Filmtipps von Textilexpertin Monika Balzer
Die Textilindustrie-Expertin und Autorin Monika Balzer mit Filmtipps:
Das Model und die Armen. Bibi Russell – Der Engel von Bangladesh Bibi Russell, eine charismatische Frau Mitte Vierzig aus einer reichen Familie Bangladeschs ist Designerin. Das Model, das in Europa Karriere machte, hat in Dhaka ein besonderes Unternehmen eröffnet. Bei Bibi Productions entsteht eine Kollektion ausschließlich aus traditionellen handgemachten Stoffen einheimischer Weber. Die Designerin beauftragt gezielt die Landbevölkerung, um hier Einkommen zu schaffen. Zum großen Ereignis wird die Vorstellung ihrer Kollektion, "Sterne von Bangladesch", auf der London Fashion Week. Die Filmautorin Cristina Seitz-Ferro porträtiert Bibi Russell als Visionärin, als weltoffene Individualistin, die den Armen ihres Landes verbunden ist. Doch das Unternehmen "Bibi Productions" inklusive Marketing bleibt für die Zuschauer im Dunkeln. Die große Zahl der Färber-, Weber-, NäherInnen, die ihr zuarbeiten, erklärt die Filmautorin aus der Zusammenarbeit mit wechselnden Entwicklungsorganisationen wie Grameen Uddog oder Proshika. Für den englisch-sprachigen Raum und die Europäische Union hat Bibi Productions Vertreter, die ihre Kollektionen vertreiben. Die Designerin will alte Kulturgüter retten, wie die Techniken der Jamdani-Weberei oder der Naturfärberei. Dabei steht sie den traditionellen Verfahren unkritisch gegenüber. Ein modernes Herangehen fordert jedoch, angepaßte Technologien anzuwenden, die ökologische, ökonomische und soziale An-forderungen integrieren. Trotz Schwächen spricht der Film sicher Mode interessierte Jugendliche an und bietet einen guten Einstieg in die entwicklungspolitische Debatte. Das Model und die Armen. Bibi Russell – Der Engel von Bangladesh, Cristina Seitz-Ferro, 1998, 29 Minuten, Farbe, Reportage, Video VHS
Saubere Ernte - Mavuno Safi Jugendliche hacken in Tansania Baumwolle zum Rhythmus der Trommeln, während in Europa Models sexy Baumwollwäsche präsentieren, - so beginnt "Mavuno Safi". Peter Heller beschreibt die gegensätzliche Entwicklung zweier Dörfer in Tansania, die auf den Baumwollanbau gesetzt haben. In Muhenda haben die Bauern vor 30 Jahren in den industrialisierten Anbau investiert und damit Schiffbruch erlitten, sowohl wirtschaftlich wie ökologisch. Die Kosten für Maschinen und Chemie überflügelten die Einnahmen, Mißbildungen traten auf, ihre Böden sind zum Teil heute noch vergiftet. Die Bewohner mussten zur Subsistenzwirtschaft zurückzukehren. Was sich in Muhenda ereignete, wiederholt sich vielfach auf der Welt. Rund 200 Millionen Menschen in über 70 Ländern sind in der Baumwollwirtschaft beschäftigt. Teure Chemie treibt gerade die Kleinbauern in die Verschuldung. Sie können nicht mit den Erträgen der industrialisierten Landwirtschaft kon-kurrieren. Zudem haben die Baumwollpreise durch wachsende Konkurrenz am Weltmarkt und die billigen Chemiefasern einen historischen Tiefstand erreicht. Günstigere Karten haben diejenigen, die auf kontrolliert biologischen Anbau umsteigen können wie in der Region Shinyanga im Distrikt Meatu. Die Bauernfamilien erhalten Beratung und einen besseren Preis. An-gebaut werden zugleich biologische Lebensmittel. Mit den Einnahmen können sie ihre Lebenssituation verbessern, sich z.B. Wellblechdächer leisten. Nicht einmal 0,1 Prozent der weltweit erzeugten 20 Millionen Tonnen Baumwolle sind biologischer Herkunft! Dabei schafft die "Saubere Ernte" Perspektiven. Schade, dass die Texte teilweise pauschal oder polemisch ankommen, z.B. "Gift und Baumwollkleider sind unzertrennlich." Dabei trifft die Last der Pestizide aus dem Baumwollanbau in erster Linie die Produktionsländer. Verbraucher mit der Angst vor Pestizidrückständen zu schrecken, erscheint ungerechtfertigt, auch wenn ihre Nachfrage erwünscht ist. Ungeklärte Risiken lauern eher durch riskante Textilhilfs- oder Farbmittel. Hier hätten kritische WissenschaftlerInnen zu Wort gekommen sollen. Am Schluss habe ich weitere Anbieter von Produkten aus Biobaumwolle wie Hess, Otto oder das Gütesiegel "Naturtextil" vermisst. "Mavuno Safi" ist jedoch ein Film mit wunderbaren Menschen und Bildern, der für die Bildungsarbeit viele Ansatzpunkte bietet.
Saubere Ernte - Mavuno Safi, Peter Heller, Filmkraft Filmproduktion, 50 Minuten, Farbe, Reportage, 2002, Video VHS
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