften am Curvaradó und Jiguamiandó besitzen kollektive Landtitel. Im Fall Curvaradó sind 46.084 Hektar und im Fall Jiguamiandó 54.973 Hektar offiziell als kollektiver Gemeindebesitz anerkannt. Doch trotz offizieller Landtitel setzt sich der Staat nicht für die Landrechte der Gemeinden ein, im Gegenteil, die Plantagen werden von den staatlichen Streitkräften geschützt. Daraufhin entschieden sich einige Familien, trotzdem auf ihr Land zurückzukehren. Die Betroffenen haben vom kolumbianischen Staat die bedingungslose Rückgabe des besetzten Landes gefordert und diverse nationale und internationale Instanzen und Gerichtsverfahren bemüht, wie das Interamerikanische System für Menschenrechte, die Vereinten Nationen, und die außergerichtliche Ethische Wahrheitskommission. Nicht einmal die Intervention des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte, welcher die kolumbianische Regierung aufforderte, die Landrückgabe an die Gemeinden zu garantieren, hatte die erhoffte Wirkung. Laut einer Studie des kolumbianischen Instituts für ländliche Entwicklung (INCODER) und des kolumbianischen Ombudsmanns haben Palmöl-Unternehmen wie Palma de Curvaradó, URAPALMA, Palmas S.A., Palmadó, Agropalma, Fregni Ochoa, Selva Húmeda, Asibicon, Palmas del Atrato und La Tukeka im Jahre 2004 nahezu 21.200 Hektar Land der Gemeinden Curvaradó und Jiguamiandó illegal besetzt. Dafür haben sie teilweise sogar staatliche Subventionen erhalten.
Die internationalen Verpflichtungen für Menschenrechte des kolumbianischen Staates: Die Republik Kolumbien ist Vertragsstaat des Internationalen Paktes für Wirtschaftliche, Soziale und Kulturelle Menschenrechte und des Paktes für Zivile und Politische Rechte. Kolumbien ist daher völkerrechtlich verpflichtet, die Menschenrechte der kolumbianischen Bevölkerung zu respektieren, zu schützen und zu gewährleisten. Durch den fehlenden Zugang zu Land wird das Recht auf Nahrung der Gemeinden Curvaradó und Jiguamiandó verletzt. Weiterhin wird das kollektive Recht auf Land, wie es in der von Kolumbien ratifizierten Konvention Nr. 169 der Internationalen Arbeitsorganisation ILO steht, verletzt. Der Staat muss daher illegale Landnutzungen beenden und sicher stellen, dass die vertriebenen Gemeinden auf ihr Land zurückkehren können.
Der Plan Colombia
Der Plan Colombia, dessen primäres Ziel die Bekämpfung der Drogenproblematik in Kolumbien ist, entstand im Jahre 1999 unter dem damaligen Präsidenten Andrés Pastrana, und unter enger Mithilfe der USA. Die USA bewilligten fast 4 Milliarden US$ Militärhilfe für den Plan Colombia, Militärhubschrauber, sowie zusätzliches Personal und Trainingsprogramme zur Drogenbekämpfung. Dieser Kampf gegen die Drogen wurde später auch zum Krieg gegen die Guerilla ausgeweitet. Vier Kernbereiche waren dabei elementar: Die Überwindung des bewaffneten Konfliktes, die Bekämpfung des Drogenanbaus und Drogenschmuggels, die Stärkung und Unterstützung der kolumbianischen Wirtschaft, sowie die soziale Entwicklung und Stärkung von Institutionen. Besonders Kokapflanzungen im Süden des Landes sollten zerstört werden.
Die Militarisierung der Gesellschaft und Umweltschäden durch die Besprühung vermeintlicher Koka-Felder waren verheerende Folgen, mit denen die kolumbianische Bevölkerung daraufhin zu kämpfen hatte. Folgen des Pestizideinsatzes sind die Gefährdung der Umwelt, Vergiftung des Wassers, Gesundheitsschäden und Hungersituationen der lokalen Bevölkerung durch die Zerstörung ihrer Felder mit legalen Anbauprodukten (Mais, Bananen). Immer mehr Menschen fliehen aus den Gebieten. Betroffen sind insbesondere das Departement Putumayo und das Departement Nariño.
