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Zulu Love Letter
Südafrika F/D 2004 (FSK: ab 12) 35 mm (Format:1:1,85), Farbe, 100 Minuten, OmU Regie: Ramadan Suleman Buch: Bhekizizwe Peterson und Ramadan Suleman Kamera: Manuel Teran Schnitt: Jacques Comets Ton: Jean Mallet / Jean-Pierre Laforce Musik: Original South African music Darsteller/innen: Pamela Nomvete Marimbe (Thandeka), Mpumi Malatsi (Mangi), Sophie Mgcina (Me’Tau), Kurt Egelhof (Moola), Connie Mfuku (Mutter) u.a. Produktion: JBA Production/Natives at Large
Die Journalistin Thandeka Khumalo quälen tiefe Schuldgefühle: während der Apartheid schwanger inhaftiert und gefoltert, brachte sie ihr Kind taub zur Welt. Die traumatisierte Tochter wiederum hofft durch die Herstellung eines Zulu Love Letter, eines Amuletts, Zugang zu ihrer Mutter zu finden. Die Apartheid lässt Thandeka jedoch nicht so schnell los...
Inhalt: Mangi, die Tochter der südafrikanischen Journalistin Thandeka Khumalo, ist von Geburt an taub. Dies ist einer der Gründe warum ihre Mutter, anders als der größte Teil der südafrikanischen Bevölkerung, die nun schon Jahre zurückliegende Zeit der Rassentrennung nicht vergessen kann. Zusammen mit ihrem Kollegen Mike war sie damals verhaftet worden, als sie im Zuge ihrer gemeinsamen Recherchen Augenzeugen der Verfolgung und Ermordung von Dineo wurden, einer jungen Freiheitskämpferin. Thandeka und Mike wurden von der Geheimpolizei festgenommen und inhaftiert. Während der Haft wurden beide gefoltert. Mike, der am Anfang einer hoffnungsvollen Karriere als Photograph stand, hatte dies endgültig aus der Bahn geworfen. Thandeka, die zu jener Zeit schwanger war, brachte eine behinderte Tochter zur Welt, Mangi. Jahre später – die Apartheid ist längst Geschichte, Mangi ist mittlerweile schon dreizehn Jahre alt – wird auch die bis dahin erfolgreiche Journalistin Thandeka von den Gespenstern der Vergangenheit eingeholt. Von Angstzuständen und irrationalen Schuldgefühlen geplagt, hat sie zunehmend Probleme, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren; und auch ihr Privatleben gerät ihr außer Kontrolle. Sie verschließt sich zunehmend gegenüber Mangi, reagiert gereizt und eifersüchtig auf ihren Ex-Mann, der weit besser mit der Tochter zurechtkommt als sie selbst. Sie wirft ihm vor, er habe sie und ihre Tochter alleine gelassen, als sie ihn damals gebraucht habe. Mangi, die eine Schule für Gehörlose besucht, kämpft um die Zuwendung ihrer Mutter. Sie scheint es zu ahnen, dass Thandis Schwierigkeiten auch mit ihr zu tun haben. Auch sie leidet unter der unbewältigten – ihr aber eben auch unbekannten – Vergangenheit Thandekas. Doch alle Versuche Mangis, ihre Mutter zum Reden zu bewegen, laufen ins Leere. Als Thandeka dann am Ende ihrer Kräfte – zu einem Zeitpunkt wenige Tage vor dem Geburtstag ihrer Tochter – einen Suizid-Versuch unternimmt, aber gefunden und gerettet wird, gerät für Mangi die Welt endgültig aus den Fugen. Einzig ihrer geliebten Großmutter gelingt es, sie wieder einigermaßen aufzuheitern. Anders als ihre Mutter Tandi kennt sie auch die Gebärdensprache. Nun weiht sie Mangi auch in die traditionelle Zulu-Kunst der Perlenstickerei ein, bei der Farbe und Anordnung der Glasperlen einem Bedeutungscode folgen, der eine große Nähe zu der von Mangi verwendeten Zeichensprache aufweist. Und so beginnt Mangi, einen solchen Zulu Love Letter anzufertigen. Sie hofft für sich und ihre Mutter auf dessen heilende Kräfte.
