Arbeitshilfen
Thunder in Guyana
Gewitterdonner in Guyana
(Thunder in Guyana)
Suzanne Wasserman/Guyana/USA 2003
Dokumentation, 50 Min., Farbe (amerikanische Originalfassung).
Verleih DVD: EZEF
Zur DVD des amerikanischen Originalfilms können außer dieser Arbeitshilfe auch die englische Dialogliste bzw. eine ausführliche Inhaltsbeschreibung mit ergänzenden Erklärungen abgerufen werden.
Über Guyana (auch Guiana, Guayana), die einstige britische Kronkolonie zwischen Venezuela, Brasilien und Surinam, ist in Deutschland kaum etwas bekannt. Umso überraschender dürfte die Entdeckung sein, dass in diesem kleinen Land eine ungewöhnliche Frau von der Mitte bis zum Ende des 20. Jahrhunderts eine herausragende politische Rolle gespielt hat: Die inzwischen hoch betagte Janet Jagan war nicht nur Parteigründerin und Generalsekretärin, jahrzehntelang Parlamentsmitglied sowie Ministerin ihres Mannes und UNO-Botschafterin. Sie folgte Cheddi Jagan schließlich nach seinem Tod 1997 als erste ins Amt gewählte Frau Südamerikas als Staatspräsidentin nach. Aus nicht ganz geklärten Gründen trat sie jedoch nach weniger als zwei Jahren zurück.
Dem Schicksal dieser Frau geht die Dokumentation nach. Die amerikanische Regisseurin Suzanne Wasserman hat Janet Jagan selbst, ihre eigene Mutter als Janets Kusine, sowie Angehörige, Parteifreunde und Weggefährtinnen interviewt. Zugleich rollt sie in Fotos und mit historischen Filmszenen die un-ruhige Geschichte Guyanas seit 1943 auf. - "Thunder in Guyana" ist derzeit der einzige Film über das Land. Informationen über die touristisch großenteils noch unerschlossene Landschaft, über die Wirtschaft, Kultur, Religionen sowie die besondere Situation der Amerindians stehen im Internet und zum Teil in der Literatur zur Verfügung; für 2008 sind neue Bücher über Guyana angekündigt.
Inhalt:
Mit 22 Jahren verliebt sich die aus Chicago stammende Jüdin Janet Rosenberg in einen Kommilitonen aus Guyana, Cheddi Jagan. Gegen den Willen ihrer Familie heiratet sie 1943 den angehenden Zahnarzt, dessen Großeltern aus Indien eingewandert waren, und folgt ihm in seine Heimat, damals British-Guiana. Zusammen mit Gewerkschaftern gründen beide die erste Partei des Landes, die People's Progressive Party (PPP). Gemeinsam kämpft das sozialistisch ausgerichtete Paar für die politische Unabhängigkeit des Landes und gegen die koloniale Ausbeutung seiner Bewohner. Dreimal wird Cheddi Jagan als Parteiführer nach erfolgreichen Wahlen Regierungschef. Nach der ersten Wahl 1953 setzen ihn die Briten wieder ab, heben die Verfassung auf und werfen Cheddi und seine Frau ins Gefängnis.
Janet, die sich bereits im Rat der Hauptstadt Georgetown und im Landes-parlament engagiert hat, wird nach Cheddis Wiederwahl 1957 Arbeits-, Sozial- und Gesundheitsministerin sowie 1963/64 Innenministerin, ein Amt, das sie unter dem Druck der Briten aber frustriert wieder aufgibt. Sie lässt Gesundheits-zentren und Einrichtungen für Mütter und Kinder einrichten, nimmt den Kampf gegen Malaria und Kinderlähmung auf und kümmert sich um eine bessere Bildung der unterprivilegierten Bevölkerung. Im Sog des Kalten Krieges wird sie jedoch von den amerikanischen Medien als "die fähigste kommunistische Organisatorin der westlichen Welt" beargwöhnt.