Korruption im kolumbianischern Militär stellte dabei nur eines der Probleme dar. Für viele Kleinbauern ist der Kokaanbau die einzige Möglichkeit für sich und ihre Familien einen einigermaßen gesicherten Lebensunterhalt zu verdienen. Alternativen zum Kokaanbau, die es den Bauern ermöglichten, auf andere Weise ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, sind im Plan Colombia dagegen nicht vorgesehen. Ein Großteil des in Kolumbien produzierten Kokains geht in die USA. Der Konsum dort wird aber nicht als Ursache des Problems thematisiert. Stattdessen werden große Schäden für die Bevölkerung und Umwelt Kolumbiens im Kampf gegen die Drogen in Kauf genommen. Insgesamt ist der Erfolg des Plan Colombia daher eher fragwürdig.
Im letzten Bericht des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) wird sogar aufgeführt, dass die mit Koka bebaute Fläche insgesamt in Kolumbien nicht, wie aus Regierungsberichten hervorgeht, reduziert wurde, sondern sogar um 27%, von 78.000 ha auf 99.000 ha, gewachsen ist. Festzustellen ist eine Verlagerung der Produktionder Koka, bedingt durch die Besprühungen. So hat sich z.B. die Produktion von Koka seit 2002 vom Departement Putumayo zunehmend in das Departement Nariño, welches ebenfalls an Ecuador grenzt, verlagert. Dort ist die Anbaufläche sogar um 30% gestiegen. Noch dazu verschlimmern radikale Paramilitärs und korrupte Beamte die Situation und lassen so an einer legalen und gerechten Umsetzung des Plan Colombia zweifeln.
Geopolitisch gesehen war der Plan Colombia Teil der Außen- und Sicherheitspolitik der USA. Dabei sollte u.a. die kolumbianische Armee als solche entmachtet werden und mehr und mehr zur Polizeieinheit degradiert werden.
4. Bezug zur Studie ZD
Die Studie „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“ stellt das Modell grenzenlos materiellen Wachstums in einer physisch begrenzten Welt in Frage. Sie beschäftigt sich mit der hochbrisanten Frage, wie Deutschland nachhaltiger und zukunftsfähiger – im globalen wie nationalen Bereich – werden kann. „Was sind die Realitäten?“ und „Wo besteht die Möglichkeit zu handeln?“ Angestoßen werden soll eine breite gesellschaftliche Diskussion.
Als Industrienation und Importeur von Agrotreibstoffen, v.a. auch von Palmöl, kommt Deutschland dabei eine besondere Verantwortung zu. Agrotreibstoffe werden in unterschiedlichen Kapiteln der Studie behandelt. Außerdem werden zu dem Thema Vorschläge gemacht in der Arbeitshilfe „Den Kurs wechseln – neue Wege gehen – Zukunft fair teilen“. Angrenzende Themen sind in der Mappe die Themen Klimawandel und Welthandel, die ebenfalls didaktisch aufgearbeitet sind (siehe Literatur-Hinweise).
Die Endlichkeit von Erdöl und Erdgas
(A, 2.2, S. 41) Erdöl und Erdgas gehören zu den nicht erneuerbaren Energien. Da unser Konsum aber weiter wächst und immer mehr Energie, v.a. in den Industrieländern benötigt wird, sind Wissenschaftler weltweit auf der Suche nach Alternativen. Wind, Wasser oder die Sonne als Energiequellen sind dabei eine Möglichkeit, Biosprit und Biodiesel die andere. Die Diskussion um das Thema Agrosprit ist mit der Endlichkeit von Erdöl und Erdgas eng verbunden, doch ob es sich dabei auch um eine adäquate Alternative handelt wird in aktuellen Studien immer häufiger angezweifelt.
Fossile Krise gefährdete Ernährungssicherheit
(A, 2.3, S. 48) Der aktuelle Klimawandel wird gravierende Auswirkungen auf die weltweite Ernährungssicherung und die Versorgung mit Trinkwasser mit sich bringen. Die Lebensgrundlage vieler tausender Menschen im Süden ist bedroht. Die Ertragsverluste durch den Klimawandel werden durch eine zusätzliche Flächenkonkurrenz mit dem Anbau von Agrotreibstoffen noch verschärft.
