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für entwicklungsbezogene Filmarbeit



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Filmtipps zum Thema Nahrungsmittel / Biodiversität

von Bernd Wolpert, erschienen in Südzeit 1/2001

“Stellen Sie sich vor, Sie essen Kartoffelbrei und sind danach gegen Kinderlähmung geimpft. In Zukunft kein Problem”, begeistert sich der Optimist und Kartoffelforscher Wolfgang Rohde vom Kölner Max Planck-Institut für die Utopien der Gentechnik. Verzichten wir auf die Gegenthese des Pessimisten und schauen stattdessen was die Karrikaturisten in den Zeiten des Rinderwahnsinns zu Papier bringen. Um im Bild zu bleiben wählen wir die Sprechstunde des Arztes. Fragt der Arzt den Patienten, „Wollen Sie ihr Antibiotika in Form von Pillen, Sirup oder lieber als Steak?“
Aber auch der Blick zurück auf entwicklungspolitische Debatten der Vergangenheit kann helfen, aufmerksamer nach vorne zu schauen. Als die Presseleute von Mc Donalds dem Film „Dschungelburger - Hackfleischordnung International“ von Peter Heller Unseriosität nachweisen wollten, betonten sie, das Fleisch aus dem die in Deutschland verkauften Hamburger hergestellt seien, stamme überwiegend von europäischen Rindern und keineswegs aus Mittelamerika. Heutzutage wäre es ihnen hingegen wahrscheinlich hochwillkommen, wenn sie ihren Kunden versichern könnten, das Fleisch stamme von den Weidegründen Argentiniens oder Costa Ricas. Dort hatte der renommierte Dokumentarist Peter Heller schon in der 80er Jahren die Spur aufgenommen, die einen Zusammenhang zwischen dem Hunger und der Armut in der Dritten Welt und unseren Ernährungsgewohnheiten aufzeigt.
In provozierenden Parallelmontagen brechen in „Dschungelburger“ die Urwaldriesen unter den Kettensägen und die Rinder unter den Schußapparaten in den riesigen Schlachthöfen zusammen - letztlich dem gleichen Gesetz einer unbarmherzigen Logik industrialisierter Lebensmittelproduktion gehorchend, der der Profit alles, die Folgen für die Umwelt und die Menschen (ohne Kaufkraft) aber wenig oder nichts bedeuted.
Es lohnt sich deshalb, den Film wieder einmal zu zeigen und bei der - nicht ohne Hysterie geführten - öffentlichen Debatte um BSE auch die globalen Auswirkungen unserer Ernährungsgewohnheiten mit ins Spiel zu bringen. Es ist dies ein altes, wichtiges und immer wieder aufgegriffenes Thema der entwicklungsbezogenen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Seine Dringlichkeit zeigt sich gerade angesichts der gespenstisch anmutenden Vorschläge von Politikern aller Parteien, bei uns unverkäufliches Rindfleisch doch den Hungernden im Süden zukommen zu lassen - und dabei fehlte nicht einmal der wohlmeinende Vorschlag, Rindfleisch ausgerechnet nach Indien zu exportieren!
Aber was hat denn der Kartoffelbrei mit der globalisierten Wirtschaft zu tun? Ausgehend von einem norddeutschen Acker, inmitten des größten europäischen Kartoffelanbaugebietes gelegen, nimmt der Film „Die Multiknolle - Karriere einer Ackerfrucht“ nicht nur die schöne neue Welt einer möglichen Zukunft in den Blick, sondern er richtet diesen auch zurück auf die eng mit der Entdeckung der ‘Neuen Welt’ verknüpften Kulturgeschichte der Kartoffel.
Dabei führt die filmische Reise Joerg Altekruses sowohl in den Regenwald Guatemalas, wie in den Mittleren Westen der USA, wo sich die Farmer nach einer ungewöhnlich langen Regenperiode mit einer Kartoffelkrankheit herumzuschlagen haben.
Dabei drängen sich viele Fragen auf: Ist die Biodiversität, d.h. die genetische Vielfalt durch Artensterben und industrialisierte Landwirtschaft ernsthaft bedroht? Ist auch heute noch eine Erntekatastrophe denkbar wie jene, die den großen Hunger auslöste, der maßgeblich zur Entvölkerung Irlands im letzten Jahrhundert beitrug? Oder kann durch die Bewahrung alter Landsorten die kulturelle Kartoffelvielfalt gegen die industrielle Normierung und Vereinheitlichung verteidigt werden? Und nicht zuletzt stellt sich die Frage, welche Rolle dabei der Geschmack und die Qualität der Kartoffel als Lebensmittel spielen; aber auch das Verhalten der Verbraucher?
Auch wenn es noch eine Reihe weiterer Dokumentarfilme zu dieser Thematik gibt, soll stattdessen noch auf ein Spielfilm hingewiesen werden, weil er wie wenig andere Filme deutlich macht, wie umfassend eine bäuerliche Kultur von einer einzigen Pflanze geprägt sein kann. Es geht um den Reis, der für die Länder des asiatischen Kontinents eine vielleicht noch größere Bedeutung hat als dies für die Kartoffel in Europa und Amerika gilt. Die Kultur des Reisanbaus und die prekäre Lage kleinbäuerlicher Subsistenzwirtschaft stehen im Zentrum des überaus eindrucksvollen Spielfilmebuts „Das Reisfeld“, den der kambodschanische Filmemacher Rithy Panh realisiert hat.
„Das Reisfeld“ ist eine Parabel über die Würde der kambodschanischen Reisbauern, die gleichermaßen eingebunden sind in ihre soziale Ordnung wie in den Rhythmus der Natur.
Im Zyklus von Aussaat, Wachstum, Reife und Ernte wird die Geschichte einer kambodschanischen Bauernfamilie erzäht. Noch vor dem “Erwecken der Felder”, kündigt sich Unheil an, als die Bäuerin Yim Om auf dem Feld auf eine Kobra trifft - ein böses Omen. Und als Vong Poeuw, ihr Mann, wenig später beim Pflügen in einen giftigen Dorn tritt, ist das der Beginn einer Reihe von Schicksalsschlägen. Der Familie fehlt das Geld für die ärztliche Behandlung des Vaters. Bei dem Versuch, sich den Dorn zu entfernen, stirbt er an den Folgen der Blutvergiftung.
Nun muß Yim Om seinen Platz einnehmen und sich zugleich um die sieben Töchter kümmern. Flußkrebse, Sturm und Hitze bedrohen die Ernte. Yim Om ist auf Dauer der Belastung durch die harte Feldarbeit nicht gewachsen. Erschöpfung und Trauer laugen sie aus, zunehmend verfällt sie dem Wahnsinn. Nun müssen die Töchter das Feld bestellen bis zur Ernte. Unter der Anleitung von Sokha, der ältesten von ihnen, beweisen sie dabei ungeheure Stärke und Ausdauer.

