Filmtipps zum Thema Fairer Handel
Auch wenn die Deutschen durchschnittlich nur 90 Pfennig pro Jahr für den fairen Handel ausgeben (s. Südzeit 2), so hat sich im Bewusstsein der VerbraucherInnen doch einiges geändert. Als die kolumbianische Regisseurin Marta Rodriguez ihren Film „Blumenfrauen“ (Amor, mujeres y flores) 1990 vorstellte, da wussten die allermeisten Blumenkäufer nicht, dass ein Grossteil der im Winter gekauften Schnittblumen nicht aus holländischen Gewächshäusern sondern aus der Dritten Welt kom-men. Dank der Blumenkampagne, vergeht seitdem aber kein Muttertag, ohne dass in Tageszeitungen auf die Problematik eingegangen wird.Die beiden Filme Bitter Orange und Einmal im Leben ins Kino leisten ebenfalls dringend nötige Verbraucheraufklärung.
Bei Orangensaft verbindet sich Gesundheit und Genuss. So hatte es die Werbung nicht schwer der Getränkeindustrie dabei zu helfen, den Konsum von Orangensaft von 0,2 Liter im Jahr 1950 auf nun-mehr 21 Liter pro Kopf und Jahr zu verhundertfa-chen. Dass der “Geschmack sonnenreifer Früchte” einen bitteren Beigeschmack hat, erzählt Frederico Füllgrafs Bitter Orange. Brasilien ist der weltweit größte Produzent von Orangensaft, und Deutschland bezieht 90 Prozent seiner Importe von dort. Kiko und seinen Geschwistern folgend dokumentiert der Film den Alltag der jugendlichen Pflücker, die von früh bis spät schuften und von der schweren Arbeit Rückenschäden davontragen. Ohne Arbeitsvertrag kann man ihnen einen noch geringeren Lohn zahlen als den Erwachsenen. Verlierer sind aber auch Tausende von kleinen und mittelgroßen Orangenbauern, die - u.a. weil die Anbauflächen enorm ausgedehnt wurden - ihre Erzeugnisse zu Schleuderpreisen an die einheimischen und ausländischen Organgensaftproduzenten abtreten müssen. “Sinkende Rohstoffpreise und Lohnkosten in der Dritten Welt damit die Endverbraucherpreise in der Ersten Welt niedrig bleiben” übersetzt der brasilianische Filmemacher Frederico Füllgraf den lapidaren Ausdruck vom ‘komparativen Kostenvorteil’, wie er in der Volkswirtschaftslehre verwendet wird. Dass für Konsumenten der Boykott von Orangensaft kein Ausweg sein kann, wird im Gespräch mit einem brasilianischen Staatsanwalt deutlich, der für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen kämpft. Deshalb fair produzierten und gehandelten Orangensaft im Weltladen kaufen. Mittlerweile gibt es O-Saft mit dem Transfair-Siegel auch in Supermärkten.
Für den Film Einmal im Leben ins Kino haben Triwheni und die anderen indischen Kinder nachgespielt, was sie an Ausbeutung über Jahre hin am eigenen Leib erfahren haben. Nach gründlichen Recherchen in der indischen Teppichproduktion hat Alice Schmid einige dieser Schicksale mit den betroffenen Kindern als Dokudrama inszeniert. Die Geschichte: Der Friseur ist ins Dorf gekommen und schneidet den Kindern die Haare. Dem sieben-jährigen Triwheni und seinem Freund Mohan erzählt er von der Stadt und vom dortigen Kino. Dem Vater bietet er sogar einen Vorschuss auf den Lohn der Kinder an, wenn sie dort Geld verdienen gingen. Zunächst zögern die beiden Jungen, doch dann überwiegt die Neugier und schon verlassen sie auf der Ladefläche des Autos des Friseurs das Dorf. Ziel ist eine Stadt in nordindischen Teppichgürtel. Hier werden sie einem Mann übergeben, der sie sofort in einen dunklen Raum einsperrt. Statt des versprochenen Kinobesuchs gibt es nur harte Arbeit, die sie zusammen mit anderen Kindern verrichten müssen. Schnell lernen sie, wie die Knoten richtig zu knüpfen sind. Die Teppichwerkstatt dürfen sie nicht verlassen, und Lurga, ihr “Besitzer” schlägt sie auch noch, wenn sie die Wolle nicht kurz genug abschneiden. - Aber endlich geschieht dann doch, was die Kinder so sehr erhofft haben: sie werden befreit, und können zu ihren Familien zurückkehren. Dass wir beim Kauf von Teppichen darauf achten sollen, dass bei deren Herstellung keine Kinder ausgebeutet werden, hat Kailash Satyarthi von der South Asian Coalition on Child Servitude (SACCS) eindringlich hingewiesen, zuletzt bei seinem Deutschlandbesuch, bei dem er den Menschenrechts-preis der Friedrich-Ebert-Stiftung erhielt, im Kommunalen Kino in Stuttgart.
Bitter Orange, Frederico Füllgraf, Brasilien 1997, Dokumentarfilm, 34 Min., f u. s/w, VHS
Einmal im Leben ins Kino, Alice Schmid, Schweiz 1999, Dokudrama, 26 Min., f, VHS
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Artikel zuletzt geändert am: Donnerstag, 24. April 2008 17:37
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