Raubbau auf dem Rücken der Ärmsten
(A, 3.1, S. 69) Die meisten europäischen Industriestaaten verdanken ihren Aufschwung fossilen Rohstoffen aus der Erdkruste und den Rohstoffen aus den ehemaligen Kolonien. Auch heute noch wirken diese Bedingungen fort. Doch während der Süden den Industrienationen mit dem Export von Produkten wie Erdöl, Uran oder Agrargütern zuarbeitet, verschlimmert dies durch Klimaverschmutzung, Verknappung der Ölvorkommen und dem Verschleiß von Biodiversität die weltweite Krise. Auch Palmöl ist eine Medaille mit zwei Seiten. Im Norden gilt sie einerseits als ökologisch korrekt und Waffe gegen den Klimawandel. Im Süden ist sie für Umweltverschmutzung, Rodung von tropischem Regenwald und Nahrungsmittelknappheit verantwortlich.
Die Schere geht weiter auf
(A, 3.2, S. 74 u. 76) Die Welt fällt ökonomisch gesehen immer weiter auseinander. Nur wenige profitieren von der Globalisierung während andere, vor allem in Afrika südlich der Sahara, Asien und Lateinamerika, immer stärker von Hunger und Armut betroffen sind. Ressourcenübernutzung verschlimmert die Unterentwicklung der anderen. Palmöl, welches beispielsweise in Kolumbien produziert wird, fließt zwar auch in deren heimische Tanks, der weitaus größere Teil wird aber für den Export verwendet und gelangt so in die Industrienationen in Nordamerika und Europa.
Globale Motorisierung
(A, 3.3, S. 81) Der Verkehr trägt heute mit einem Viertel Anteil an der gesamten Treibhausgasemission zu einem wesentlichen Teil zur aktuellen Krise bei. Vor allem die steigende Motorisierung in Schwellenländern wird in Zukunft problematisch werden. Eine global zunehmende Nachfrage nach Mobilität wird aber nicht nur unserer Umwelt schaden, sondern in Zeiten des Klimawandels und der Verknappung fossiler Treibstoffe auch die Suche nach Alternativen verstärken. Alternative Treibstoffe, wie Agrodiesel, können auf lange Sicht aber keine Lösung sein. Vielmehr sollten Industrie- und Schwellenländer versuchen, den eigenen Konsum zu verringern, der weit über ihren gegebenen Möglichkeiten liegt.
Überlastung der Tragfähigkeit
(B, 5.1, S. 117) Wie hoch sind die Belastungsgrenzen der Natur? Die Menschheit scheint zu vergessen, dass wir in einem sensiblen Ökosystem leben, das derzeit stark gefährdet ist. Besonders in Bezug auf die steigende Anzahl der Weltbevölkerung und die zukünftige Energieknappheit muss der Mensch sich kritisch fragen: „Wie viel Natur kann ich mir erlauben zu nutzen?“
Menschenrechte für Weltbürger
(C, 7.3, S. 198) Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verkündet als Grundsatz in Artikel 1: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“. Dass diesem und weiteren eigentlich allgemeingültigen Rechten in vielen Ländern keinerlei Bedeutung zukommt, ist heute leider Teil unserer Realität. Der Zugang zu Trinkwasser, gesunder Luft, angemessener Nahrung, Bekleidung und Wohnen ist für viele Menschen nicht gegeben und führt zu wachsenden Spannungen im Kontext der Globalisierung.
„Die Armen müssen als vollwertige Akteure des Systems betrachtet werden. Sie sind keine zu kurz gekommenen Versorgungsempfänger sondern verhinderte Akteure“ – dies ist eine wichtige Aussage, die hilft, den Kern vieler Probleme zu verstehen.