Rithy Panh, der als Elfjähriger den Einmarsch der Roten Khmer erlebt und später aus einem “Umerziehungslager” geflohen war, sagt über sein Spielfilmdebut: “Mein Film ist die Suche nach meinen kulturellen Wurzeln, eine Rückkehr auf die heimatliche Erde. Nach all dem was mit unseren Reisfeldern geschehen ist, wissen unsere Kinder heute nicht mehr, daß der Reis nicht nur die Grundlage ihrer Nahrung, sondern auch unserer Kultur darstellt. Für sie kommt der Reis von den Lastwagen der UNO.”
Rithy Panh ist mit diesem Film zugleich auch ein Neuanfang für die Filmkultur seines Landes nach dem Bürgerkrieg geglückt.

Dschungelburger – Hackfleischordnung International; Peter Heller, D 1985, 60 Min., Dok, Farbe, 16mm und Video

Die Multiknolle - Karriere einer Ackerfrucht, Joerg Altekruse, D 1998, 45 Min., Dok, Farbe, Video

Das Reisfeld (Neak Sre), Rithy Panh, Kambodscha, F/CH/D 1994, 125 Min., Spielfilm, Farbe Orig. mit dt. Untertiteln, 16mm und Video.

Auszuleihen sind die Filme über die Evangelische Medienzentrale Württemberg, Stuttgart, Tel. 0711-222 76-67 (bis 70), Fax: 222 76-65.

Hingewiesen sei an dieser Stelle auch auf das Projekt Mahlzeit von Brot für die Welt,
Infos und Materialien: Tel. 0711-2159-0, Internet:
www.projekt-mahlzeit.de


Bernd Wolpert / Februar 2001


Evangelisches Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit
Kniebisstraße 29, 70188 Stuttgart
Telefon: 0711 - 28 47 243, Fax: 0711 - 28 46 936
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