1957 hat sich der afroguyanische PPP-Mitstreiter Linden Forbes Burnham mit der Gründung einer eigenen Partei, des "People's National Congress“ (PNC), den Briten als genehmeres Staatsoberhaupt angedient. Von diesem Zeitpunkt an überschatten Rassenkämpfe die Wahlen, das Land ist fortan politisch ge-spalten. Unter Jagans Nachfolger entlässt Großbritannien 1966 das Land in die Unabhängigkeit. Burnham entwickelt sich in den 28 Jahren seiner Herrschaft allerdings zum Diktator, der die Wirtschaft verstaatlicht und das Land bis zu seinem plötzlichen Tod 1985 in den Ruin führt. Er lässt die kirchlichen Schulen schließen und Regimegegner ermorden.
Trotz der manipulierten Wahlen werden die Jagans 1973, 1980 und 1985 immer wieder als Parlamentsabgeordnete der Opposition bestätigt. Sie unternehmen Reisen, um das Ausland über den Wahlbetrug aufzuklären, finden aber nur bei Präsident Carter Gehör.
Bei den ersten freien und international überwachten Wahlen von 1992 wird Cheddi Jagan erneut Staatsoberhaupt. Er wendet sich vom radikalen Sozia-lismus ab und versucht, die Wirtschaft wieder zu privatisieren. Er hat aber mit den hohen Schulden des Landes und der starken Auswanderungswelle der verarmten Bevölkerung zu kämpfen. Nach seinem plötzlichen Tod 1997 wird seine inzwischen 77jährige Frau als Führerin der PPP zu seiner Nachfolgerin gewählt. Vor allen vor den Wahlen gibt es jedoch schwere Unruhen und hasserfüllte Kampagnen, auch danach reißen die Gewalttaten nicht ab. 20 Monate später gibt Janet Jagan ihr Amt auf und zieht sich in die Parteiarbeit zurück. Offiziell wird als Grund eine Herzattacke angegeben.
Der Film erwähnt nicht, dass die Wahl vom Obersten Gericht von Guyana nachträglich für ungültig erklärt wurde. Seit Janets Ausscheiden ist ihr jüngerer PPP-Mitstreiter Bharrat Jagdeo Staatspräsident von Guyana. Er wurde zuletzt 2006 wiedergewählt.
Hintergrund - das Land:
Die Kooperative Republik Guyana liegt an der Nordostküste Südamerikas zwischen Venezuela (W), Suriname (O) und Brasilien (SW und S). Das in zehn Regionen unterteilte Land ist mit 215 000 Quadratkilometern Fläche nicht größer als Großbritannien und als dessen ehemalige Kronkolonie zugleich das einzige englisch-sprachige Land Südamerikas. Die meisten der knapp 770 000 Einwohner leben an der Küste des Atlantischen Ozeans, davon allein 220 000 in der Hauptstadt Georgetown. Über zwei Drittel Guyanas sind von tropischem Regenwald bedeckt. Er ist die Heimat der Ureinwohner (Amerindians) mit einem Bevölkerungsanteil von nur 6,8 Prozent, aber zehn verschiedenen Dia-lekten. Mit 49,5 Prozent ist fast die Hälfte der Bevölkerung indischer Abstam-mung, 35,6 Prozent sind afrokaribischer Herkunft, jeweils als Nachkommen-schaft ehemaliger Vertragsarbeiter.
