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Saubere Ernte - Mavuno Safi

Nr.160

Saubere Ernte - Mavuno Safi
Peter Heller, Deutschland 2002
50 Min., Farbe, Reportage, Video VHS
Verleih: EZEF, EMZ 2-19

Inhalt
Zwei Orte in Tansania haben auf den Baumwollanbau gesetzt. In Muhenda, wo man während der Grünen Revolution auf konventionellen Anbau gesetzt hat, mussten alle aufgeben. In Meatu dagegen, wo Baumwolle seit sechs Jahren ökologisch angebaut wird, wächst die Zuversicht.
In Tansania hackt eine Gruppe zum Rhythmus der Trommeln Baumwolle, während im Cotton Club Models zarte Baumwollwäsche vorführen. Zwei Welten prallen aufeinander – verbunden über Produkte aus Baumwolle.
Für unzählige Baumwollbauern oder PflückerInnen in den Ländern des Südens bedeutet der Baumwollanbau Armut. „Von früh bis spät unter brennender Sonne, damit du vergisst, dass du ein Mensch bist.“ Die Kolonialzeit wirft ihre Schatten. Für Tansanias Wirtschaft ist der Export von Baumwolle die wichtigste Einnahmequelle. Und die Kleinbauern sind in ihrer Existenz abhängig vom Weltmarktpreis für Baumwolle und von der Wetterlage. Dunkle Wolken lassen auf lange ersehnten Regen hoffen, denn diesmal ist die Ernte von Trockenheit bedroht.
Pestizide werden mit Flugzeugen über Baumwollfeldern ausgebracht. Industrialisierter Anbau in den USA, Australien, China und Südamerika. Ein Fünftel aller Pestizide wird für den Baumwollanbau eingesetzt, zwei Drittel davon sind Insektizide. Denn in großen Monokulturen können sich die Schädlinge schnell ausbreiten. „Baumwolle und Gift und Baumwolle und Kleider sind unzertrennlich.“ Die Modedesignerin Ann Dörr: „Man kann fast sagen, dass wir durch die Mode nicht nur schön, sondern auch krank werden können. Es entstehen Allergien und sonstige Krankheiten.“ Dörr spricht von 40.000 Todesfällen durch Pestizidvergiftungen im Anbau. In manchen Regionen Südamerikas und Asiens sei der Boden für den Anbau von Nahrungsmitteln zerstört. Ein neues Kundenbewusstsein dafür könnte den Markt verändern, so Dörr.
„Der Preis ist das Spielzeug der großen Produzenten an der Börse.“ Ein Schweizer Baumwollhändler, Thomas Reinhart, ist davon überzeugt, dass nur ein Produktionsland wie China, das ein Viertel der Produktion abdeckt, oder die USA mit ihren finanziellen Möglichkeiten den Weltmarkt beeinflussen könnten. Ein Dorf in Tansania könne so wenig ausrichten wie ein Kleinsparer am Devisenmarkt.
In über 40 Ländern wird Baumwolle angebaut. Viele Staaten darunter sind stark auf die Einnahmen aus den Baumwollexporten angewiesen. Dabei fällt seit 25 Jahren der Preis für Rohbaumwolle. Durch intensivierte Produktionsmethoden konnte in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr Baumwolle, immer schneller gewonnen werden. Während die Großen das Tempo vorgeben, wollen die Kleinen mithalten, mit viel Chemie und Maschinen. Doch der Markt, den man den freien nennt, treibt die Kleinen in die Schuldenfalle. Für die gleiche Menge an „chemischen Kampfstoffen“ und Düngemitteln müssen die Bauern mit immer mehr Baumwolle bezahlen. Zehntausende haben schon aufgegeben und Hunderttausende werden noch aufgeben müssen. Bis zu 25 mal wird die Baumwollkultur im Jahr mit Pestiziden gespritzt, die vor allem aus Deutschland stammen. Der gefährliche oder hoch-giftige Nebel wird manuell bzw. mit dem Flugzeug verteilt. Für Kleinbauern sind die Pestizide zunehmend unbezahlbar.
Gabelstapler fahren durch ein Lager in eine Baumwollspinnerei am Rande Bayerns, der Hof Garn, Weberei & Färberei, einem der Europa weit führenden Unternehmen. Hier werden rund 100 Tonnen Baumwolle oder fünf bis sechs LkW-Ladungen täglich verarbeitet. Geschäftsführer Thomas Goller räumt ein, dass die Baumwollpreise heute mitunter den Wert des Rohstoffs unterschreiten. Er weist auch auf Rückstandsuntersuchungen hin: „Wäre Baumwolle verzehrbar, könnte man sie ohne Schaden essen.“
Muhenda. Ein totes Baumwollfeld. Vor 20 Jahren lebten hier 900 Familien von der Baumwolle. Eine staatliche Musterfarm trimmte die Bauern auf industrialisierte Landwirtschaft, mit der man dem Hunger den Krieg erklärte. Verrostete Pestizidkanister von „Thiodan“ erinnern daran. Osman Mwanazailma, damals Manager der staatlichen Musterfarm, erklärt dass schon 1974 mit der Musterfarm die Produktion von Exportbaumwolle erhöht werden sollte. Die Insektenvertilger stammten von Hoechst. Ein alter Werbefilm, der im Dorf gezeigt wurde, empfiehlt „Tangamk“ und „Carbaryl“. Über die Risiken der Hilfsmittel wurde nicht aufgeklärt. Mitten im Dorf lagerten auch Kanister mit schon verbotenem DDT. Nach wenigen Monaten starben Haustiere in der Umgebung, nach drei Jahren folgten Missbildungen an Neugeborenen, die man aber nicht darauf zurückführte.
Wäschepräsentation bei Götzis/Vorarlberg. Regine Werner, die Imagefrau der Konfektion: „Schlecht für die Haut ist es sicher nicht.“ Sie räumt ein, dass manche auf Risiken durch Chemikalienrückstände hinweisen. Wegzudenken wäre die Baumwolle sicher nicht.
Rotierende Färbeautomaten und Veredelungsmaschinen bearbeiten endlose Stoffbahnen. Alle Jahre wieder finden Labors Rückstände in Trikots und Stoffwerk, zuletzt ein Stoff, der Schnecken unfruchtbar macht. „Da ist immer Chemie in der Baumwolle, die wir verarbeiten, da machen wir uns nichts vor“, räumt die Modedesignerin Dörr ein.
Bei den Fertigungsprozessen kämen bis zu 8000 Hilfsmittel zum Einsatz, deren Auswirkungen sie nicht beurteilen könne. Die Designerin sieht die Qualitätsansprüche der Kunden z.B. nach einem weichen oder knitterfreien Material als eine der Ursachen für die Ausrüstungen. Ob weniger Chemie eingesetzt wird, sei auch eine Frage des Geldes. Hier spielten große Wirtschaftsinteressen eine Rolle.