Menschenrechtsverletzungen sind in Kolumbien eng mit dem Thema Palmölproduktion verknüpft und stehen in vielen Regionen, in denen Plantagen existieren, auf der Tagesordnung. Ziel muss es sein, den Armen mehr Rechte zu geben. Landraub, Vertreibung und Körperverletzungen müssen offengelegt werden und im Rahmen einer internationalen Diskussion kritisiert werden: Die Rückgabe des besetzten Landes an die Gemeinden und ihre Rückkehr ist sicherzustellen; die Verantwortlichen für den illegalen Anbau von Ölpalmen sind zur Rechenschaft zu ziehen; die begangenen Straftaten gegenüber den Mitgliedern der Gemeinden sind aufzuklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen; die paramilitärischen Gruppen sind endgültig aufzulösen, und die freie Entscheidung der Gemeinden, in welcher Art und Weise sie ihr Land nutzen wollen, ist zu respektieren.
Wie kann es sich Deutschland beispielsweise erlauben, im großen Maße Palmöl zu importieren und als Produkt einer nachhaltigen Zukunft zu vermarkten, wenn gleichzeitig auf den Plantagen in Kolumbien Kleinbauern ihr Land verlieren, Menschen bedroht und ermordet werden und sie und ihre Familien am Rande des Existenzminimums leben müssen.
Palmöl aus Indonesien und die Urwaldvernichtung
(D, 11) „Bio“diesel gerät immer stärker in die Kritik. Neusten Studien zu Folge fällt selbst unter Klimaschutzgesichtspunkten die Bilanz für Agrokraftstoffe nicht mehr eindeutig positiv aus. Weitgehende Rodungen, um mehr Fläche für Agrotreibstoffe zu gewinnen, sind für viele Kritiker ein weitreichendes Problem, dem der positive Effekt der alternativern Brennstoffe nichts entgegen zu setzten hat. Entwicklungsorganisationen kritisieren schon lange die negativen Auswirkungen des Anbaus von „Bio“diesel und „Bio“ethanol für Entwicklungsländer. Viele Landstriche werden von Großkonzernen aufgekauft und die alternativen Treibstoffe werden dort in Monokulturen angebaut. Wichtiges Ackerland für die Nahrungsmittelproduktion geht so verloren. Die Folge ist, dass viele Kleinbauern durch den Verlust ihres Landes nicht mehr genug anbauen können und Hunger leiden müssen. Besonders Palmöl ist in letzter Zeit in die Kritik geraten. Rodungen, Vertreibungen und sonstige Verletzungen von Menschenrechten gehen mit der Ausdehnung von Palmölplantagen einher. Der Anteil von Agrokraftstoffen bei Diesel und Benzin soll in der EU bis zum Jahr 2020 trotzdem auf 10% angehoben werden. Problem dabei ist, dass die Ausdehnung des heimischen Agrotreibstoffanteils zu Lasten einer Flächenbelegung im Ausland geht, da Deutschland nicht genügend im eigenen Land produzieren kann.
Im Zentrum der Klimakrise
(E, 16.1, S. 458) Der Klimawandel darf nicht als isoliertes Problem betrachtet werden. Es müssen ganzheitliche Lösungen gefunden werden, die alle Komponenten, sei es die Biodiversität oder Ressourcenknappheit, miteinbeziehen. Der Klimawandel wird große Auswirkungen auf die weltweite Gerechtigkeit haben. Die Energiefrage ist eng verbunden mit Wohlstand. Große Teile des Regenwaldes abzuholzen, um für die Palmölproduktion Flächen zu erhalten, ist keine Form der nachhaltigen Nutzung. Eine Bereicherung großer multinationaler Unternehmen ist die Folge, während Kleinbauern, Indigene und Plantagenarbeiter das Nachsehen haben.
Anpassung an das Unvermeidliche
(E, 16.2, S. 468) Wichtig ist, zu erkennen, dass der Klimawandel nicht mehr aufzuhalten ist. Allenfalls kann verhindert werden, dass die schlimmsten Prognosen Realität werden. „Anpassung“ ist hier das zentrale Stichwort. So fördert die Produktion von Palmöl die Klimakrise zukünftig nur noch. Ärmere Länder dürfen mit den Problemen, die sich aus dem Klimawandel für sie ergeben, nicht alleine gelassen werden. Es muss eine wirksame Finanzierung geschaffen werden, die denjenigen zugute kommt, die am meisten von der Erderwärmung betroffen sind.
