Filmland China: Oktober 2006 bis Februar 2007
Veranstaltungsreihe in Stuttgart. Eine Kooperationsveranstaltung von EZEF, volkshochschule Stuttgart und Landesmedienzentrum
Chinas Kino, das beste und lebendigste Kino der Welt. Das mag übertrieben klingen. Und doch hat kein anderes Kinoland im letzten Jahrzehnt einen solchen Formen-reichtum hervorgebracht. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich eine staatlich kontrollierte und zensierte Kinolandschaft zu einem lebendigen Kino, dass seine Ge-schichte quer durch Genres auf einem schwindelerregend hohen ästheti-schen Niveau erzählt. Kein anderes Land untersucht seine jüngste Geschichte auf der Leinwand so hellsichtig. Keine Gesellschaft befragt sich im Kino zurzeit so schonungslos wie die chinesische. Neben den genannten Filmpräsen-tationen gibt es zu jedem Film eine kurze Einführung. Wenn Sie Zeit und Lust haben sind sie nach dem Film zum Gespräch mit Fachleuten eingeladen.
jeweils Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Veranstaltungsort: TREFFPUNKT Rotebühlplatz 28 S-Mitte EUR 4.00 / EUR 3.50 ermäßigt, Karten an der Abendkasse
Xiaos Weg China/Süd-Korea 2002 Regie: Chen Kaige
Ein armer Koch vom Land hält seinen 13-jährigen Sohn für ein Wunderkind und fährt mit ihm nach Peking, damit seine Ausbildung zum Geiger vervollkommnet werden kann. In der Hauptsstadt werden die beiden Provinzler mit dem neuen China konfrontiert. ,,Xiaos Weg'' ist eine anrührende Vater-Sohn-Geschichte. Chen Kaige erzählt einfühlsam von der aufopfernden Liebe eines Mannes zu seinem Pflegesohn, über die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens, der Liebe zur Musik und den Gegensätzen zwischen der traditionellen chinesischen Gesellschaft und dem neuen materialistischen, konsumorientierten China. ,,Xiaos Weg'' ist großes Gefühlskino in opulenten Bildern.
Mit 04.10.06 20.00 Uhr
Suzhou River China/Deutschland 1999 Regie: Lou Ye Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Ein breiter Fluss: grau, trüb, schmutzig. Das ist Suzhou he, der Strom, der mitten durch Shanghai fließt und dem Film seinen Namen gibt. Doch er lokalisiert nur eine Handlung, die sich vor allem nachts, in den Spelunken der Hafenstadt, in übersichtlichen Gassen ereignet. Er beschreibt eine ,,amour fou'' zwischen einem Motorradkurier und einer 16-jährigen Schmugglerin, die sich aus Verzweiflung das Leben nimmt und als Go Go-Tänzerin scheinbar wiederaufersteht. Das mysteriöse, faszinierende Großstadtmärchen mit Verweisen auf Hitchcocks ,,Vertigo'' ist ein überzeugendes Beispiel für die visuelle Kraft des chinesischen Films. ,,Ein Film, der einen bis zur letzten Minute in Atem hält.''
Mit 08.11.06, 20.00 Uhr
Blinder Schacht Hongkong/China/Deutschland 2003 Regie: Li Yang
Mit existenzialistischer Härte erzählt ,,Blinder Schacht'' von Li Yang von den Zuständen in den chinesischen Kohlegruben, die manchmal, wenn wieder ein Stollen einstürzt, als Nachricht in die westlichen Medien gelangen. Der Film, der vor zwei Jahren den Silbernen Bären der Berlinale gewann, handelt von zwei Wanderarbeitern, die sich in illegal betriebenen Kohlgruben verdingen. Und die ihre Kumpel ermorden, um anstelle von deren Familie die Entschädigung zu bekommen. In einem Meisterstück neuen realistischen Kinos wird ein von Schächten durchlöchertes, von Kohleberg, lehmigen Fahrwegen und primitiven Behausungen geprägtes Land gezeigt, das im Zeichen brutaler privater Geschäftsstrategien zum rechtlosen Raum geworden ist. Doch dieser brilliante kleine Thriller findet ein überraschendes lakonisches Ende. Fr. 08.12.06, 20.00 Uhr
Balzac und die chinesische Schneiderin China/Frankreich 2002 Eine Verfilmung des erfolgreichen Romans durch den Autor Dai Sijie
China 1971: Nach Abschluss der Oberschule werden der 17-jährige Ma und der 18-jährige Luo zur Umerziehung durch die revolutionären Bauern aufs Land geschickt. Dort verlieben sich die beiden in die Enkelin des alten Schneiders. Durch das Nacherzählen von Filmen und Romanen gewinnen sie das Herz der jungen Frau ohne zu ahnen, welche Veränderung sie damit herbeiführen. Woher aber immer neue Geschichten nehmen, wenn alle literarischen Bücher verboten sind? ,,Eine Liebeserklärung an die Literatur und an das Leben. Außerdem die frechste, charmanteste Lektion zum Thema Freiheit'' Einführung und anschließendes Gespräch mit der Filmpublizistin und Literaturwissenschaftlerin Claudia Brenneisen.
Fr. 12.01.07, 20.00 Uhr So 14.01.07, 11.00 Uhr
Die chinesischen Schuhe Deutschland/VR China 2004 Regie: Tamara Wyss
Auf den Spuren ihrer Großeltern bereist die Filmemacherin das chinesische Jangste-Gebiet, wo ihr Großvater vor 80 Jahren Konsul des Deutschen Reichs war. Anhand von Fotografien und Tagebuchaufzeichnungen konfrontiert sie die Gegenwart mit der Vergangenheit und aktiviert die Erinnerung betagter Einheimischer. Eine klassische Reisereportage, in die auch das fragwürdige Projekt des Drei-Schluchten Staudamms und seine Auswirkungen Eingang finden. Spannung erzielt der mit imposanten Bildern aufwartende Film durch das nebeneinander von Tradition und Moderne. Mit 07.02.07, 20.00 Uhr
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