Wieder Rückblende zu Ali Haule nach Muhenda. Die Preise für Chemikalien und Traktoren haben sich in den letzten Jahren verzwölffacht. Die praktischen Pestizidpumpen aus England plus Batterien aus Japan kosten 10% der Baumwollernte. Tansania kann durch den zunehmenden Verfall der Baumwollpreise den Garantiepreis nicht mehr zahlen. Das staatliche System geht Bankrott. Die Bauern müssen aufgeben. In einem Schuppen lagern Reste von Baumwolle, die mit dem Pestizid „Ripcord“ behandelt wurde. Sie ist nach zehn Jahren noch immer schädlingsfrei. Viele Bewohner in Muhenda haben trotzdem keine Zweifel. Sie hoffen immer noch auf billigen Zugang zur Agrarchemie.
Baumwollhändler Reinhart rät zur Bio-Baumwolle, dazu die Erträge zu erhöhen und den Absatz zu verbessern. Organische Baumwolle sei ein kleiner, aber wachsender Markt. „Unser Umsatz hat sich von Jahr zu Jahr verdoppelt. Wenn der Konsument bereit ist, wird biologisch angebaut.“
Louis Kapanda aus Tansania hat Landwirtschaft und biologischen Anbau studiert. Er ist Projektleiter des tansanischen Biobaumwollprojekts in Meatu und befindet sich gerade auf einer Forschungsreise in der Schweiz. Wichtigster Partner des Projekts ist die Remei AG, Rotkreuz, die „bio-Re“ Baumwolle herstellt. Sie bietet „eine ökonomische Schnellstraße für den ökologischen Erfolg“, referiert Geschäftsführer Patrick Hohmann - In Europa ist ein neuer Markt für umweltschonend produzierte Textilien durch Skandale gewachsen.
In Meatu erinnert sich der Bürgermeister wie ausländische Fachleute ihn von Biobaumwolle überzeugten. Diese Fachleute lehren modernen, naturschonenden Anbau. Wo früher Baumwolle konventionell angebaut wurde, können immer mehr Kleinbauern auf Bio-Baumwolle umstellen. Kapandas Traum ist es, dass alle Biobaumwolle anbauen.
Die Kleinbäuerin Shishi N‘dehambi strahlt: „Ich weiß noch genau wie glücklich ich war nach dem Verkauf meiner ersten biologischen Baumwolle! Für meine erste Ernte bekam ich 300.000 Schilling auf die Hand. Meine Kinder hatten Fleisch zu essen und Milch zu trinken. In diesem Jahr habe ich 24 acer saubere Baumwolle gepflanzt.“
Auch in Meatu gab es Todesfälle durch Pestizide. Verwehungen verursachten Magen- und Kopfschmerzen. Die Lage war ökologisch und wirtschaftlich untragbar. Jetzt hofft Kapanda seinen Kollegen ein neues Denken vermitteln zu können. Die Natur muss zum Partner werden. Er will die Bauern mit allem praktischen Wissen versorgen, damit das Verfahren ein Reinheitszertifikat verdient.
Die Bauern werden ermutigt, den Mist der Kühe und Ziegen als Dünger auszubringen. Sie lernen den mageren Boden durch wechselnde Feldfrüchte fruchtbar zu halten. Mama Shishi wird am Plan die Rotation erklärt. Baumwolle wechselt mit Sorghum, Bohnen und Erdnüssen ab. So können sich zugleich Schädlinge weniger ausbreiten. Auch die Sonnenblumen dienen der biologischen Schädlingsbekämpfung. Im Abstand von je zehn Fuss wächst eine Reihe Sonnenblumen, die Baumwollschädlinge anzieht. Als natürliches Pestizid werden die Blätter des Neembaums verwendet, aus denen ein Sud gekocht wird, um ihn auf die Blätter der Baumwollpflanzen zu sprühen.
Eine neue Halle entsteht. Die anfänglichen Kosten für die Umstellung auf Biobaumwolle tragen Helfer und Förderer aus der Schweiz und Deutschland. Die Schweizer Remei AG kauft die Baumwolle auf.
Gemeinsam wird musiziert. Kleinbauer Masule Maige, der jetzt sechs Jahre biologisch anbaut, ist Analphabet. Aber er sieht sehr wohl, dass sich Biobaumwolle rentiert. Er trägt an einer Kette das Herz seiner Väter, die er um Erfolg bittet. Shishi führt stolz ihre Errungenschaften vor: Zwei Häuser hat sie sich schon bauen können, einen Anhänger, eine Kommode und eine Uhr finanziert. Bürgermeister Saguda berichtet über steigende Preise für Biobaumwolle, das Haus und Dach, was er sich von den Einnahmen leisten konnte. 45 der Nachbarn konnten sich Wellblechdächern bauen, die insektendicht sind. Julius Jilalal konnte 15 Kühe für den Brautpreis seiner zweiten Frau finanzieren, da die erste Frau als Lehrerin oft unterwegs ist. Shishi will sich eine Mühle und Stühle für Gäste anschaffen. Die Fremden sind zu vertrauten Partnern geworden, mit denen eine Zukunft möglich wird. In Meatu wächst ein bescheidener Wohlstand.
Die Probleme der ersten Jahre sind überwunden. Nach der Umstellungsphase wird ein höherer Preis direkt ausgezahlt. Mit den wachsenden Erträgen wächst das Vertrauen in die Methode. Ein zweites und drittes Dorf haben sich angeschlossen. Mehrere Hundert Bauern sind schon dabei. Ein hoch beladener Laster mit Baumwolle verläßt das Dorf und geht auf die Reise nach Übersee.
Schneegestöber vor Werbeplakaten in Europa. Bei der Schweizer Coop wartet Naturaline-Wäsche aus tansanischer Biobaumwolle auf die KundInnen. Luis Kapanda sieht hier die Früchte seiner Arbeit, des weißen Goldes seiner Heimat. Noch ist der Umsatz bescheiden, doch der Markt der Hoffnung wächst. Er referiert vor Kollegen, dass seine Landsleute Baumwolle zu so günstigen Bedingungen produzieren, so sparsam, wie es Bauern, die weiterhin auf konventionelle Produktion setzten, nie erreichen werden.
In Muhenda dagegen macht sich Hoffnungslosigkeit breit. Die Erde ist unfruchtbar geworden. Muhamed wirft Säcke mit verseuchter Baumwolle auf den Müll. Die Bewohner müssen sich von den Altlasten der Vergangenheit befreien, haben Angst vor der Zukunft. Zwischen Bildern von Chemieeinsätzen, beschwörende Tanzzeremonien und Baumwollflocken mischt sich ein Blick auf die Türme des World Trade Centers in New York, dann schaut ein lachendes Frauengesicht hinter einer Tiermaske hervor.
In Meatu toben lachende Kinder im Baumwolllager. Ein Fuhre Baumwolle fährt zum Lagerplatz, rufende Kinder stürmen an der Lagerhalle entlang.