Als dann plötzlich Me’Tau, die Mutter der ermordeten Dineo, in der Redaktion auftaucht und Thandeka berichtet, sie hätte einen der an der Ermordung ihrer Tochter beteiligten Polizisten ausfindig gemacht und sie nun darum bittet, vor der Wahrheits- und Versöhnungskommission als Zeugin auszusagen, kann Thandi der Vergangenheit nicht länger ausweichen. Zusammen mit Me’Tau bricht sie auf, um zunächst diesen Polizisten ausfindig zu machen. Im weiteren Verlauf ihrer Bemühungen, das damalige Verbrechen aufzuklären und der trauernden Mutter wenigstens Gewissheit über den Verbleib der sterblichen Überreste ihrer Tochter zu verschaffen, wird Thandeka auch erkennen, dass ihre Tochter Mangi weit mehr versteht, als sie ihr je zugetraut hat. Am Ende werden deshalb sowohl Thandi und Mangi, wie auch Me’Tau und deren noch lebende Tochter neu in eine nun wieder offene Zukunft blicken können.
Ramadan Suleman erzählt diese Geschichte auf zwei Ebenen – die traumatische Vorgeschichte in Form fragmentierter Rückblenden, die den Erinnerungsspuren Thandekas ab dem Moment folgen, als sie bewusstlos aufgefunden und mit der Ambulanz in die Klinik gebracht wird; erst ganz allmählich entsteht aus diesen bruchstückhaften Erinnerungen ein zusammenhängendes Bild. Und auf der zweiten Ebene entwickeln sich die Ereignisse im linearen Fortgang, beginnend mit der Entlassung Thandekas aus dem Hospital. Während so eine Erzählrichtung der Chronologie der Ereignisse folgt, verlängert die andere diese zurück in die Vergangenheit der handelnden Personen, macht sie damit erst psychologisch verstehbar und versöhnt sie am Ende im Ritual der Trauerzeremonie, in dem sowohl Vergangenheit und Gegenwart, jetzt aber erstmals auch wieder der Zukunft ihr je eigenes Recht zukommen. Die Erinnerung an persönlich erfahrenes Leid und die gemeinsam und auch öffentlich bekundete Trauer eröffnen nun auch wieder einen Raum für Hoffnung.
Ramadan Suleman über „Zulu Love Letter“:
„Unsere eigenen Geschichten müssen erzählt werden, um die Erinnerungen wach zu rufen, unsere Dämonen herauszustellen, unseren Schmerz zu lösen, damit wir mit der Heilung beginnen können. Aber um dies zu können, müssen wir viel Intimes, Privates, die Erzählungen aus unserem Leben erforschen. Denn wir haben begonnen sie zu vergessen, weil wir uns auf die großen öffentliche Geschichten konzentriert haben. Zulu Love Letter ist eine Erforschung des Persönlichen.“
„Der historische Übergang vom Alten zum Neuen erfordert von Thandeka, in sich zu gehen und sich Klarheit über ihr Leben zu verschaffen. In der Vergangenheit ging Thandekas Einsatz für Politik und Karriere auf Kosten ihrer familiären Verantwortung. Nun besteht die Herausforderung für sie darin, eine Balance zu finden zwischen ihrer Karriere als Journalistin, der Beziehung zu ihrer tauben Tochter und dem Druck unter dem sie von seiten ihrer Eltern steht, weil sie in deren Augen unfähig ist, einen Hausstand zu gründen.“
Zum Regisseur: Ramadan Suleman wurde in Durban, Südafrika geboren. Er absolvierte zunächst eine Ausbildung am Centre for Research and Training in African Theatre, gründete dann mit anderen das erste ‚schwarze’ Theater Südafrikas, das Dhlomo Theatre. Danach Filmstudium in Paris und an der London Film School. Nach mehreren Dokumentarfilmen für das Fernsehen drehte er den Kurzfilm „The Devil's Children“, der mehrere internationale Preise gewinnt. „Fools“, der erste Spielfilm, dessen Drehbuch er auch schon gemeinsam mit Bhekizizwe Peterson schrieb, wurde in Locarno mit dem Silbernen Leoparden ausgezeichnet.
Filmographie: 1985 Ezikhumbeni (cm) 1990 The Devil's Children (cm) 1997 Fools 2004 Zulu Love Letter
Pressestimmen:
„Der Film überzeugt nicht bloss durch das Wechselspiel von dynamischer und sensibler Erzählweise, sondern auch durch seine Bildästhetik.“ Neue Zürcher Zeitung
Preise:
Beim Filmfestival in Ouagadougou (FESPACO) wurde der Film 2005 mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Pamela Nomvete (Thandeka) erhielt den Preis als beste Schauspielerin. „Zulu Love Letter“ erhielt den Preis der Europäischen Union und den Preis von UNICEF für die Unterstützung der Rechte von Frauen.
Internationales Filmfestival Durban, Südafrika: Spezialpreis der Jury
Beim Cape Town World Cinema Festival, Südafrika, wurde Mpumi Malatsi (Mangi) als beste Schauspielerin ausgezeichnet.
Artikel zuletzt geändert am: Mittwoch, 8. April 2009 14:21
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