Die Urwälder – Klammer für den Biodiversitäts- und Klimaschutz
(E, 16.3, S. 473) Urwälder sind sogenannte „hot spots“ der Biodiversität und von großer Bedeutung für das Klima. Aus diesem Grund müssen besonders großflächige Wälder, wie in Kanada, Brasilien, Malaysia, Indonesien oder Russland, von der drohenden Abholzung geschützt werden. Großangelegte Programme und Fonds werden dafür benötigt; genauso wie internationale Standards für den Handel mit Holz-, Agrar- und Biomassegütern. So können auch die Rechte von indigenen und lokalen Gemeinschaften geschützt werden. Des Weiteren wird eine stärkere Kooperation zwischen Experten und Organen aus beiden Bereichen, dem Klimaschutz und dem Schutz der biologischen Vielfalt, verlangt.
Institutionen der Erdpolitik
(E, 16.4, S. 475) Zukunftsfähigkeit und Klimafreundlichkeit müssen zu wesentlichen Grundprinzipien vieler Politikfelder werden. Auch Entwicklungsbanken müssen sich neu orientieren. So hat der internationale Währungsfond (IWF) beispielsweise die Krise in den Entwicklungsländern durch strikte Vorgaben nur noch verschlimmert. Auch die Unterstützung durch die Weltbank fiel für viele ärmere Länder des Südens ernüchternd aus. So wird weiterhin in die Ausbeutung von fossilen Rohstoffen investiert und der Bau von Kohlekraftwerken unterstützt. Die Förderung von Erneuerbaren Energien tritt dagegen eher in den Hintergrund. Hauptaufgabe ist es daher, die Förderpraxis von Grund auf zu reformieren. Erneuerbare Energien müssen stärker gefördert werden. Der Norden muss mit dem Süden zusammenarbeiten, zivilgesellschaftliche Akteure müssen miteingebunden und die Öffentlichkeit informiert werden. Genauso muss die Transparenz und die Rechenschaftspflicht von IWF und Weltbank erhöht werden.
Standards und verbindliche Regeln
(E, 17.5, S. 504 u. 506) Durch Standards können in Entwicklungsländern die negativen Auswirkungen der Globalisierung gemindert werden. Internationale Wettbewerbsfähigkeit wird gefördert. Kleinbauern können auf dem globalen Markt trotzdem nur selten mithalten. Standards fordern nämlich einen Zugang zu Wissen, Produktionsinnovationen und ein verbessertes Management. Benachteiligte Produzenten müssen also besonders gefördert werden, um sie nicht zu marginalisieren: es gilt, eine gemeinschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu schaffen. Frauen und Indigene müssen gestärkt und eine exportorientierte Wirtschaft unterbunden werden. Öko- und Sozialstandards müssen von Ministerien und Wirtschaft eingehalten werden.
5. Didaktische Hinweise
Zielgruppen: Schule ab Sek II (Geographie, Politik, Religion/Ethik); Erwachsenenbildung in Gemeinden und als Teil von thematischen Seminaren
Alterseignung: ab 16 Jahren
Der Film erklärt sich selbst und benötigt keine Einführung. Eine Gesprächsrunde vorab ist aber sinnvoll, um Fragen der Teilnehmenden zu sammeln (der Film beantwortet sicherlich nicht alle Fragen). Auch sollte vorab ein Blick auf die Landkarte geworfen werde, um zu wissen, wo Kolumbien liegt und um welche Region es sich im Film handelt.
Bausteine für eine Beschäftigung mit dem Film in der Bildungsarbeit
Einführung
Stellen Sie zu Beginn der Veranstaltung frisches Brot und eine Flasche Öl vor die TeilnehmerInnen. Teilen Sie das Brot. Erklären Sie dann die Bedeutung des Öls. Es soll die Produktion von Agrotreibstoffen symbolisieren. Anstatt Ackerfläche zum Getreideanbau für Brot zu nutzen, wird in Deutschland zum Beispiel zunehmend Raps als Energiepflanze angebaut. Machen Sie dabei das Mengen- und Nutzungsverhältnis deutlich.
Die Ackerfläche, die für 1 Kilogramm Brot benötigt wird, reicht aus, um etwa 0,15 Liter Rapsöl zu produzieren. Nutzt man diese Pflanzenenergie als Treibstoff, kann man damit etwa 1,5 Kilometer mit dem Auto fahren. Sie können gemeinsam ausrechnen, welche Strecke eine Person mit dem Auto hätte fahren können, anstatt das Brot zu essen. (Bei 1 kg Brot und 30 Teilnehmenden wären es 50 Meter pro Person.)
