Filmland Afrika - Februar bis September 2006
Veranstaltungsreihe in Stuttgart. Eine Kooperationsveranstaltung von EZEF, volkshochschule Stuttgart und Landesmedienzentrum
Filme aus Afrika
Mit seinen Flüchtlingsdramen ist Afrika derzeit in allen Medien vertreten. Der Kontinent gilt als arm, aidsverseucht und rückständig. Doch über die Geschichte und den kulturellen Reichtum Afrikas wissen die meisten erstaunlich wenig. Deshalb setzten wir unsere gemeinsame Filmreihe „Mit den Augen der Anderen“ in diesem Semester fort. Bilder prägen unser Welt-Bild und deshalb liefern uns Filme nicht nur unvergessliche Bilder, sondern sie sind auch geeignet, uns neue Sichtweisen zu vermitteln. Afrikanische Filme erzählen ihre Geschichte aus der Perspektive Afrikas, und sie erzählen sie vor dem Hintergrund ganz unterschiedlicher politischer, historischer und kultureller Erfahrungen. Wir laden Sie ein, zur filmischen Reise auf unseren südlichen Nachbarkontinent. Nach den Filmen bieten wir die Möglichkeit zum Gespräch.
Faat Kiné Senegal 2001 Regie: Ousmane Sembene Ganz auf sich allein gestellt, hat Faat Kiné ihre Kinder großgezogen und sich von einer kleinen Kassiererin an einer Tankstelle zur anerkannten Geschäftsführerin einer Werkstatt in der senegalischen Hauptstadt hochgearbeitet. Unterstützung findet sie bei ihrer Mutter und im Kreis ihrer Freundinnen, die wie sie als unabhängige Geschäftsfrauen tätig sind. Aber dennoch droht ihr nach dem Wegzug der Kinder Einsamkeit. In einer komödiantischen Nebenhandlung schaffen es ihre Töchter, den verwitweten Vater eines Freundes mit ihrer Mutter zusammenzubringen. Der senegalesische Schriftsteller und Regisseur Ousmane Sembène hat mit feinem Gespür und Humor eine Hommage an die Frauen Afrikas geschaffen: an ihre Solidarität, ihr Selbstbewusstsein und ihre Verlässlichkeit, die dem Kontinent eine Zukunft ermöglichen - trotz aller Widrigkeiten, die sowohl der Globalisierung des afrikanischen Alltags wie aus einheimischen Traditionen entspringen. Mit 01.02.06
Zulu Love Letter Regie: Ramadan Suleman Südafrika, Frankreich 2004, 100 Minuten Der Film erzählt die Geschichte der Journalistin Thandi, die in die finsteren Jahre der Apartheid zurückreicht. Während der größte Teil der südafrikanischen Bevölkerung die Zeit der Rassentrennung scheinbar möglichst schnell vergessen will, ist dies für die Journalistin unmöglich. Sie war mit ihrem Kollegen verhaftet worden, als sie damals Zeugen der Ermordung einer jungen Freiheitskämpferin wurden. Nachdem sie in der Haft gefoltert wurde, brachte sie eine behinderte Tochter zur Welt, Mangi. Die nun dreizehnjährige Mangi besucht eine Gehörlosenschule und lebt sonst meist bei ihren Großeltern. Obwohl sie nichts dazu kann, plagen Thandi Schuldgefühle wegen der Behinderung ihrer Tochter. Auch diese leidet unter der unbewältigten Vergangenheit. Vor allem ihrer Großmutter gelingt es, sie aufzuheitern - sie bringt ihr auch die traditionelle Zulu - Kunst der Perlenstickerei bei. Mangi hofft auf die heilenden Kräfte ihres angefertigten „Zulu Love Letter“ . . .<br><br>Die Zulus drücken mit diesen Love Letters persönliche Gefühle, Wünsche und Lebensumstände in einer kreativen Form aus, die auch in der modernen Welt Südafrikas eine tiefe Bedeutung hat. Mit 01.03.06
Mahaleo Regie: Raymond Rajaonarivelo und Cesar Paes<br>Madagaskar 2005<br> "Mahaleo" bedeutet in der Sprache der Madagassen Freiheit und Unabhängigkeit. Der Film zeichnet ein Portrait der gleichnamigen Gruppe aus Madagaskar im Kontext der jüngsten Geschichte des Landes. Die sieben Musiker von Mahaleo haben sich trotz langjährigen Erfolgs gegen das große Showbusiness entschieden, um sich stattdessen für die Entwicklung ihres Landes einzusetzen. Viele ihrer Lieder handeln von 1972, dem Jahr in dem Madagaskar den Umsturz des neokolonialen Regimes erlebte. Dreißig Jahre nach diesen Ereignissen ist die Musikgruppe noch immer die populärste Band. Der Film handelt nicht nur von der Geschichte der Gruppe – es gibt nur wenige Archivbilder – sondern von ihrer Bedeutung im heutigen Madagaskar. Trotz ihrer Status als Nationalhelden sind die Mitglieder der Gruppe auf dem Boden geblieben und arbeiten als Chirurg, Abgeordneter, Landwirt oder Soziologe. <br>Die Szenen wechseln so zwischen Krankenhaus, Parlament, Bühne und Landschaft.<br>Die Regisseure des Dokumentarfilms beweisen ihr Können darin, das sie die Lieder und deren Rhythmus für sich wirken lassen. Eine Liebeserklärung an Madagaskar und seine Musik. Mit 05.04.06
Moolaade Regie : Ousmane Sembène Mit dem Spielfilm „Moolaade“ vollendet der berühmte senegalesische Regisseur und „Vater des afrikanischen Kinos“ Ousmane Sembène seine Trilogie, die er dem Mut im Alltag gewidmet hat. Nach „Guelwaar“ und „Faat Kiné“ setzt sich Sembène in „Moolaade“ mit dem Problem der Beschneidung von Mädchen auseinander. Am Vorabend des Festes zu ihrer Beschneidung laufen vier Mädchen von zu Hause weg und suchen und finden Schutz bei Colle Ardo Galo. Gegenüber den Eltern der Kinder, die ihre Rückkehr fordern, beruft sie sich dabei – sie wurde früher selbst beschnitten und leidet noch immer unter den Folgen – auf ein traditionelles Schutzrecht, das mit unserem Asyl vergleichbar ist und Moolaade genannt wird. <br>Wieder einmal greift Sembène listig auf die Tradition zurück, um einer anderen, schlechten Tradition ein Ende zu bereiten. „Moolaade“ wurde mit dem Preis "Un certain regard" in Cannes ausgezeichnet. Mit 03.05.06
Artikel zuletzt geändert am: Mittwoch, 1. Februar 2006 15:54
|