Kritik
Peter Heller, bekannt vom Klassiker „Mbogos Ernte“, hat ein brennendes Thema gewählt, dem größte Aufmerksamkeit gebührt. Was sich in Muhenda ereignet, wiederholt sich vielfach auf der Welt. Rund 200 Millionen Menschen sind in der Baumwollwirtschaft beschäftigt. 60% der Baumwolle stammt aus Entwicklungsländern, meist von Kleinbauern. Teure Chemie und gefallene Rohstoffpreise treibt gerade die Kleinbauern in die Verschuldung. Sie können nicht mit den Erträgen der industrialisierten Landwirtschaft konkurrieren. Dabei drängen die mit dem konventionellen Baumwollanbau gekoppelten Probleme, wie Armut, zerstörte Böden, verseuchtes Wasser, Vergiftungen und Krankheiten durch Pestizide, Klimaveränderungen oder der Verlust an biologischer Vielfalt.
Als Alternative wird der biologische Anbau vorgestellt, der ökologisch anspruchvollste Weg, der aus der Abhängigkeit von Pestiziden befreit. Die „Saubere Ernte“ schafft Perspektiven, wenn sie entsprechend gefördert wird. Das geschieht viel zu wenig, denn es ist teuer und zeitaufwendig. Möglich wird die Entwicklung in Meatu durch das Engagement der Remei AG plus deutscher Entwicklungshilfe (gtz). Warum werden die Akteure im Film nicht benannt, warum der landwirtschaftlicher Berater aus Deutschland ausgeblendet? Gehören zur Partnerschaft nicht auch bildlich zwei Seiten?
Im Film gewinnen uns die AfrikanerInnen, vor allem Shishi als Identifikationsfigur, mit überzeugenden Argumenten und ihrem Charme.
Schade, dass die Texte teilweise etwas polemisch ankommen. Sind Gift und Baumwollkleider wirklich unzertrennlich? Als gäbe es nur stark umweltbelastende Produktionsverfahren und wären die Endprodukte immer mit giftigen Rückständen belastet. Dabei hat die Textilbranche, allen voran die Naturtextilhersteller, in den letzten zehn Jahren ökologisch optimierte Produkte entwickelt. Tatsächlich trifft die Last der Pestizide aus dem Baumwollanbau in erster Linie die Anbauländer und die Betriebe, in denen die Garne, Gewebe oder Maschenwaren aus Rohbaumwolle abgekocht werden. Hier kann die Entsorgung von Abwässern zum Problem werden, wenn längst verbotene Pestizide wie Lindan wieder auftauchen.
Zu recht weist Peter Heller auf die Mitverantwortung der Pestizidhersteller aus Deutschland hin. Nicht nur in Muhenda müssen Altlasten saniert werden und brauchen die verarmten Kleinbauern neue Perspektiven.
VerbraucherInnen mit der Angst vor Pestizidrückständen zu schrecken, erscheint ungerechtfertigt, auch wenn ihre Nachfrage erwünscht ist. Ungeklärte Risiken lauern eher durch riskante Textilhilfs- oder Farbmittel. Hier hätten engagierte WissenschaftlerInnen, zum Beispiel vom Öko-Institut Freiburg oder EPEA in Hamburg zu Wort gekommen können.
Den Blick auf die Türme des World Trade Centers - als Symbol für die Macht der großen Konzerne, empfinde ich als Mißgriff, weil untrennbar mit den Ereignissen des 11. Septembers verbunden. - Hinter den Terrorattentaten stand religiöser Fanatismus, nicht die Anklage multinationaler Konzerne.
Mir hätte es besser gefallen, wenn abschließend differenzierter über die Produkte aus der tansanischen Baumwolle und Bezugsquellen berichtet worden wäre, damit Konsumenten ihre Marktmacht ausspielen können.
Trotz aller Kritik ist „Mavuno Safi“ ein sehr empfehlenswerter Film mit wunderbaren Bildern, ansteckenden Menschen und einer klaren Botschaft: Biobaumwolle braucht unsere Nachfrage.

Anregungen für Unterricht und Bildungsarbeit
Der Film eignet sich für die Bildungsarbeit mit Jugendlichen etwa ab der 8. Klasse, aber auch für die Erwachsenenbildung.