(In der Schule ist dafür und die Filmsichtung und -diskussion mindestens eine Doppelstunde erforderlich.)
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Film
Kleiner Fragenkatalog, der hilft, den Film zu erschließen
- Beschreibe die Situation der Plantagenarbeiter, der zurückgekehrten Bauern, der Bäuerin im Westen des Landes, den Ölhändler (evt. Gruppen bilden)?
- Warum kommen die Bauern wieder zurück auf das Land, das sie verlassen mussten, von dem sie vertrieben wurden?
- Warum ist der Anbau von Ölpalmen ökologisch bedenklich?
- Welche Kriterien müsste an Biomasse gestellt werden, um als nachhaltig zu gelten?
- Was würdet Ihr von der kolumbianischen Regierung für die Rechte der Kleinbauern erwarten?
- Was könnte die Europäische Union tun, damit ihre Nachfrage nicht den Anbau von Ölpalmen in Kolumbien fördert?
- Was hat das mit jedem von uns zu tun?
Blick auf die einleitende Runde: Auf welche Fragen gibt uns der Film keine Antworten? |
Vertiefung: Übung zum eigenen Mobilitätsverhalten
Wie viel Treibstoff verbrauche ich/ verbrauchen wir als Familie im Alltag und im Urlaub?
(s. dazu ZD, 20.3 Kap. Achtsam Leben „Auf vier oder zwei Rädern“ und 20.4 Kap. „Wohlstand neu entdecken“, „Rechtes Maß“ und „Innere Unabhängigkeit“). Diskutieren Sie die Frage, ob wir tatsächlich bereit wären, 4,50 Euro pro Liter nachhaltigen Kraftstoff auszugeben. Ein Beispiel dafür ist Fair-Trade-Fuel: www.fairtradefuel.org
Idee für Projektunterricht
Bitten Sie die Teilnehmenden die Lieferkette von Agrosprit, vom Anbau in Kolumbien bis zur Tankstelle in Ihrer Stadt, zu recherchieren. Wer sind die großen Konzerne? Über welchen Hafen wird das Öl importiert? Wo wird der Sprit hergestellt?
Lieferkette: Investor/Bank -> Arbeiter -> Plantage -> Ölmühle ->Transportunternehmen -> Raffinierie -> Tankstelle -> Endverbraucher
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Weiterführende Debatte
Wie muss ein Entwicklungspfad aussehen, der vielen Menschen Arbeit, Einkommen und ausreichende Ernährung ermöglicht?
Es besteht eine Flächenkonkurrenz ja nicht nur (und bisher nur in geringem Ausmaß) bezüglich der Verwendung als Biosprit.
- Produktion von Genussmittel für den Export stehen auch nicht zur Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmittel zur Verfügung und sind u.U. ökologisch gleichermaßen bedenklich (z.B. Tabak)
- Verwertung für Industrie
- Verwertung als Futtermittel: weltweit steigt der Bedarf an Produkten aus tierischer Veredlung (Fleisch- und Milchprodukte) mit der Folge, dass immer mehr Flächen für die Produktion von Tierfuttermittel (allem voran Soja) genutzt werden.
- Versieglung von Böden
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Weiterführende Debatte
Wie muss ein Entwicklungspfad aussehen, der vielen Menschen Arbeit, Einkommen und ausreichende Ernährung ermöglicht?
Es besteht eine Flächenkonkurrenz ja nicht nur (und bisher nur in geringem Ausmaß) bezüglich der Verwendung als Biosprit.
- Produktion von Genussmittel für den Export stehen auch nicht zur Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmittel zur Verfügung und sind u.U. ökologisch gleichermaßen bedenklich (z.B. Tabak)
- Verwertung für Industrie
- Verwertung als Futtermittel: weltweit steigt der Bedarf an Produkten aus tierischer Veredlung (Fleisch- und Milchprodukte) mit der Folge, dass immer mehr Flächen für die Produktion von Tierfuttermittel (allem voran Soja) genutzt werden.
- Versieglung von Böden
Nutzung für regionale Energieversorgung?
