Filmtipps zum Thema Schuldenerlass
von Bernd Wolpert, EZEF
DAS SCHULDENSPIEL ist ein brasilianischer Dokumentarfilm, der sich undogmatischer Mittel bedient indem er Archivmaterial, Cartoons, Interviews und kurze Sketche zu einer filmischen Collage verdichtet. Er zeichnet sich durch Originalität und Multiperspektivität aus. Im Spielfilm GUELWAAR geht es um Abhängigkeit und Unabhängigkeit, um Korruption und Krisengewinnler und um Visionen für eine bessere Zukunft. Beide Filme machen deutlich, daß die internationale Verschuldung kein finanztechnisches und die wirtschaftliche Abhängigkeit kein produktionstechnisches Problem ist, sondern daß es sich um politische Probleme handelt, die einer politischen Lösung bedürfen.
DAS SCHULDENSPIEL entstand vor der Amtszeit des Präsidenten Cardoso, in einer Phase, in der die Verschuldung dieses größten südamerikanischen Landes als ernsthaftes Risiko für die gesamte Weltwirtschaft galt. Heute, zehn Jahre später, ist die brasilianische Schuldenkrise weiter ungelöst. Während im ersten Teil des Films der Bogen von der Eroberung Lateinamerikas über die Unabhängigkeit verschiedener Länder und die bald darauf einsetzende wirtschaftliche Abhängigkeit und Verschuldung jener jungen Nationen im 19 Jahrhundert, geschlagen wird, rücken im zweiten Teil die 70er Jahre in den Vordergrund als auf dem sogenannten Euromarkt derart viel überschüssiges Kapital zusammenkam, daß dieses geradezu danach schrie, „angelegt“ zu werden. Internationale Banken stellten Drittweltländern billige Kredite zur Verfügung - mit durchaus absehbaren Folgen. Teil drei zeigt anhand konkreter Beispielen, wie etwa dem milliardenteuren Wasserkraftwerk Tucuri, daß an Großprojekten die einheimische Elite und die ausländischen Konzerne und Banken gut verdienten. Import-Begünstigung und Kapitalflucht verstärkten dies noch und mündeten in einen allgemeinen Katzenjammer, als die Experten lautstark nach „Strukturanpassungsprogrammen“ verlangten. Durch diese Strukturanpassungsmaßnahmen des Internationalen Währungsfonds (IWF) flossen zwischen 1982 und 1988 180 Milliarden Dollar aus Lateinamerika an die Gläubigerländer im Norden. Dies ist ein Vielfaches der Summe, die nach dem zweiten Weltkrieg durch den Marshallplan zum Wirtschaftsaufbau in Europa bereitgestellt wurden. Am Beispiel einer Familie, die illegal am Stadtrand von Rio de Janeiro siedelt, werden im vierten Teil die Auswirkungen auf die Armen vor Augen führt. In Teil fünf geht es den Autoren schließlich darum, deutlich zu machen, daß der kaufmännische Grundsatz, „Schulden sind Schulden und müssen bezahlt werden“, viel zu kurz greift und Maßnahmen bedarf, die heute - fast zehn Jahre später - wiederum die Schlagzeilen bestimmen: z.B. Zahlungsmoratorien, bzw. deren Androhung.
Der Spielfilm GUELWAAR setzt mit dem geheimnisvollen Todesfall Guelwaars ein. Dieser hatte auf einer öffentlichen Versammlung, die von einflußreichen Politikern für die Danksagung an die Adresse der „weißen Helfer“ organisiert worden war, die Behörden angeklagt, die Bevölkerung mit ihrer - vom Westen finanzierten- Nahrungsmittelhilfe „abzuspeisen“. Was „große Politik“ mit dem Leben der davon betroffenen Menschen konkret zu tun hat und wie diese allmählich begreifen, wer dabei verdient und wie übel ihnen dabei mitgespielt wird, erzählt dieser Film hintergründig und mit viel Humor. Dabei werden nicht nur politische Konflikte thematisiert, sondern es geraten auch religiöse Spannungen und kulturelle Konflikte auf lokaler Ebene in den Blick. Dabei wird nichts beschönigt und dennoch ist dieser Film Welten entfernt von jener Elendsberichterstattung, die wir gerade aus Afrika gewohnt sind.´
GUELWAAR Ousmane Sembène Senegal 1992, Spielfilm, f., 105 Min., 16mm und VHS Originalversion (Französisch und Wolof) mit deutschen Untertiteln
DAS SCHULDENSPIEL (O JOGO DA DIVIDA; 1990) Eduardo Coutinho, Claudius Ceccon u.a., Brasilien 1990 58 Min., Dokumentarfilm, dt. Fassung, VHS
Auszuleihen sind beide Filme als VHS-Video-Kassette, „Guelwaar“ auch als 16mm-Kopie bei der Evang. Medienzentrale Württemberg, Stuttgart, Tel.: 0711-222 76-67 (bis -70), Fax: 22276-65 (der 16mm-Verleih ist kostenpflichtig; (ein reduzierter Preis ist möglich über die sog. „Fernleihe“ ab EMZ 2; bitte nachfragen bei der EMZ Stuttgart, Empfehlung des EZEF:)
Als VHS-Kaufkassette kann „Guelwaar“ in jeder Buchhandlung bestellt werden - oder bei EZEF; Preis: 65 DM (ohne öffentliches Verleihrecht) „Guelwaar“ ist auch als Buch erschienen - im Peter Hammer Verlag
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