Filminfo
Buud Yam
Buud Yam
Burkina Faso 1997
35 mm (Format: 1:1,85), Farbe, 97 Minuten., OmU
Regie: Gaston J. M. Kaboré
Buch: Gaston J. M. Kaboré
Kamera: Jean-Noel Ferragut
Schnitt: Didier Ranz, Marie-Jeanne Kanyala
Ton: Daniel Ollivier
Musik: Michel Portal
Darsteller/innen: Serge Yanogo (Wend Kuuni), Amssatou Maïga (Pughneere), Sévérine Oueddouda (Somkieta,), Colette Kaboré (Laale), Boureima Ouedraogo (Razugu), Joseph Yanogo (der Heiler) u.a.
Produktion: Cinécom Production, Caroline Production
Produzent: Gaston J. M. Kaboré
Kurzinhalt:
Der Film spielt zu Beginn des 19. Jahrhunderts und erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, namens Wênd Kûuni. Dieser begibt sich auf eine lange, abenteuerliche und gefährliche Reise, um jenen Heiler zu finden, von dem es heißt, nur er könne seine Schwester Pugheere wieder gesund machen. Die Reise zu dem Heiler wird für Wênd Kûuni zu einer Suche nach seiner eigenen Identität.
Buud Yam bedeutet auf Mooré „das Erbe“, sowohl im spirituellen wie im moralischen Sinne.
Inhalt:
Ein Panoramaschwenk über die Savanne, in der ein Dorf zu erkennen ist, eröffnet den Film). Die Geschichte, so erfährt der Zuschauer durch eine Schrifteinblendung, spielt „zu Beginn des 19. Jahrhunderts, in der Schleife des großen Flusses Niger“. Ein riesiges in der Sahelzone gelegenes Gebiet ist damit gemeint – in den heutigen Grenzen sind es vor allem die beiden Länder Mali und Burkina Faso – in dem verschiedene Ethnien beheimatet sind, die auch unterschiedliche Sprachen sprechen. Am nördlichsten Punkt des Flusslaufes liegt die legendäre Handelsstadt Timbuktu, die zugleich als Ziel- wie Ausgangspunkt für den Transsaharahandel fungiert.
Wênd Kûuni, ein junger Mann, hadert ganz offensichtlich mit seinem Schicksal, beschimpft er doch seinen Vater, den er gar nicht zu kennen scheint, als Dummkopf und Versager. Pughneere, die junge Frau, die beruhigend auf ihn einspricht, ist, wie sich schnell herausstellt, seine Adoptivschwester. Er selbst kam vor vielen Jahren halb verhungert ins Dorf, wo er von Pughneeres Eltern, Tenga und Laale, aufgenommen wurde. Mit seiner ungeklärten Herkunft – er selbst erinnert sich nur, dass seine Mutter als Hexe aus dem Dorf gejagt wurde, nachdem sein leiblicher Vater nicht von der Jagd zurückgekehrt war – werden nun all jene Unglücksfälle in Verbindung gebracht, die sich in letzter Zeit gehäuft haben. Wênd Kûuni habe den bösen Blick und bringe damit Unheil über seine Gastfamilie und das ganze Dorf.
Doch Pughneere selbst, ihre Freundin Somkieta, wie auch Laale, die Mutter, sind von der Unschuld Wênd Kûunis überzeugt, stehen den bösartigen Verleumdungen aber völlig hilflos gegenüber. Und auch Razuga, ein Freund des erst kürzlich verstorbenen Adoptivvaters Tenga, hält zu Wênd Kûuni. Razuga, der ihm nicht nur das Reiten beigebracht sondern ihm sein Pferd überlassen hat, schenkt ihm nun auch noch einen wertvollen Sattel, mit dem Wênd Kûuni zum ersten Mal ausreiten darf. Dies ist eigentlich ein großer Tag, ist Wênd Kûuni damit doch endgültig in den Kreis der erwachsenen Männer aufgenommen. Er freut sich auch und bedankt sich bei Razuga, doch schon bald wirkt er wieder so bedrückt wie zuvor.
Als Pughneere kurz darauf schwer erkrankt, erscheint dies vielen im Dorf wie der endgültige Beweis für den Verdacht, dies sei alleine dem bösen Blick Wênd Kûunis geschuldet. Er fürchtet nun, das gleiche Schicksal wie seine leibliche Mutter zu erleiden und und aus dem Dorf vertrieben oder sogar getötet zu werden. In seinen Augen liegt die Schuld an all dem ganz alleine bei seinem leiblichen Vater, hat er doch ihn und seine Mutter einfach verlassen und ist nicht zurückgekehrt. Dass dem Vater ein Unglück zugestoßen sein könnte, will Wênd Kûuni einfach nicht akzeptieren. Er ist noch immer überzeugt davon, der Vater kehre eines Tages zurück.
Razugu, der von all den Gerüchten – aber auch von Wênd Kûunis inneren Konflikten – weiß und ihn zunächst beruhigt und auch beschützt hatte, scheint nun auch eine reale Gefahr zu sehen, die ihn bedroht. Und so schickt er Wênd Kûuni auf eine große, vielleicht auch gefährliche Reise, um jenen Heiler ausfindig zu machen und ins Dorf zu bringen, der alleine das Wissen habe, Pughneere wieder gesund zu machen. Es sei der Heiler mit dem Löwenkraut. Niemand kenne seinen Namen. Er müsse nach ihm fragen, um so seinen Aufenthaltsort ausfindig zu machen.
