Filmtipp: Schritte in die Zukunft (Januar 2004)
erschienen in: SüdZeit, Januar 2004
Filmtipps für die SüdZeit von Bernd Wolpert vom Evangelischen Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit (EZEF) in Stuttgart
Schritte in die Zukunft – Filme zur AIDS-Prävention aus dem Südlichen Afrika
AIDS wird gerne an erster Stelle genannt, wenn es darum geht, Afrika als Kontinent der Krisen und Katastrophen zu beschwören. Doch es gibt dort auch bemerkenswerte Erfolge im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit und es gibt bemerkenswerte Initiativen aus der Zivilgesellschaft. Dazu gehört die von Don Edkins. Er war vor einigen Jahren mit einem Inlandsvertrag von Dienste in Übersee bei der Medienwerkstatt Freiburg tätig. Edkins initiierte eine ca. 40 Filme umfassenden Serie von Dokumentar- und Kurzspielfilmen im südlichen Afrika. Sie sollen Perspektiven aufzeigen, wie Menschen den mit der Krankheit verbundenen Herausforderungen begegnen – deshalb auch der zukunftsweisende und Mut machende Titel Steps for the Future. Von europäischer Seite waren u.a. Arte, BBC, einige skandinavische Sender und der ORF beteiligt. In Abstimmung mit dem DIFÄM in Tübingen und der AIDS-Kampagne hat das EZEF drei besonders geeignete Filme ausgewählt, um unterschiedliche Zielgruppen ansprechen und unterschiedliche Aspekte der Immunschwächekrankheit thematisieren zu können.
Der Kurzfilm der namibischen Regisseurin Bridget Pickering, Es könnte so schön sein (Dreams of a good Life), ist gut geeignet, sich nicht nur mit „dem Problem AIDS“ zu befassen, sondern auch mit Fragen, die sich Jugendlichen auch in Europa stellen, wenn es um Liebe und Sexualität, Vertrauen und Treue, Enttäuschung oder Verantwortung und Solidarität geht. Lachen, Angst und der Trost, den geteiltes Leid spendet, prägen diesen südafrikanischen Kurzfilm. Er stellt eine Gruppe junger Frauen vor, die über sich, ihr Leben und darüber sprechen, wie sich ihre Zukunftsträume verändert haben, seitdem sie wissen, dass sie HIV-positiv sind. Wie hat dieses Wissen ihr Familienleben, die Beziehungen zu ihren Männern oder Freunden, wie hat es ihre Sexualität verändert? Wollen und können sie offen sprechen? Wie wird ihr Freundes- und Bekanntenkreis, wie ihre Familie reagieren? Oder sollen sie ganz alleine leben und auf Kinder verzichten? Sie bewundern die Frau, die den Mut hatte mit ihrem Mann über AIDS zu sprechen. Eine andere befürchtet, dass ihr Freund sie mit einer Pistole bedroht, da sie nicht weiß ob er durchdreht, wenn er von ihrer Krankheit erfährt. Eine dritte Frau berichtet, dass sie ihren Freund bereits durch AIDS verloren hat und auch ihr Kind HIV-positiv ist. Die Regisseurin kommentierte ihren Film in einem Interview so: „Hier zeigt sich die Stärke von Frauen – sie reden miteinander, tauschen sich aus und trösten sich. Und dadurch gelingt es ihnen in der Liebe und ihren Beziehungen zueinander Freude am Leben zu haben.“
Der mittellange Dokumentarfilm Reise zwischen zwei Welten (A Miner’s Tale), der in Mozambik und Südafrika spielt und von dem Südafrikaner Nic Hofmeyr und dem Mozambikaner Gabriel Mondlane gedreht wurde, erhielt vor kurzem beim Fernsehworkshop Entwicklungspolitik einem der drei Preise. Der Film portraitiert und begleitet Joaquim, einen der vielen ausländischen Wanderarbeiter, die in den südafrikanischen Goldminen Beschäftigung gefunden haben. Zusammen mit seiner Freundin Maria und deren Kindern lebt er in einer der Siedlungen, in denen überwiegend Minenarbeiter untergekommen sind. Nur alle paar Jahre kann er sich eine Reise nach Hause leisten. Joaquim stammt aus einem kleinen Dorf in Mozambik. Dort lebt seine Ehefrau Rosita mit den gemeinsamen Kindern. Irgendwann einmal möchte Joaquim die Mine und Südafrika hinter sich lassen und zurückkehren in seine Heimat. Doch ob er dies wirklich tun wird, ist ungewiss. Denn er hat sich an das Leben in zwei Welten gewöhnt – das moderne, städtische Südafrika und die seltenen und kurzen Aufenthalte im mozambikanischen Dorf. Vorerst bereitet Joaquim seinen Heimatbesuch vor. Gemeinsam mit Maria kauft er Geschenke für seine Ehefrau