Die Christen, meist anglikanisch und römisch-katholisch, stellen mit 42 Prozent die größte Gruppe innerhalb der Bevölkerung, 34 Prozent sind Hindus. Die Übrigen gehören verschiedenen anderen Religionen an. Das Land ist reich an Rohstoffen (Bauxit, Gold, Diamanten, Mangan und Edelhölzer). Auf Plantagen wird vor allem Zuckerrohr und Reis geerntet. Ein wegen vermuteter Ölvorkommen vor der Küste schon seit Jahrzehnten andauernder Grenzstreit mit Suriname soll jetzt von den Vereinten Nationen geschlichtet werden. (Zahlen lt. Auswärtigem Amt der BRD, Stand November 2007)
Hintergrund - die Geschichte:
1499 Entdeckung der Küste "Guianas" (Land der vielen Wasser) durch
spanische Seefahrer
1620 Beginn des Zuckerrohranbaus mit afrikanischen Sklaven durch die
Niederländische Westindische Kompagnie
1796 Großbritannien besetzt Guyana und nimmt es
1816 endgültig in Besitz
1831 Guyana wird Kronkolonie British-Guiana
1834 Aufhebung der Sklaverei, von da an (bis 1917) Anwerbung von
Vertragsarbeitern
1899 nach Grenzstreit mit Venezuela Festlegung der heutigen Grenzen durch
ein internationales Schiedsgericht
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1943 Rückkehr des Zahnarztes Cheddi Jagan aus den USA. Heirat mit der
Amerikanerin Janet Jagan.
1950 Gründung der People's Progressive Party (PPP) durch Cheddi und Janet
Jagan mit Gewerkschaftsführern. Janet Jagan wird Generalsekretärin der
PPP.
1953 Erste Verfassung mit allgemeinem Wahlrecht. Sieg der PPP im April.
Nach sozialistisch orientierten Reformversuchen Aufhebung der Ver-
fassung durch Großbritannien im Oktober, Cheddi Jagan wird als Staats-
chef abgesetzt.
1957 Wiedereinsetzung der Verfassung. Spaltung der PPP durch Linden
Forbes Burnham: Gründung des People's National Congress (PNC).
Wahlsieg der PPP mit Cheddi Jagan. Janet Jagan wird Ministerin für Arbeit, Gesundheit und Familie.
1961 Selbstverwaltung (innere Autonomie). Bei den Wahlen im August Sieg der
PPP mit Cheddi Jagan.
1963 Janet Jagan wird Nachfolgerin des Innenministers. Rücktritt unter
britischem Druck. Massive innenpolitische Probleme.
1964 Nach Änderung des Wahlrechts durch die Briten Wahlsieg des PNC mit
Burnham.
1966 Am 26. Mai entlässt Großbritannien Guyana in die Unabhängigkeit.
1968 Erneuter Sieg des PNC nach manipulierter Wahl.
1970 Burnham ernennt das Land zur "Kooperativen Republik". Verstaatlichung
großer Teile der Wirtschaft.
1978 (Unaufgeklärter) Massenselbstmord (bzw. -mord) der Sekte des ameri-
kanischen Predigers Jim Jones im Urwald von Guyana mit 913 Toten.
Erschießung des US-Kongressmitglieds Leo Ryan.
1980 Neue Verfassung bringt den "Übergang zum kooperativen Sozialismus".
Burnham ernennt sich zum Staatspräsidenten. Sieg des PNC
1985 Burnham stirbt nach Herzoperation. Nachfolger wird Desmond Hoyte
(PNC).
1987 Ende des "Kooperativen Sozialismus"
1989 Massive Abwertung des Guyana-Dollars, Streiks der Bauxit- und Zucker-
rohrarbeiter
1990 Umschuldung mit Dollarabwertung
1992 Erste international anerkannte freie Wahl. Sieg der PPP mit Cheddi
Jagan.
1993 Janet Jagan sechs Monate lang UNO-Botschafterin Guyanas
1995 Umweltkatastrophe der Goldmine Omai durch ausfließendes Zyanid
1996 (bis 2005) Schuldenerlasse durch Weltbank, Internationalen Währungs-
fonds (IWF) und G8-Gruppe.
1997 Tod von Cheddi Jagan am 6. März. Neuwahlen im September: Sieg der
PPP, Janet Jagan wird Staatspräsidentin und Oberbefehlshaberin des
Militärs.
1999 Janet Jagan übergibt ihr Amt an Bharrat Jagdeo (PPP)
2001 Annullierung der Wahl von 1997 durch das Oberste Gericht nach Vor-
würfen der Wahlfälschung. Neuwahlen und Sieg der PPP mit Jagdeo.