Ausgestattet mit diesem Auftrag, verlässt Wênd Kûuni das im Mossi-Land gelegene Dorf Tensobtenga und bricht auf zu einer abenteuerlichen Reise. Den Heiler mit dem Löwenkraut scheint wirklich niemand zu kennen, aber gehört hat man allenthalben von ihm, und so entfernt er sich immer weiter von zu Hause. Sein Weg führt ihn zunächst in den Norden, an den Rand der Sahara. Hier trifft er auf Kamelreiter, deren Sprache er nicht versteht und die sich über ihn lustig machen, weil er, unerfahren wie er ist, die Wüste offensichtlich mit seinem Pferd durchqueren möchte. Ohnmächtig und nahezu verdurstet, wird er von einer Handelskarawane, die aus dem Norden kommt, gerettet. Zu dieser gehört auch Prinzessin Zohora. Als die Karawane die Stadt erreicht, wo die Händler ihre mitgebrachte Ware verkaufen und neue Ware einkaufen, erzählt sie einem ihrer Geschäftspartner von jenem merkwürdigen Fremden, den sie in der Wüste aufgelesen haben. Schnell stellt sich bei diesem Gespräch heraus, dass der Händler jener Mann war, der damals den stummen Wênd Kûuni im Busch gefunden und zu Tengas Familie gebracht hatte. Und dieser weitgereiste und erfahrene Händler kennt auch den Heiler und weiß um dessen jährliche Reiseroute. Wênd Kûuni, so sein Rat, solle am Fluss entlang in den Süden reiten, sich aber vor den Flussgeistern in Acht nehmen. Finde er auf diesem Wege den Heiler nicht, so müsse er noch weiter nach Süden, ins Gebiet der Bobos reisen.
So bricht Wênd Kûuni erneut auf, übersteht einige komische wie auch gefährliche Abenteuer, ehe er sich jenem Felsenplateau im Dogonland nähert, wo der Heiler um diese Jahreszeit zu finden sein müsste. Doch beim Versuch, die Felsen zu erklimmen, stürzt er ab und verletzt sich schwer. Als er wieder aus seiner Ohnmacht erwacht, blickt er einem Mann ins Gesicht, der ihm gerade seinen Kopf verbindet. Der Fremde möchte wissen, wer Pughneere ist, von der er immer wieder in seinen Fieberphantasien gesprochen habe. Wie sich bei diesem Gespräch schnell herausstellt, wurde Wênd Kûuni von dem berühmten Heiler mit dem Löwenkraut gepflegt. Dieser zeigt sich auch schnell bereit, mit ihm nach Tensobtenga aufzubrechen. Weil der Weg jedoch sehr weit und Wênd Kûuni durch seinen Unfall geschwächt ist, lässt ihn der Heiler zurück, um keine Zeit zu verlieren, und macht sich alleine auf den Weg ins Dorf…
Zunächst wirkt „Buud Yam“ wie die Fortsetzung von Gaston Kaborés erstem Spielfilm, „Wênd Kûuni – das Geschenk Gottes“. Doch wie das zunächst stumme Findelkind Wênd Kûuni damals ein neues Zuhause gefunden hatte, so wird das dorf Tensobtenga nun zur Bedrohung. Sein Weggehen ist deshalb auch eine Flucht, und seine Reise zu dem Heiler erweist sich zugleich auch als eine Suche nach seiner eigenen Identität.
Gaston Kaboré erzählt die Geschichte von Wênd Kûunis Aufbruch in großartigen Bildern und in Form einer Initiationsreise, mit all ihren klassischen Merkmalen. Ein komplexes Geflecht aus Rückblenden nutzt er ebenso sicher wie das Stilmittel der dramatischen Ironie. Damit ermöglicht er Begegnungen mit teils surrealen teils märchenhaften Gestalten, die so vielschichtig erscheinen wie die Legenden Afrikas.
„Buud Yam“ bedeutet auf Mooré ‚das Erbe’ im spirituellen oder moralischen Sinne.
Gaston J. M. Kaboré über „Buud Yam“:
„Wenn die Gemeinschaft vergisst und alles wieder seinen normalen Gang geht, bleibt Wênd Kûuni mit seinen Zweifeln alleine. Der Schmerz, der an ihm nagt, ist die Beziehung zu seinem Vater, der ihn verlassen hat. Wênd Kûuni ist nun gereift, und damit auch bereit, einen Schritt in Richtung auf jenen Mann hin zu tun, den er die ganze Zeit für sein tragisches Leben verantwortlich gemacht hat, und auch in Richtung der dunklen Seite seiner Erinnerungen. In diesem Sinne kann das offene Ende des Filmes als ein Zeichen für eine neue Reise interpretiert werden, sei diese real oder mental: denn niemand löst endgültig die Zweifel über die eigene Existenz.“
(zitiert nach Ecrans d’Afrique, No. 19, 1997)
Zum Regisseur:
Gaston J. M. Kaboré wird 1952 in Bobo Dioulassso, der zweitgrössten Stadt Burkina Fasos geboren. Er studierte Geschichte und Film in Paris, leitet von 1977 bis 1987 das nationale Filminstitut und unterrichtete an der neu gegründeten Filmschule in Ouagadougou. 1985 wird er Generalsekretär der Fédération Panafricaine des cinéastes (FEPACI) und einer der Organisatoren des FESPACO, dem wichtigsten Festival des afrikanischen Films in Ouagadougou. Seinen ersten langen Spielfilm "Wênd Kûuni" realisiert er 1982, den Hauptpreis der FESPACO „L’Etalon de Yennenga“ erhält er 1997 für Buud Yam.
Filmographie:
1982 Wênd Kûuni – Das Geschenk Gottes (Verleih EZEF)
1989 Zan Boko
1992 Rabi
1992 La Vie en fumée
1995 Le Loup et la cicogne
1997 Buud Yam
Artikel zuletzt geändert am: Donnerstag, 16. Juni 2005 10:05
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