Vergleich von konventionellem und biologischem Baumwollanbau
Aktuell werden 20 Mio. Tonnen Baumwolle angebaut. Insgesamt wird auf 33 Millionen Hektar Land oder 2,4 Prozent des Agrarlandes in über 60 Staaten der Welt Baumwolle angebaut. Sechs Länder produzieren 78 % der Weltproduktion: China, USA, Indien, Pakistan, Usbekistan und die Türkei. Um die Erträge hoch zu halten, wird sie normalerweise in Monokulturen nur einjährig kultiviert. Immense Ertragssteigerungen – um das Dreifache seit den 30er-Jahren – waren nur durch intensivierte Anbauverfahren mit künstlicher Bewässerung, dem Anbau ertragreicher Sorten, dem Einsatz von viel Kunstdünger und synthetischen Pestiziden möglich. Dabei bedroht der konventionelle Anbau die Umwelt und Existenz von Kleinbauern.
Einem Großteil der Anwender von Pestiziden fehlt die erforderliche Fachkenntnis und technische Ausrüstung, um die Pestizide sachgerecht auszubringen. So werden unter Armutsbedingungen die Pestizide oft ohne Schutzkleidung ausgebracht und falsch dosiert. Entleerte Pestizidkanister werden für die Aufbewahrung von Trinkwasser und Nahrungsmitteln zweckentfremdet. Akute Vergiftungserscheinungen und chronische Erkrankungen sind häufig die Folge. Die WHO schätzt infolge dessen 3 Mio. Vergiftungen und 20.000 Todesfälle. Obwohl sog. Entwicklungsländer lediglich mit 20 Prozent am weltweiten Pestizideinsatz in der Landwirtschaft beteiligt sind, ereignen sich hier bis zu 99 Prozent aller tödlich endenden Vergiftungsfälle.
Der Anteil von Biobaumwolle ist mit 0,06 % (14.867 Tonnen/1999) verschwindend gering, dabei spricht viel für den Bioanbau. Führende Länder im Anbau von Biobaumwolle sind die Türkei, die USA und Indien. Hürden für die Ausbreitung sind: - die Umstellung fordert viel Zeit und Kosten für Beratung, - die Zertifizierung als kontrolliert biologisch hergestelltes Produkt ist teuer und aufwendig und - die Weiterverarbeitung zu anspruchsvollen Naturtextilien ist wesentlich teurer (+40 %).
Der Film provoziert den Vergleich zwischen konventionellem und biologischem Anbau von Baumwolle. Welche wirtschaftlichen, ökologischen und gesundheitlichen Chancen bzw. Risiken sind mit den verschiedenen Wirtschaftsweisen verbunden? Das Arbeitsblatt „Pro und kontra...“ vergleicht den konventionellen und biologischen Anbau von Baumwolle tabellarisch (s.u. S. 11f). (s. Arbeitsblatt Vergleich konv bio) Parallel dazu können die Argumente in Muhenda bzw. Meatu zusammengetragen werden. Man kann mit den SchülerInnen Rucksäcke packen, um die Lasten anschaulich zu vergleichen (s. Lit. Nr. 1 und 2).
Der Text „Wo die Sonnenblumen in der Baumwolle blühen“ behandelt die Produktion von Biobaumwolle in Meatu (s. Arbeitsblatt Bio BW aus Meatu in: Lit.hinw. Nr. 5, S. 6).

Verfall der Baumwollpreise
Die Weltproduktion von 20 Mio. Tonnen Baumwolle im Jahr 2000/2001 bedeutete einen Umsatz von ca. 18 Mrd. US$. In den letzten 25 Jahren sind die Preise für Rohbaumwolle stetig gesunken, während die Produktion von Baumwolle in den letzten zehn Jahren stagniert. Kostete im August 1995 ein Kilogramm Baumwolle bis zu 2,50 US$, lag der Preis im Dezember 2001 bei 0,84 US$/kg.
Und angesichts der abnehmenden Bodenfruchtbarkeit, der wachsenden Weltbevölkerung und Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion, werden die verfügbaren Flächen zurückgehen und gleichzeitig eine Intensivierung des Anbaus erwartet. Die Preise für Baumwolle dürfen daher in Zukunft eher steigen als fallen (s. Lit. Nr. 8). - Im Rahmen der internationalen Rohstoff-abkommen strebt die UNCTAD (Welthandels- und Entwicklungskonferenz der UN) eine Stabilisierung der Preise an.
Womit kann der Rückgang des Weltmarktpreises für Baumwolle begründet werden? Die Ursachen dafür liegen in der zunehmenden Kostensenkung für Kunstfasern als Ersatzprodukt und der wachsenden Konkurrenz unter den Baumwolle exportierenden Staaten.
Zu Kapitalkonzentration im Handel; Warentermingeschäfte, s. Lit. Nr. 5, Seite 6-10, (Arbeitsblatt Warentermingeschäfte in: ebd. S. 6-10)

In die Vergangenheit eintauchen
Die Vergangenheit birgt manches schwarze Kapitel der begehrten Baumwolle. Die brutale Ausbeutung von Menschen zur Gewinnung und industriellen Verarbeitung von Baumwolle hat eine große Rolle gespielt. Zwischen 1750 und 1850 bestimmte King Cotton im berühmten Dreieckshandel – amerikanische Baumwolle, afrikanische Sklaven, englische Stoffe – die Weltwirtschaft. (s. Lit. Nr. 8, 9). In der Projektarbeit zur Geschichte der Sklaverei bietet sich ein Workshop zum Thema Ghospel oder Blues an, (s. Lit. Nr. 2).
Während der Kolonialzeit wurde die Bevölkerung auch in Tansania, damals Deutsch-Ostafrika, mit Gewalt dazu gezwungen in Plantagen zum Beispiel Baumwolle anzubauen. Was geschah in Tansania? (s. Lit. Nr. 16)
Im Film Mavuno Safi tauchen verschiedene Pestizide auf: Thiodan, Tangamk, Carbaryl, DDT und Ripcord. Der Bewertung, dem Einsatz bzw. Verbot von Pestiziden im Baumwollanbau kann nachgegangen werden (s. PAN/Adressen).
SchülerInnen können zu den Themen recherchieren und Referate vorbereiten.

Ungerechte Austauschverhältnisse im Welthandel
Die Abhängigkeiten und ungerechte Strukturen im Welthandel haben sich fortgesetzt. Die Rohstoffpreise liegen auf niedrigstem Niveau, während die Importpreise für Maschinen oder Pestizide gestiegen sind. In Tansania haben sich die Terms of Trade ausgehend vom Preisniveau von 1987 (= 100) innerhalb von nur zehn Jahren von 1985 bis 1995 um 39 Prozent verschlechtert, was auf den Verfall der Exportpreise zurückzuführen ist.
Tansania gehört zu den HIPC, den heavily indebted poor countries. Der Verfall der Rohstoffpreise ist eine der Ursachen der Verschuldung Tansanias. Mehr als ein Drittel der Güterexporteinnahmen stammen aus dem Verkauf von Kaffee und Baumwolle, die beide am Weltmarkt unter Wert gehandelt werden. Mehrere afrikanische Länder sind extrem vom Export von Baumwolle abhängig (s. Tab).

Hauptexportprodukt Baumwolle
   Anteil am Export   Verschuldung
 Burkina Faso   33,0 %   hochverschuldet
 Tschad   43,7 %   mäßig verschuldet
 Mali   47,1 %   hochverschuldet

Quelle: nach Weltbank 1996

Während die USA als eines der großen Lieferländer ihre Farmer durch Mindestpreise schützt, trifft die Talfahrt der Preise die Erzeuger meist ungebremst. 60% der Baumwolle stammt aus Entwicklungsländern, meist von Kleinbauern. Auch die EU gewährt Beihilfen für Baumwolle. Hiervon sind etwa 400.000 Betriebe in Griechenland und 12.000 in Spanien betroffen. Die garantierten Mengen liegen jedoch niedriger als die Erzeugung. Bei Überschreitung der garantierten Höchstmenge werden die Beihilfen gekürzt.
Im Unterricht könnte ein Mitglied der Initiativgruppe Tanzania Network eingeladen werden, um über die aktuelle Situation zu berichten und über die Themen Verschuldung oder Entwicklungspolitik zu diskutieren (s. Adressen).