2006 Jagdeo im Amt bestätigt. Erstmals Wahlen ohne Ausschreitungen.
Regie und Gestaltung:
Die Regisseurin Suzanne Wasserman ist Stadthistorikerin am Gotham Center for New York City History. Sie berichtet, dass sie als kleines Mädchen mit Erzählungen und einem Album aufwuchs, in dem ihre Mutter alles über ihre Kusine Janet Rosenberg-Jagan gesammelt hatte. Von Zeit zu Zeit erlebte sie Janet auch bei Familienfesten in Chicago. Ursprünglich beabsichtigte sie, über ihr Leben zu schreiben. Sie entschloss sich dann aber, als Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin ihren ersten Film zu drehen: keine "Heiligen-legende", sondern eine Dokumentation - so objektiv wie möglich, aber eben doch "durch die stets subjektive Linse der Historikerin". Mit ihrer jüngeren Schwester reiste sie 1997 nach Guyana und begleitete Janet Jagan im Wahl-kampf. Zweimal erlebte sie dabei Tumulte. Andrerseits unterstützten sie viele Menschen dort beim Drehen. Der Zugang zu Vertretern der Oppositionsparteien blieb ihr jedoch versperrt. Sie bekam zu spüren, dass sie als Historikerin und als Verwandte in einer Person "zwei Hüte" trug. - Mit der ersten Fassung des Films war sie nicht zufrieden. Die zweite, völlig überarbeitete Fassung ließ sie im öffentlichen Fernsehen (PBS) senden, "um zwei unglaublich mutige und bewundernswerte Politiker" in den USA besser bekannt zu machen. (Quelle: Interview / Independent Television Service ITVS)
Zur Gestaltung: Aus ihrem verwandtschaftlichen Interesse macht Suzanne Wasserman keinen Hehl. Es geht ihr um die "wichtige, aber wenig bekannte politische Geschichte", aber auch um die "große Love Story". Die Interviews mit Janet und die Filmausschnitte, insbesondere aus Reden von Cheddi Jagan, machen das Filmfeature zu einer Geschichtsquelle. Die taktvolle Rücksicht-nahme auf Janets Gefühle steht dem historischen Interesse jedoch wiederholt im Weg. Das gilt vor allem für den abrupten Schluss, der die Hintergründe für Janet Jagans Ausscheiden aus dem Amt verschleiert.
Politisch verzichtet der Film auf Erklärungen. Die amerikanischen Reaktionen auf die Politik der Jagans erscheinen auf den ersten Blick hysterisch, die Unterstützung für Burnham unbegreiflich. Doch vor dem Hintergrund des Kalten Krieges, der von Wettrüsten begleiteten Konfrontation zwischen den USA und der UdSSR, wird dies schon eher verständlich. Beide Seiten suchten und unterstützten Bündnispartner. Die nach Unabhängigkeit strebenden Kolonien bzw. deren politische Protagonisten wurden entweder zu Freunden oder Gegnern der Großmächte erklärt. Die Filmausschnitte verklären die politische Einstellung der Jagans zu einem "Sozialismus mit menschlichem Gesicht". Ihre Wandlung unter dem Druck der Verhältnisse und den Erfahrungen mit Burnhams Diktatur bleibt unerwähnt. Der wiederholte Aufruhr im Land ist mit politisch motivierten Rassengegensätzen unzureichend erklärt. Von den bis heute andauernden massiven politischen und wirtschaftlichen Interessen des westlichen Auslands sowie der unmittelbaren Nachbarn an Guyana ist keine Rede.