So kritisch die Auswirkungen des internationalen Handels mit Agrotreibstoffen diskutiert werden müssen, so kann aber auch darauf hingewiesen werden, dass die Biomassenutzung als Energielieferant in großen Teilen dieser Welt (z.B. als Brennholz) üblich ist und eine Verbesserung in diesem Bereich auch große Entwicklungschancen bietet.
Deutlich machen könnte man dies am Projektbeispiel MIGESADO in Tansania: Der Energiebedarf wird in Tansania bislang zu fast 90 Prozent durch Feuerholz und Holzkohle gedeckt. Dies führt zu Entwaldung und anschließender Verschlechterung der Böden. Die Bevölkerung benötigt in der Tat Alternativen der Energiegewinnung. MIGESADO (Nichtregierungsorganisation zur Entwicklung regenerativer Energiequellen in Dodoma) fördert beispielsweise den Bau von Biogasanlagen, in denen Kuhdung zur Energieerzeugung genutzt wird. MIGESADO fördert außerdem den Bau von Lehmöfen, die den Feuerholzbedarf sowie die gesundheitsschädliche Rauchentwicklung in den Hütten reduzieren. Die Organisation fördert zusätzlich Wiederaufforstungsprogramme und mehrere Dorfgemeinschaften betreiben dadurch inzwischen eigene Baumschulen.
6. Literatur- und Medienhinweise, Links
Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt. Ein Anstoß zur gesellschaftlichen Debatte. Eine Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Hrsg.: Brot für die Welt, Evangelischer Entwicklungsdienst, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Frankfurt/Main 2008
www.zukunftsfaehiges-deutschland.de/
Agrotreibstoff - eine Arbeitshilfe für die Gemeindearbeit zur Studie „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“; Hrsg.: Brot für die Welt, Evangelischer Entwicklungsdienst (ebenfalls auf der DVD-Rom enthalten)
„Energie vom Acker – Wie viel Bioenergie verträgt die Erde“, Hrsg.: Brot für die Welt, Evangelischer Entwicklungsdienst, Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten in der Evangelischen Kirche Deutschlands (AGU), Ausschuss für den Dienst auf dem Lande in der Evangelischen Kirche in Deutschland (ADL), http://www.brot-fuer-die-welt.de/downloads/fachinformationen/analyse04_energie-vom-acker.pdf
»Entwicklungspolitische Folgen des Welthandels mit Agroenergie«, ein Diskussionspapier, Hrsg. Brot für die Welt, Germanwatch, http://www.brot-fuer-die-welt.de/downloads/fachinformationen/diskussionspapier_agroenergie.pdf
„Zukunftsfähige Bioenergien?“ Unterrichtsmaterial, 2008, 64 Seiten, Aktion Humane Welt: Bezug: „Brot für die Welt“
„Agroenergie in Lateinamerika“, Fallstudie anhand von vier ausgewählten Ländern: Brasilien, Argentinien, Paraguay und Kolumbien, 2008, Stuttgart, Thomas Fritz, Hrsg.: Brot für die Welt, Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika, http://fdcl-berlin.de/fileadmin/fdcl/Publikationen/Agroenergie-in-Lateinamerika-Thomas-Fritz.pdf
Agrartreibstoffe; Kampagnenblätter Nr. 8, 2008, Hrsg.: Brot für die Welt, http://www.brot-fuer-die-welt.de/ernaehrung/downloads/Agrotreibstoff_final.pdf
„Kolumbien –so grausam schön“, Hrsg.: Brot für die Welt, Art.Nr. 114302010, 2,00 EUR, Bezug: vertrieb@diakonie.de oder kolumbien@brot-fuer-die-welt.de
Kostenlos im zwei monatliche Rhythmus erscheinender Rundbrief per E-Mail, Bestellung: kolumbien@brot-fuer-die-welt.de
„Menschenrechte wahren – Ernährung sichern“, Ausstellung über „Agrosprit“ auf sieben Fahnen zum Aufhängen, Hrsg.: Brot für die Welt, Bestellung : kolumbien@brot-fuer-die-welt.de
Autorin: Carolin Callenius
Artikel zuletzt geändert am: Dienstag, 1. Dezember 2009 16:34
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