Bioanbau fordert Entwicklungshilfe
Aus eigener Kraft ist es den Kleinbauern in Tansania nicht möglich, Bio-Baumwolle anzubauen und zu vermarkten. Die deutsche Entwicklungshilfe unterstützt über die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) verschieden Projekte für den Anbau und die Vermarktung von Biobaumwolle. Bei Private-Public-Partnership-Projekten (PPP) bezuschusst der Staat Projekte privater Investoren. Worauf zielt das Biobaumwollprojekt in Meatu ab? Das Projekt fördert nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ den Anbau und die Vermarktung von Biobaumwolle, Produktdiversifizierung, d.h. wachsende Unabhängigkeit von der Baumwolle und die parallele Produktion von Nahrungsmitteln, und indirekt auch die dörfliche Entwicklung, da eine Schule und neue Brunnen entstehen. Die SchülerInnen erfahren anhand des Textes „Biobaumwolle braucht Partner im Norden“ weitere Hintergründe des tansanischen Projekts. (s. Arbeitsblatt Entwicklungshilfe Tansania – im Anhang d. Arbeitshilfe auf der ezef-homepage)
Weltweit arbeiten über 100 Zertifizierungsgesellschaften für biologische Agrarprodukte. Die IFOAM Basic Standards enthalten eine gemeinsame weltweite Definition für biologische Landwirtschaft und Verarbeitung. Die Europäische Union hat mit ihrer Verordnung EWG 2092/91 grundlegende Standards für die biologische Landwirtschaft und Lebensmittelverar-beitung geschaffen. Infolge der ökonomischen Dominanz Europas im Biomarkt hat sich diese Regelung auch im internationalen Handel verbreitet (
www.ifoam.org).


Gefährliche Hilfsstoffe
Vom Baumwollfeld bis zum fertigen Produkt spielt immer wieder der Einsatz von Chemikalien eine Rolle. Bis zu 600 verschiedene Textilhilfsmittel und 1500 Farbmittel werden im Textil- und Bekleidungsbereich eingesetzt. Der Umgang mit Gefahrstoffen und kritische Abwasser-belastungen sind typisch für die Textilbranche. Die meisten Stoffe sind nur unzureichend auf ihr Gefährdungspotential untersucht. Nur rund ein Zehntel der Textilhilfsmittel und ein Fünftel der Farbmittel sind nach europäischem Recht als „Neustoffe“ angemeldet, der Rest sind noch wenig untersuchte „Altstoffe“ (s. Lit. Nr. 13).
Die Produktverantwortung der Hersteller wird in Deutschland u.a. durch das Produkthaftungs-gesetz und das Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz eingefordert. Bei Textilien, die häufig in Kontakt mit der Haut kommen, sollte die gesundheitliche Unbedenklichkeit ein selbstverständlicher Aspekt der Produktqualität sein. Um ökologisch und toxikologisch verträgliche Produkte garantieren zu können, müssen Unternehmen permanent ihre gesamte Beschaffungskette und ihr Lieferantensystem informieren, kontrollieren und überwachen.
Der Ausschluss kritischer Chemikalien dient gleichzeitig dem Arbeits- und Umweltschutz. So drängt das europäische Verbot Krebs erregender Azofarben deren Einsatz weltweit zurück.
Das neue Verbraucherinformationsgesetzt (das noch nicht den Bundesrat passiert hat) verpflichtet bisher nur Behörden, ihnen vorliegende Informationen über Produkte weiterzugeben - nicht aber Industrie oder Handel. Schülerinnen können trotzdem große Waren- und Versandhäuser oder Handelsketten wie Karstadt/Quelle, C&A, Otto, Hennes & Mauritz oder Hess Natur schriftlich befragen, auf welche Weise das Unternehmen für die gesundheitliche Unbedenklichkeit ihres Textil-/Bekleidungsangebots sorgt. Auch die Homepage der Unternehmen kann auf entsprechende Informationen untersucht werden.

Ausgewählte Adressen:
KarstadtQuelle AG, Theodor-Althoff-Str. 7, 45133 Essen,
www.karstadtquelle.com, www.karstadt.de, www.quelle.de
Otto Versand, 20088 Hamburg, www.otto.de
C&A Mode, Bleichstr. 20, 40211 Düsseldorf, www.C-und-A.de.
H & M Hennes & Mauritz GmbH, Mathias Geduhn, Grosse Bleichen 30, 20354 Hamburg,
www.hm.com
Hess Natur-Textilien GmbH & Co KG, Postfach, 35504 Butzbach, www.hess-natur.de

Wo bleibt die Ethik des Konsums?
Die textile Kette verbindet drei verschiedene Welten: die landwirtschaftliche Erzeugung des Rohstoffs, die industrielle Verarbeitung und den Konsum. Alle funktionieren nach eigenen Regeln. Die Werbewelt mit ihren Botschaften von Lifestyle vermittelt in der Regel nichts von der wahren Geschichte des Produkts.
Aus der Biobaumwolle aus Meatu entsteht nicht nur Unterwäsche für die Coop/Schweiz. Welche Produkte im einzelnen daraus entstehen, erfahren die SchülerInnen im Text: „Der tansanischen Baumwolle auf der Spur“. (Arbeitsblatt tansan BW auf der Spur; nur im Anhang d. Arbeitshilfe auf der ezef-homepage)
Konsumenten haben die Macht, durch ihre Kaufentscheidung das Angebot zu beeinflussen. Daher interessiert die SchülerInnen: wo und wie findet man Bio-Baumwollangebote? Das internationale Pestizid Aktions-Netzwerk in Hamburg fördert die Vermarktung von Biobaumwolle. Dazu dient u.a. die Adressdatei zur Vernetzung für alle an der textilen Kette beteiligten Organisationen (
www.organiccottondirectory.net).
Die Katholische Landjugendbewegung hat im Rahmen der Kampagne „Öko-Fair-Tragen“ unter den Aspekten der Nachhaltigkeit Produkte aus Biobaumwolle entwickelt. Sie werden von der Landjugendverlag GmbH unter der Marke „LamuLamu“ angeboten (
www.lamulamu.de), s. auch Lit. Nr. 16. Hierfür wurde auch Biobaumwolle aus Meatu verarbeitet.
Die Label „Naturtextil Better bzw. Best“, „EKO“, „Öko-fair tragen“, „Coop Naturaline“, „bioRe“ werden bei Baumwolle nur für Produkte kontrolliert biologischer Herkunft vergeben (
www.naturtextil.com; www.skal.com, www.lamulamu.de, www.coop.ch, www.remei.ch). Die SchülerInnen können im Internet Informationen zu den Gütezeichen und den Anbietern von Textilien aus Biobaumwolle zusammentragen (s. Lit. Nr. 3, 13)