Vieles blieb unter der Herrschaft der Jagans unerledigt. Zwar sind mittlerweile 60 Prozent der Frauen außer Haus berufstätig, aber die Gewalt gegenüber Frauen ist weiterhin ein großes Problem. Guyana ist das einzige Land Südamerikas, in dem Homosexualität nach wie vor unter Strafe gestellt ist. Die Kriminalität ist so stark verbreitet, dass das deutsche Auswärtige Amt bis heute Warnungen an Touristen herausgibt. Auf der anderen Seite sind positive Fakten im Film nicht erwähnt, z.B. dass die Amerindians in Guyana Eingeborenen-schutz genießen wie in keinem anderen Land dieses Erdteils. Aber auch die Frage, wie die Jagans zur Rolle der Kirchen, ihrer Arbeit und ihrem Einfluss standen, wird nicht gestellt.
Zum Einsatz des Films:
Der Filmbeginn lässt eine chronologische Schilderung von Janets Leben erwarten. Sie wird aber wiederholt durch Einschübe aus dem Wahlkampf 1997 unterbrochen. Diese Zeitsprünge sind nicht immer sofort zu erkennen und können verwirrend wirken. Hinzu kommt die sehr schnelle Szenenfolge, die kaum Zeit lässt, etwa die Schlagzeilen der Zeitungsausschnitte zu lesen.
Deshalb ist es ratsam, vor der Filmvorführung die Geschichte Guyanas kurz zu erläutern.
Zur Diskussion - Anregungen zum Gespräch:
1. Was ist von Janets Engagement zu halten? Was hat sie angetrieben?
- Ihre Erfahrungen als Jüdin, als Mitglied einer Minderheit, haben sie offenbar sensibel gemacht für den Rassismus, mit dem auch ihre Familie ihrem nicht-weißen Freund begegnet ist. Dieser erste Bruch mit der Familie ist noch nichts besonders Ungewöhnliches. Aber ihr jahrzehntelanges Engagement, zuerst gegen die britische Kolonialmacht sowie gegen die Ausbeutung der Afro- und Indo-Guyaner, ihr Kampf gegen die Benachteiligung von Frauen ist mehr als bemerkenswert. Ihre Kinder und Enkel leben im Ausland, sie ist geblieben und hat sich bis ins hohe Alter der Arbeit für ihre Wahlheimat verschrieben.
Wie konnte Janet Jagan die immer wiederkehrenden, oft böswilligen Anfeindungen aushalten, denen sie als Politikerin ausgesetzt war? Ist ihr Schicksal in diesem Metier normal?
Von vier Formen, wie man sich mit Unrecht auseinander setzen kann, spricht Jörg Zink in seinem Erinnerungen, "Sieh nach den Sternen - gib acht auf die Gassen"(S. 272-291):
1. sich retten durch Flucht, 2. kämpfen und offenen Widerstand leisten, 3. gewaltlosen Widerstand leisten durch Klugheit und Weisheit, die Schwächen des Bösen bloß stellen, mit Geduld in kleinen Schritten seine Überwindung anbahnen, 4. das Unrecht hinnehmen und erleiden. Zink verknüpft diese Methoden mit den verschiedenen Lebensaltern. Es wäre zu fragen, ob Janet Jagan nicht in den verschiedenen Zeitabschnitten je nach Situation eine dieser Methoden angewandt hat.
2. In einer politisch orientierten Diskussion wären Cheddi und Janet Jagan zu fragen: Was versteht Ihr, dem Film nach zu urteilen, unter einem "demokrati-schen Sozialismus"? Wie verstehen wir ihn? (Beispiele: das SPD-Partei-programm 2007, das Programm der Partei der Linken und die jeweiligen kritischen Reaktionen) Was bedeutet "Kommunismus" für uns heute?
In der "New York Times" (22.2.2005 vor der PBS-Ausstrahlung des Films in den USA) bemängelt die Rezensentin Virginia Heffernan, dass die Filmemacherin an keiner Stelle Janet Jagan nach ihrer heutigen politischen Einstellung befragt. Kommunismus - als Theorie, als Erklärung, als Versprechen - habe viele Amerikaner im 20. Jahrhundert angetrieben. Die Erinnerung an die marxistische Ideologie und die unermesslichen Folgen für das Leben so vieler mache die Rechten heute noch wütend und verstöre die Linken. Beide Reaktionen erwiesen der Geschichte einen Bärendienst. Ohne Aufklärung darüber verstehe man das Leben von Menschen wie Janet Jagan nicht.