und andere Dinge ein, die er der Familie mitbringen möchte. Doch gleichzeitig ist sich Joaquim unsicher, ob er überhaupt fahren soll. Seit geraumer Zeit weiß er von seiner HIV-Infektion. Was er hingegen nicht weiß ist, ob und wie er seiner Frau und seiner Familie davon erzählen kann. Er fühlt, dass er ihnen die Wahrheit schuldet, aber zugleich fürchtet er, dass sie ihre Tragweite nicht verstehen. Oder werden sie ihn ganz ignorieren, gar verfluchen und verjagen? Als Joaquim in seinem Dorf ankommt wird er herzlich empfangen. Zu seinen Ehren wird ein großes Fest veranstaltet. Doch Joaquim ist bedrückt. Er erzählt seiner Frau Rosita von seiner Infektion und der drohenden Krankheit. Wie befürchtet, versteht sie nicht ganz, was er eigentlich meint – zu fremd ist ihr das alles. Daraufhin spricht Joaquim mit seinem Onkel, der nicht akzeptieren kann, dass Joaquim seine Frau vor einer Ansteckung schützen will. Er ist unnachgiebig: Joaquim müsse seiner traditionellen Verpflichtung nachkommen und seiner Frau noch mehr Kinder schenken. Lange habe Rosita auf diese Gelegenheit warten müssen. Joaquim ist mit den enormen Unterschieden zwischen den beiden Lebenswelten konfrontiert und damit überfordert, eine Entscheidung zu treffen. Zu groß sind die Gegensätze zwischen dem modernen Südafrika und dem traditionell geprägten bäuerlichen Leben in Mozambik. Die beiden Welten auch nur für sich persönlich miteinander zu versöhnen, gelingt ihm nicht. So verlässt er das Dorf, ohne Rosita auf Wiedersehen zu sagen und kehrt zurück zu seiner Arbeit in der Mine, zu Maria und in eine ungewisse Zukunft.
Der dritte Film portraitiert Pinky, eine starke Frau. Pinkys Kampf (A red Ribbon around my House) ist der Debütfilm der südafrikanischen Regisseurin Portia Rankoane. Für Pinkys Tochter Ntombi ist die Stärke der Mutter allerdings manchmal nur schwer auszuhalten, denn diese spricht immer und überall darüber, HIV-positiv zu sein. Und dies in einem Land, in dem am liebsten über AIDS geschwiegen wird. Die offene und couragierte Art, mit der Pinky über sich und ihre Infektion spricht, ist ihr Weg, mit AIDS klar zu kommen. Sie möchte andere aufklären und so viele Menschen wie möglich zu einem offenen Verhalten gegenüber AIDS bewegen, denn nur so lässt sich etwas gegen die weitere Ausbreitung der Epidemie erreichen. Ntombi liebt ihre Mutter, versucht aber gleichzeitig den scheinbaren Erwartungen der Gesellschaft zu genügen – was schlecht zusammen passt. Ihr Freund hat sie deshalb schon verlassen, und auf der Straße wird sie auf das ungehörige Verhalten ihrer Mutter angesprochen. Der Vater sieht es ähnlich wie Ntombi – doch Pinky kämpft! Und der Familie gelingt der Balance-Akt, dies zu akzeptieren, ohne es gutheißen zu können.
Die umfassende website von Steps for the Future bietet vielfältiges Hintergrundmaterial: http://www.dayzero.co.za/steps/ Weitere Internetadressen zur AIDS-Kampagne: Aktionsbündnis gegen AIDS: www.aids-kampagne.de Brot für die Welt: http://www.brot-fuer-die-welt.de/ Evangelischer Entwicklungsdienst: www.eed.de/ Deutsches Institut für Ärztliche Mission (DIFÄM): www.difaem.de
Pinkys Kampf (A red Ribbon around my House ); Regie: Portia Rankoane; Südafrika 2001, Dokumentarfilm, Farbe, 26 Minuten, VHS Reise zwischen zwei Welten (A Miner’s Tale); Regie: Nic Hofmeyr und Gabriel Mondlane; Mozambik/Südafrika 2001, Dokumentarfilm, Farbe, 40 Minuten, VHS Es könnte so schön sein (Dreams of a good Life); Regie: Bridget Pickering; Südafrika 2001, Dokumentarfilm, Farbe, 15 Minuten, VHS
Auszuleihen sind die drei Video-Filme kostenlos über die Evangelische Medienzentrale Württemberg, Stuttgart, Tel. 0711-222 76-67 (bis 70), Fax: 222 76-65. Arbeitshilfen können sowohl von der homepage des EZEF heruntergeladen (www.ezef.de) als auch kostenlos angefordert werden. VHS-Kassetten sind zu kaufen bei EZEF.
erschienen in: SüdZeit, Januar 2004 (SüdZeit; Hrsg: Dachverband Entwicklungspolitischer Aktionsgruppen in Baden Württemberg (DEAB) e.V.; Tel: 0711-6453120)
Artikel zuletzt geändert am: Donnerstag, 24. April 2008 16:44
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