Link zum Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik
Über das EZEF
Verleih
Veranstaltungen
EZEF-News
EZEF Fiominfo
EZEF-Arbeitshilfen
Presse-Informationen
Ihr Kontakt zu uns!
Interessante Links
Suchen Sie in unserem Katalog!
Link zur EZEF Startseite

Evangelisches Zentrum
für entwicklungsbezogene Filmarbeit



    Link zur eed Startseite

Filmtipps zum Thema „Fremd ist ein Fremder...“

von Bernd Wolpert, erschienen in der Südzeit 2/2001

„Der Neger fällt dadurch auf,
daß der Weiße unruhig wird.“
Karl Kraus

Von Gewalt gegen gegen Asyl-Bewerber und Menschen, die fremd sind in unserem Land, oder die nur „fremd“ aussehen berichten die Medien mit erschreckender Regelmäßigkeit. Rassismus und Rechtsradikalismus können schon lange nicht mehr abgetan werden als Verhaltensweisen von sogenannten „Ewig-Gestrigen“ – sprachlich lassen sich die Probleme nicht weg-erklären.
Aber Rassismus und Fremdenfeindlichkeit schlägt sich zuallererst in der Sprache nieder.
Das Werbematerial des Dokumentarfilms „Befreien Sie Afrika!“ zitiert ein Wörterbuch zur Erklärung des Begriffs „Wilde“ folgendermaßen: „...toben wie die Wilden = umhertollen; ausgelassen sein; heftig schimpfen. Steht im Zusammenhang mit der den Durchschnittseuropäern fremd wirkenden Tanzzeremonie der afrikanischen Eingeborenen, wie sie durch Kolonialberichte und durch Hagenbecks Tier- und Völkerschauen bekannt geworden sind. Seit dem späten 19 Jh. beliebte Vokabel im Munde der Eltern und der älteren Gymnasiasten ...“
Auch bei einigen der anderen kurz vorgestellten Filme, wird der Sprache als Indikator für Verhaltensweisen schon in der Wahl des Filmtitels Rechnung getragen – „Ich bin ein Kanake“ oder „Der Neger Weiß“ oder „Hottentot Venus“ – freilich auf subtile manchmal auch spielerische Art, gewollt irritierend und provozierend, Vorerwartungen aufbauend und auch wieder durchkreuzend.
Zunächst seien zwei Film vorgestellt, die das Mittel des befreiendes Lachens nutzen – wenn Vorurteile entlarvt werden, die tief sitzen und von denen frei zu sein kaum jemand von sich wird behaupten können.

Ich bin ein Kanake
(Deutschland 1990, Thomas Draeger, Spielfilm, 16mm und VHS, 29 Min.)
Wahrscheinlich waren die vielen Limonaden und all das Wasser, das Michael bei der Freischwimmerprüfung geschluckt hatte, daran schuld. Jetzt sitzt er in der U-Bahn und traut sich wegen seines nassen Hosenbodens nicht aufzustehen - bis zur Endstation. Unversehens findet er sich in Kreuzberg wieder, dem Stadtteil Berlins, in dem die meisten Ausländer leben. Staunend geht er durch die Straßen. In der für ihn fremden Umgebung gerät er unversehens in eine Situation, in der er Angst hat, sich als Deutscher zu erkennen zu geben. In seiner Bedrängnis gibt er sich deshalb als Kanake aus. Und plötzlich erfährt er, wie anders eine Stadt aussieht und die Umwelt reagiert, wenn man "Kanake" ist.

Der Neger Weiß
(Deutschland 1994, Michael Günther, Spielfilm, VHS, 89 Min.)
In Form einer Satire erzählt der Spielfilm davon, was der erfolgreiche Versicherungskaufmann Rainer Weiß zu erleben und erleiden hat, nachdem ihm Herr Mukotami, sein schwarzer Nachbar, versehentlich auf den Fuß getreten ist. Zunächst ist es die große Zehe, die sich schwarz verfärbt, bald folgen Fuß, Bein und der übrige Körper von Herrn Weiß. Sein Arzt attestiert ihm eine „supraspontane Pigmentmutation“. Doch diese Diagnose hilft ihm weder bei der Bewältigung seiner plötzlich entstehenden beruflichen noch seiner privaten Probleme.
Doch kurz bevor es zur Katastrophe kommt widerfährt Herr Weiß gänzlich Unerwartetes ...