3. Wie ist die Geschichte des politisch zerrissenen Landes Guyana zu verstehen? Ist die Situation, wie sie der Film schildert, eine Folge politischer Fehlentscheidungen? Wenn ja, wie hätten sie vermieden werden können? Gab es Ähnliches auch in der deutschen Geschichte? (Beispiel: Gastarbeiter - „Wir riefen Arbeiter und es kamen Menschen“) Oder sind die Probleme, unter denen Guyana bis heute leidet, vor allem eine typische Phase der Entkolonialisierung, wie sie damals auch viele andere Länder durchstehen mussten? Zu welchen Ländern gibt es evt. Parallelen, z.B. in Afrika?
Wie könnte - nach der im Film geschilderten Vorgeschichte - eine positive Zukunft Guyanas aussehen?
Um eine Antwort auf diese Frage bemüht sich die Australierin Di Morrissey in ihrem fiktiven Abenteuerroman "Der Gesang des Wasserfalls" von 1997. Das Buch führt auf unterhaltsame Weise in die Situation Guyanas ein, schildert die Schönheit des Landes und die Mentalität der verschiedenen Volksgruppen. Die Autorin erwähnt die Jagans nicht, wohl aber Burnham. Ihre Protagonistin kämpft, Mordanschlägen zum Trotz, für die Erhaltung des Regenwaldes und einen umweltgerechten "sanften Tourismus".
Zusammenfassend lässt sich fragen: Eignet sich Janet Jagan als Vorbild für Frauen? - Als Politikerin, als Parteimitglied, als Ehepartnerin, als Mutter? Welche ihrer Eigenschaften bzw. Verhaltensweisen überzeugen am meisten, welche eher nicht? Die jüngste politische Geschichte hat gezeigt, dass immer häufiger Frauen an die Spitze des Staates treten - in Argentinien, in Chile, auch in Deutschland. Sie prägen ein neues Frauenbild. Werden sie ihre Länder - gemeinsam mit den Männern - in eine bessere Zukunft führen?
Literatur:
Guyana, Viele Wasser, viele Völker, Länderheft Weltmission heute Nr. 65, Evangelisches Missionswerk in Deutschland (EMW)
EineWelt, Magazin aus Mission und Ökumene mit Extra "Guyana", Heft Nr. 4, Juli/August 2007, Zeitschrift des EMW
Lexikon Dritte Welt, Dieter Nohlen (Hrsg.), 2002, rororo S. 357-360
Di Morrissey, Der Gesang des Wasserfalls, Roman, Bastei Lübbe 2003, TB Nr. 15056
Nohlen, Dieter; Nuscheler, Franz (Hrsg.): Handbuch der Dritten Welt. Band 3: Mittelamerika und Karibik; Bonn 1992; Länderartikel Guyana, S. 415 – 429; von Heike Henn
Medienhinweise:
LUMUMBA
Raoul Peck, F, B, Haiti, D 2000, 112 Min., Farbe, Spielfilm,
35mm EZEF; Video: EMZ 2-18
RIGOBERTA MENCHÙ
Felix Zurita, Guatemala 1992, 21 Min., Dokumentarfilm,
Video EZEF, EMZ 1-6, 8-16,18
TESTAMENTO / DIE ZIVILISATIONSBRINGER (Doppel-DVD)
Uli Stelzner, Thomas Walther, Deutschland 2003 /2000
95/89 Min., Farbe u. sw, Dokumentarfilme, OmU
DVD EZEF, EMZ 2-16
Dorothea Schmitt-Hollstein November 2007
Impressum:
EZEF
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Artikel zuletzt geändert am: Freitag, 16. Januar 2009 09:38
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