Materialien für Unterricht und Bildungsarbeit/Literaturhinweise
1. Jirati setzt auf Biobaumwolle. Das Maikaal-Projekt in Indien: Beispiel für eine nachhaltige Entwicklung von Barth, J. In Praxis Geographie, Heft 1/2002, S. 38-41, Unterrichtseinheit für Klasse 8, http://www.geographiedidaktik.de/Untermat/Maikaal/indien.html
2. Produktlinie Jeans, Agenda 21, nachhaltige Entwicklung, Arbeits- und Infoblätter, Materialien für die Gruppen- und Projektarbeit für die Jahrgänge 7, 9, 11 von Andreas Niessen, Abtei-Gymnasium, Brauweiler. http//www.learn-line.nrw.de/angebote/agneda21/archiv/um/niessen
3. Kleider machen Leute. Wer macht unsere Kleider? 24 Farbfolien mit Begleittext; u.a. zu Baumwolle, -u. Pestizide, Biobaumwolle, Jeans, Kinderarbeit, Fairem Handel von Monika Balzer, Jan. 2002, Hrsg./Bezug: Verein Partnerschaft „3.Welt“ e.V., Bismarckstr. 9, 35390 Gießen, Tel. 0641/791064, Fax: 0641/9718427,
weltladen-giessen@gmx.net
4. Baumwolle – Eine Aktivmappe von Dorothea Karpinski und Petra Mönning, Verlag an der Ruhr, Mülheim 2001, Sek I, Klasse 5-8
5. Kleidung aus der Weltfabrik, Materialien Nr. 49 des DGB-Bildungswerks, Düsseldorf 1996; Broschüre, Bezug: s. Adressen
6. PAN Germany Cotton Connection informiert über die Missstände in Anbau und Weiterverarbeitung von Baumwolle. (Informationsblättern, Broschüren, Artikeln in Zeitschriften, Vorträge). "Baumwoll-Stadt-Rallye" für Schulklassen quer durch Hamburg in Kooperation mit dem Schulcafé Agenda 21. s. Adressen/Homepage
7. Baumwollsamen und –kapseln sowie diverses Informationsmaterial wie Dias, Plakate usw. können bei der Bremer Baumwollbörse bestellt werden (s. Adressen).
8. Weißes Gold, wohin? Stand und Aussichten der Baumwollnutzung. Armin Reller und Judith Gerstenberg, in: GAIA 6 (1997) Nr. 1, S. 35-51; als ‚Baumwolle-pdf‘ unter:
http://www.physik.uni-augsburg.de/chemie/Baumwolle.html;
9. Henry Hobhouse: Fünf Pflanzen verändern die Welt – Chinarinde, Zucker, Tee, Baumwolle, Kartoffel. 350 S. dtv Sachbuch, München 1996
10. Roland Hansen: Gesponnen und gewonnen. Von der Kampagne Öko-fair tragen zur LamuLamu Kollektion. Hrsg. Bundesvorstand der Katholischen Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB) e.V., Bad Honnef-Rhöndorf 2001, Landjugendverlag. ISBN 3-931716-26-0
11. Sie pflücken Baumwolle, haben aber kein Geld für Kleider, S. 130 – 134 über Kinderarbeit in der Baumwollernte in Brasilien. In: Hans-Martin Große-Oetringhaus, Peter Strack (Hrsg.): Verkaufte Kindheit. Kinderarbeit für den Weltmarkt. Ein terre des hommes Buch, Westfälisches Dampfboot, 2. Auflage 1997
12. Michael Hanfstängl/Initiativgruppe Tanzania Network: Ein Erlaßjahr für Tansania? Oktober 1998,
http://www.tanzania-network.de/aktion/schuldenlast.html
13. Monika Balzer: Gerechte Kleidung: Fashion – öko – fair; ein Handbuch für Verbraucher. Stuttgart; Leipzig, Hirzel 2000
14. Carina Weber/Dagmar Parusel: Zum Beispiel Baumwolle, Süd-Nord Lamuv, Göttingen 1995
15. Lebenslauf von Textilien. Von der Faser zum Recycling. Gesamttextil, Text und Gestaltung: ÖkoMedia PR, Stuttgart, Eschborn 2001, 95 S.
16. Deutscher Kolonialismus in Afrika. FWU – Schule und Unterricht. Best.-Nr. 46 01082  Filme, Sequenzen, ca. 104 min. Farbe/sw, 26 Einzelbilder Farbe/sw, Adressat: Klasse 8-13, Video-DVD/CD, 2001, s.
http://www.fwu.de; (unter zusätzliche Bilder und Sequenzen: Der wirtschaftliche Ertrag der Kolonien, Baumwolle aus Deutsch-Ostafrika früher und heute)

Medienhinweise
MBOGOS ERNTE
Peter Heller, BRD 1979/80, Dokumentarfilm, 63 Min., 16mm
Verleih: EZEF, EMZ 2, 4, 6, 7, 10-12

DAS MODEL UND DIE ARMEN,
Christina Ferro-Seitz, Deutschland 1999, Reportage, 29 Min., Video VHS
Verleih: EZEF, EMZ 2-19

GEHEIMAKTE T-SHIRT
Sigrid Faltin u. Peter Ohlendorf, BRD 1996, Reportage, 30 Min., Video VHS
Verleih: EZEF, 1-19

Adressen
P
AN (Pestizid Aktions-Netzwerk), Nernstweg 32, 22765 Hamburg, Tel.: 040-39 91 91 00, Fax: 040-39 07 520, e-mail: info@pan-germany.org, www.pan-germany.org
Initiativgruppe Tanzania Network, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin, Tel. 030-41 72 35 82, Fax: -83, e-mail: koordinationsstelle@tanzania-network.de, www.tanzania-network.de
Bremer Baumwollbörse, Wachtstr. 17-24, Postfach 106727, 28195 Bremen, Tel. 0421-33 97 0-0, Fax: 33 97 0-33, www.baumwollboerse.de
Landjugendverlag GmbH, Drachenfelsstr. 23, 53604 Bad Honnef-Rhöndorf, Tel. 02224-94 65-0, Fax: 94 65-44, e-mail: landjugendverlag@kljb.org; www.landjugendverlag.kljb.org
Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Markgrafenstr. 66, 10969 Berlin, Tel. 030-25 80 0-0, Fax: 25 80 0-218, e-mail: info@vzbv.de, www.vzbv.de
DGB-Bildungswerk, Hans-Böckler-Str. 39, 40476 Düsseldorf, Tel. 0211/4301-0, e-mail:
postmaster@dgb-bildungswerk.de