Wie „Ausländer“ Deutschland bzw. die Schweiz sehen und erleben wird in den folgenden beiden Filmen eindrücklich erleb- und nachvollziehbar gemacht:

Otomo
(Deutschland 1999, Frieder Schlaich, Spielfilm, 16mm und VHS, 85 Min.)
Am frühen Morgen verläßt der afrikanische Asylbewerber Otomo das Wohnheim, in dem er bis dahin gelebt hatte. Vergeblich bemüht er sich zunächst um einen Aushilfsjob. Frustriert macht er sich dann auf den Weg in die Stadt. Bei einer Kontrolle in der Straßenbahn wird er fälschlicherweise bezichtigt, ohne gültigen Fahrschein zu fahren. Bei einem Handgemenge entkommt er zwar den Kontrolleuren, doch diese rufen die Polizei. Nach einer mehrstündigen Fahndung wird er gestellt. Bei der Festnahme zieht er plötzlich ein Messer und sticht auf die Polizisten ein. Zwei von ihnen werden getötet, drei andere schwer verletzt. Otomo wird von einem der sterbenden Polizisten erschossen.
Der Spielfilm „Otomo“ orientiert sich an einem authentischen Fall, der sich vor 10 Jahren in Stuttgart ereignete. Bei einer mißglückten Festnahme starben drei Menschen.

Wann ist Weihnachten? - Die Geschichte von Nabils Familie
Kurzfassung aus dem Film ‚They teach us to be happy‘, Peter von Gunten, CH 1998, 72 Min., OmU, VHS
Vom Beginn des Grenzübertritts bis zur Entscheidung der Behörden begleitet der Regisseur Peter von Gunten den Sudanesen Nabil und seine Familie auf ihrem Weg durch das Schweizer Asylverfahren. Der Film ist ein Zeitdokument nicht nur des schweizerischen Asyl-Alltags über einen langen Zeitraum, sondern er ist zugleich ein Plädoyer für Menschlichkeit wider die behördliche Mechanik in der Asylpraxis. Der Film zeichnet die individuelle Lebensgeschichte und die Not dieser Familie nach, wie er zugleich und losgelöst von diesem Fall, das auf Abwehr statt auf Verständnis und Entgegenkommen zielende Asylverfahren in seiner zermürbenden Praxis seziert.

Mit unserem Blick auf „die Fremden“ beschäftigen sich die folgenden beiden Filme:

Befreien Sie Afrika
(Deutschland 1999, Martin Baer, Dok., VHS, 83 Min.)
Ein Film über den deutschen „Mythos Afrika“: 500 Ausschnitte aus Spielfilmen, Reportagen, Dokumentationen, Comics, Werbespots, Musikvideos und Computerspielen illustrieren das deutsche Afrikabild vom Zweiten Weltkrieg bis heute, darunter bisher unveröffentlichtes Material aus ost- und westdeutschen Archiven. Kriegsveteranen, Legionäre und Offiziere erzählen von ihrem (deutschen) Traum von Afrika. Eine filmische Collage über deutsche Militärpolitik in Afrika und über die Wechselwirkung von Politik und Populärmythen.

Die Hottentotten-Venus
(Südafrika, F, GB 1998, Zola Maseko, Dokumentarfilm, 52 Min., VHS)
Der Film rekonstruiert in exemplarischer Form den historische Fall der Koi-Koi-Frau Saara Baartman. In Begleitung von zwei europäischen Geschäftsleuten reist sie - angeblich freiwillig - nach Europa. In England ist die Sklaverei zwar seit einigen Jahren abgeschafft, aber ihrer Zurschaustellung als „exotisches Objekt“ steht zunächst nichts im Wege. Der Film zeichnet hervorragend nach, wie die junge Frau als Projektionsfläche für Verachtung, Faszination, Dünkel, Mitleid und nicht zuletzt auch für ein bestimmtes wissenschaftliches Interesse dient. Der Film ist frei von Voyeurismus und gibt Einblick in die Ursprünge des wissenschaftlichen Rassismus. Die Statements einiger Historiker und Kulturtheoretiker verleihen dem Film - gerade in ihrer kulturell bedingten Unterschiedlichkeit - eine zusätzliche Dimension.

Auszuleihen sind die Filme – zumeist kostenlos – über die Evangelische Medienzentrale Württemberg, Stuttgart, Tel. 0711- 222 76-67 (bis 70), Fax: 222 76-65.
Arbeitshilfen zu den Filmen können kostenlos bei EZEF bezogen werden.


Evangelisches Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit
Kniebisstraße 29, 70188 Stuttgart
Telefon: 0711 - 28 47 243, Fax: 0711 - 28 46 936
Mail: info@ezef.de

Design: i-public Agentur für Kommunikation und Multimedia