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Die fünfte Jahreszeit
(Fassloh Padjom)
Iran, Frankreich 1997 16 mm, 80 Min., Spielfilm, Orginalfassung Farsi mit dt. Untertiteln Regie: Rafi Pitts Buch: Bahram Beyzai und Rafi Pitts Produktion: Le Poisson Volant, Paris; Farabi Cinema, Teheran Kamera: Nemat Haghighi Schnitt: Hassan Hassandoost Ton: Parviz Abnar Musik: Jamshid Pouratai Darsteller: Roya Nonahali (Mehrbanou), Ali Sarkhani (Karamat) sowie Parviz Poorhosseni (Bürgermeister), Ghorban Nadjafi (Jan Ali) und Golab Adineh (Madame Soleil)
Gefördert vom Kirchlichen Entwicklungsdienst der Evangelischen Kirche in Deutschland
Inhalt Ein abgelegenes Dorf im Hochland Irans. Die Familienfehde, die die Jamalvandis und Kamalvandis entzweit, ist so alt, daß sich niemand mehr an deren genauen Grund erinnern kann. Hoffnung auf Versöhnung verspricht nun die Hochzeit von Mehrbanou Jamalvandi und Karamat, dem ältesten Sohn der Kamalvandis. Doch bei der Feier kommt es zum Eklat. Erneuter Streit setzt dem Hochzeitsfest ein jähes Ende, was den Großvater der Braut so erregt, an einem Herzschlag stirbt. Auch wenn es keine Liebesheirat geworden wäre, so ist Mehrbanou dennoch tief gekränkt. Als Karamat einen Kleinbus anschafft und damit eine Buslinie in die nächstgelegene Stadt eröffnet, sinnt sie auf Revanche. Aber weil alle in die Stadt wollen scheitern die Bemühungen Mehrbanous, wenigstens die eigenen Verwandten von der Fahrt abzuhalten. Erfolgversprechender ist hingegen die Gründung eines Konkurrenzunternehmens - mit günstigeren Tarifen. Karamats Kreditgeber sorgt sich um die Rentabilität ihrer Buslinie. Er drängt deshalb auf Verständigung, um den ruinösen Wettbewerb zu beenden. Und der Streit beginnt sich auszuweiten. Denn die Dorfbewohner müssen sich für eine der beiden Linien entscheiden. Auch dem Bürgermeister gelingt es nicht, die Wogen zu glätten. Ein halsbrecherisches Autorennen mit den beiden schon älteren Bussen endet in einer Prügelei, an der sich alle Fahrgäste beteiligen und bei der es - den Berichten der Beteiligten zufolge - nur Sieger gibt. Doch wenn der Bürgermeister über den Gang der Dinge schier am verzweifeln ist, so hat er Mehrbanous Fähigkeiten gehörig unterschätzt ... DIE FÜNFTE JAHRESZEIT ist eine farbenprächtige und temporeiche Filmkomödie aus dem Iran, die mehr als eine Überrraschung bereithält. Angesiedelt in der atemberaubenden Bergwelt des persischen Hochlands, nahe der Grenze zu Afghanistan, erzählt Rafi Pitts seine Geschichte nicht nur mit viel hintergründigem Humor, sondern er bettet sie auch in die höchst lebendige Alltagswelt eines Dorfes ein, ohne dabei in die Klischees von der Rückständigkeit des Landes und der fragwürdigen Modernität der Stadt zu verfallen. Eine so charakterstarke und selbstbewußte Frauenfigur hat es im iranischen Kino zuletzt in Bahram Beyzais „Bashu, der kleine Fremde“ gegeben.
Rafi Pitts wurde 1967 in Mashad, Iran geboren. Seine Mutter ist Iranerin, sein Vater Engländer. Als Kinderdarsteller tritt er in mehreren iranischen Filmen auf. 1978 verläßt seine Familie Iran und Rafi Pitts setzt seinen Schulbesuch in England fort. In London studiert er am Harrow College of the Polytechnic Film und Kamera. 1991 übersiedelt er nach Frankreich, wo er im gleichen Jahr seinen ersten Kurzfilm realisiert (En exil). Im gleichen Jahr koordiniert er die Produktion einer Serie von Kurzfilmen namhafter Regisseure anläßlich des dreißigjährigen Jubiläums von amnesty international. 1993 folgt eine Regieassistenz bei „Le jeune Werther“ von Jacques Doillon. Sein 1994 gedrehter zweiter Kurzfilm „Salandar“ wird auf mehreren internationalen Festivals ausgezeichnet. „Die fünfte Jahreszeit“ ist sein erster langer Spielfilm.
Rafi Pitts zu „Die fünfte Jahreszeit“: „Mehrbanou ist eine ganz typische iranische Frau, mit einem sehr starken Charakter. Im Westen macht man sich ziemlich falsche Vorstellungen von der Lage der Frauen im Iran. Gerade auf dem Land entscheiden die Frauen über die Beziehungen zwischen den einzelnen Clans. Dazu übernehmen sie den Großteil der Arbeit auf den Feldern. Sie arbeiten unglaublich viel. Und letztlich dirigieren sie die ganze Familie. ... Die vier Jahreszeiten bilden den Lebensrhythmus dieser Frau, Mehrbanou, die auf den Feldern arbeitet. Die fünfte Jahreszeit, das ist vieleicht die Zeit der Versöhnung, die noch nicht stattgefunden hat, oder auch die Zeit der Moderne, verkörpert durch diesen Bus, der plötzlich im Dorf eintrifft - in einem Dorf, das bisher ohne Fernsehen, ohne Radio, gewissermaßen in archaischen Strukturen gelebt hat... Die Iraner lieben Metaphern und Symbole. Deswegen habe ich den genauen historischen Zeitpunkt, an dem meine Gschichte spielt, auch bewußt offengelassen.
Pressestimmen: „Die durchkomponierten, zum Teil monumentalen Bilder leben vom Kontrast der erdbraunen iranischen Landschaft, des kleinen blauen Busses, der sie durchfährt, und der prachtvoll farbigen Gewänder der Frauen. „Die fünfte Jahreszeit“ ist ein gutes Beispiel für ein außerhalb des Fernsehens vernachläßigtes Kino, das uns in eine fremde Kultur entführt, zugleich aber durchaus vertraut erscheint.“ Frankfurter Rundschau „Rafi Pitts gelingt eine sensible Zeichnung iranischer Typen, die unser Bild vom Mullahstaat ein wenig zurechtrücken. So ist die charakterfeste Mehrbanou, die sich von niemandem herumkommandieren läßt, nach Aussage des Regisseurs eine typische iranische Frau. Sollte ihre subversiv rückständige Dorfgemeinschaft ebenso typisch sein, ist es mit der Herrschaft der alten Männer bald vorbei.“ TAZ „Und am Ende kommt dann noch ein zarter, fast nicht wahrnehmbarer Hauch Romantik hereingeflogen. Gut so.“ epd Film Beim 46. Internationalen Film Festival Mannheim-Heidelberg wurde „Die fünfte Jahreszeit“ mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet
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