Weitere Links im Internet: www.globaleducation.ch/deutsch/pages/A_Zm.htm; www.fairtrade.net; www.ASWnet.de; www.aedin.com; www.saubere-kleidung.de/

 

Bio-Baumwolle aus Tansania:
Wo die Sonnenblumen in der Baumwolle blühen

Jede Farm in Meatu bewirtschaftet im Durchschnitt 40 Hektar. Hier arbeiten viele Hände mit. Ein Bauer hat zwei bis drei Frauen, jede in der Regel sechs bis acht Kinder. Und die erwachsenen Söhne wohnen noch lange bei den Eltern.
Auf einem Teil der Fläche wird im November die Baumwolle in die gelockerte Erde gesät. Bis zu ihrer Ernte im Mai muss oft Unkraut gehackt werden, weil sonst der Ertrag geringer ausfällt. Auch verdunstet der gelockerte Boden weniger Feuchtigkeit, die dann von den Baumwollpflanzen genutzt werden kann. Gehackt wird traditionell in Gruppen mit Nachbarn. Dazu werden zusätzlich zwei angeheuert, die tanzen oder trommeln. Das sorgt für gute Laune und macht die schwere Arbeit erträglicher. Die Schattenseite der Feldarbeit: Kinder vernachlässigen die Schule und Frauen ihre Maisfelder. Daher plädieren die Berater dafür, Ochsen verstärkt auf den Feldern einzusetzen. Sie können zur Feldarbeit trainiert werden, zur Unkrautbekämpfung und dem Vorbereiten der Felder. Ein Ochse kostet umgerechnet 10 bis 20 Euro, ein Grubber für die Bodenbearbeitung 50 bis 100 Euro, Geld das auch gerne für Fahrräder oder Wellblechdächer angelegt wird.
Mit Saro Ratter, dem Agraringenieur aus Deutschland, haben Sonnenblumen Einzug in Meatu gehalten, auch außerhalb des Projekts. Ratter, der in Witzenhausen am Lehrstuhl für Ökologischen Landbau studiert hat, hatte dort in einem uralten Buch aus der Kolonialzeit herausgefunden, dass Sonnenblumen Baumwollschädlinge anziehen. Es sind die Motten des Amerikanischen Kapselwurms (helicoverpa / heliotis armigera), deren Raupen bis zu acht Kapseln zerstören können. Doch werden die Tiere von den blühenden Sonnenblumen viel stärker angezogen als von der Baumwolle. Schlüpfen die Eier auf der Sonnenblume kanibalisieren sie sich gegenseitig. Auf Feldern mit Sonnenblumen können außerdem bis zu zehn mal mehr nützliche Ameisen beobachtet werden, die den Baumwoll-Schädlingen zusetzen.
Beim Pflücken müssen alle mithelfen. Das zieht sich hin, teilweise vom Mai bis in den Juli. Auf Ochsenkarren bringen die Bauern die großen Säcke zur nächsten Sammelstelle. In den Lagerhäusern wird die Baumwolle zwischengelagert. Dabei darf Bioqualität natürlich nicht wie konventionell üblich mit Pestiziden behandelt werden. Zum Schutz vor Rotwanzen (kanganbili), die die Samen ansaugen, müssen die Lager vorher gründlich gereinigt werden. Von dort wird sie per Lkw zur Entkernungsanlage, der Ginnery, gebracht. Hier werden die dunkelbraunen Samen von den Faserbäuschen getrennt, in vorindustrieller Zeit eine sehr mühsame Handarbeit. Vor der Privatisierung des Bauwollsektors gehörten alle Anlagen den staatlichen Genossenschaften. In 1994 entstand die erste private Anlage. Um eine solche Anlage rentabel betreiben zu können, müssen schätzungsweise mindestens 10.000 Tonnen nicht entkörnte Baumwolle pro Jahr verarbeitet werden. Konventionelle und Bioqualität müssen daher die gleiche Anlage durchlaufen. Weil die Anlage vorher gereinigt werden muss, werden die „Bioflocken“ gewöhnlich Montags morgens auf der frisch geputzten Ginnery verarbeitet, aber das kostet Aufschlag.
Vom Gewicht sind Samen und Schalen der Baumwolle schwerer als die Fasern und bringen zusätzlichen Nutzen. Aus den Samen wird wertvolles Öl gewonnen, das zu Speiseöl, Margarine oder technischen Ölen verarbeitet wird. Die Presskuchen werden an Rinder verfüttert, die Schalen als Viehfutter und als Brennmaterial in den Ölmühlen eingesetzt. Das heißt, alles wird verwertet.


Biobaumwolle braucht Partner im Norden
Mit 45 Bauernfamilien fing das Projekt südlich des Victoria-Sees in der Region Shinyanga in Tansania an. Jetzt sind es 750 aus vier benachbarten Dörfern: Ng’hoboko, Bulashi, Mwamishali und Mwambiti. Seit 1994 sind die mit Biobaumwolle bebauten Flächen im Distrikt Meatu beständig angewachsen auf nun ca. 2500 Hektar. Der Projektberater für ökologischen Landbau Saro G. Ratter bildet vor Ort zwei Arten von Beratern aus: Feldberater, die für jeweils 50 Bauern und deren Buchführung zuständig sind, und übergeordnete, die die Feldberater anleiten und koordinieren. Projektleiter in Meatu ist der Agraringenieur Louis Kapanda.
Anfangs mussten Schwierigkeiten gemeistert werden. Gestarted wurde das Projekt 1994 von CIC Ltd., einem konventionellen Partner der Schweizer Remei AG, der die ersten 100 Tonnen Rohbaumwolle in seiner Spinnerei verarbeitete. Als die Firma schließen musste, übernahm der Nachfolger Tansales mit einer Entkernungsanlage die Projektträgerschaft. Doch auch Tansales konnte sich nicht halten, sodass die Remei AG die Firma bioRe in Mwanhuzi gründete, die allein für den Ankauf und die Entkernung der Biobaumwolle zuständig ist. In den ersten Jahren wurden bedeutende Mengen an Biobaumwolle konventionell vermarktet. Zum einen weil der Projektpartner Tansales nicht immer zahlungsfähig war, zum anderen weil bioRe es nicht duldet, wenn das Baumwollgewicht durch die Verunreinigung mit Wasser, Sand oder unreifer Baumwolle manipuliert wird.
Als Plus für die Bioqualität zahlt die Remei AG 20 Prozent Aufschlag zum Preis für konventionelle Baumwolle, 15 Prozent für Umstellungsware. Auf der anderen Seite sparen die Bauern in der ökologischen Wirtschaftsweise Ausgaben für Pestizide und rutschen nicht in die Abhängigkeit teurer Kredite zur Vorfinanzierungen der chemischen Spritzmittel. Während in den ersten drei Jahren die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (gtz) das Projekt unterstützt hat, trägt jetzt Remei die Zertifizierungskosten des Schweizer Instituts für Marktökologie (IMO), und übernimmt die Beratung, die für die Bauernfamilien kostenlos ist. Die gtz fördert das Projekt noch bis Ende 2002 mit Zuschüssen im Rahmen des Private Public Partnership Programms. Mit dem Biobaumwollprojekt in Maikaal/Indien, das von der Remei AG im Jahr 1992 als Pilotprojekt initiiert wurde, werden Erfahrungen ausgetauscht.
Langfristig geht es darum, die Abhängigkeit der Bauern vom Einkommen aus der Baumwolle zu verringern, den Familien also neue wirtschaftliche Chancen zu bieten. Das geschieht beispielsweise durch die Vermarktung anderer Feldfrüchte wie Sesam oder Kichererbsen, die parallel angebaut werden. Bei der Vermarktung leistet die Firma bioRe Unterstützung, da die Eigeninitiative der Bauern und Bäuerinnen nicht ausreicht lokale oder Exportmärkte zu erreichen.
Aus der Vermietung der Lagerhallen an die Remei AG gewinnen die beteiligen Dörfer Einnahmen, die sie für ihre Entwicklung einsetzen. So gab die Dorfregierung in Ng‘hoboko der Ausbildung der Kinder die Priorität. Drei neue Klassenräume wurden gebaut und eine Gesundheitsstation. Jetzt entstehen Wohnungen für Lehrer, damit sie dort eine Bleibe haben. Meistens ist die Wasserversorgung noch nicht in Ordnung, die Wege dahin weit, die Wasserstellen offen und mit Keimen belastet. Cholera kommt immer wieder vor, besonders in trockenen Jahren. In Ng’hoboko und Bulyashi hat bioRe zwei Brunnen kofinanziert und wird in Zukunft weitere Brunnenprojekte, die von einer holländischen Entwicklungsorganisation und der Distriktregierung angeboten werden, durch Beratung unterstützen. Pro Dorf müssen rund zehn Wasserstellen gefasst werden, damit alle Zugang zu sauberem Wasser haben.
Zu den ungelösten Problemen wird in Zukunft das Brennholz gehören. Zwar wächst in ein paar Monaten auf den Brachflächen wieder Gras und in ein paar Jahren kommen Bäume hoch, doch werden immer mehr Bäume für den Baumwollanbau gefällt und mehr Tiere gehalten, die neue Schösslinge abfressen. Das Beraterteam warnt davor, zu große Flächen zu bebauen oder zu viele Tiere zu halten. Sie empfehlen Bäume an den Feldrändern nachzupflanzen, sie vor Fraß zu schützen und während der Trockenheit mit Waschwasser zu gießen.

Der tansanischen Bio-Baumwolle auf der Spur
Wozu wird die Biobaumwolle aus Tansania verarbeitet? Das herauszufinden, ist nicht ganz einfach. Denn die Wege der Verarbeitung der Rohstoffe verzweigen und vermischen sich.
 Ein Teil der entkernten Baumwolle wird nach Indien verschifft, wo sie in der Maikaal-Spinnerei zu Baumwollgarnen versponnen wird. Sämtliche Frottierware, die bei Coop/Schweiz angeboten wird, ist tansanischen Der tansanischen Bio-Baumwolle auf der Spur
Wozu wird die Biobaumwolle aus Tansania verarbeitet? Das herauszufinden, ist nicht ganz einfach. Denn die Wege der Verarbeitung der Rohstoffe verzweigen und vermischen sich.
 Ein Teil der entkernten Baumwolle wird nach Indien verschifft, wo sie in der Maikaal-Spinnerei zu Baumwollgarnen versponnen wird. Sämtliche Frottierware, die bei Coop/Schweiz angeboten wird, ist tansanischen Ursprungs. Das ist sicher. Ein Teil der Garne wird auch zu Unterwäsche und Oberbekleidung verarbeitet für Coop, WWF und andere. Für die neue O’C Switzerland-Kollektion, die im Herbst 2002 auf dem Markt kommt, wird mehrheitlich indische Baumwolle versponnen. Aber es können auch Garne aus Tansania dabei sein! In Deutschland bekannt sind die LamuLamu-T-Shirts der Katholischen Landjugend. In der Vergangenheit wurde auch schon der Landjugendverlag GmbH mit Biobaumwolle aus Tansania beliefert, die in Kenia zu T-Shirts von Lamu Lamu weiter verarbeitet wurden.
 Ab diesem Jahr wird die Hälfte der tansanischen Biobaumwollernte nach Europa versandt und zu Garnen versponnen, aus denen in Deutschland Bezugsstoffe für Matratzen hergestellt werden, die u.a. von „Hüsler Nest“ aus der Schweiz verarbeitet werden.
 Ein Teil wird in England von der Firma MacDonald & Taylor zu Watte- und Hygieneartikeln verarbeitet, die von den englischen Ketten Tesco und Coop vermarktet werden.
Insgesamt verarbeitet die Remei AG zu zirka 30 Prozent Bio-Baumwolle. Die Produkte tragen das Markenzeichen bioRe, das auch für ökologisch verbesserte und sozialverträglich hergestellte Produkte steht, die zum Beispiel ohne Chlorbleiche und Formaldehyd auskommen. Die Spinnerei Maikaal Fibres ist die Erste nach dem Sozialstandard SA 8000 zertifizierte Spinnerei. Die Coop Schweiz erwähnt bioRe im kleinen Booklet, das jedem Kleidungsstück beiliegt, andere Kunden verwenden eingenähte „Wash and Ware-Label“ mit dem Markenzeichen . Das Gütezeichen „Coop Naturaline“ fordert die unabhängige Kontrolle ihrer Öko- und Sozialstandards durch das Institut für Marktökologie (IMO), das alle Stufen vom Anbau über die Verarbeitung bis zum Handel kontrolliert.

Monika Balzer                                                                                            Juni 2002



Artikel zuletzt geändert am: Mittwoch, 17. August 2005 14:36


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