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Die grosse Schatzkiste für die Kinder der Zukunft

Gesonderte Arbeithilfe für den Teil Südafrika - als PDF

Gesondere Arbeitshilfe für den Teil Philippinen - als PDF

 

Botschaften der Kinder von heute aus 12 Ländern weltweit an die Kinder des Jahres 2050
 
Produktion: FAUST Film+Projekt GmbH, Pierre Hoffmann
Dokumentarfilme, 12 Teile á 25 Min.
In Koproduktion mit den betreffenden Ländern (s. u.)
Farbe, deutsch, Video VHS


Einleitung

Kinder der Welt begrüssen das neue Jahrtausend – eine Reise durch verschiedene Kulturen
Die grosse Schatzkiste für die Kinder der Zukunft ist mehr als nur eine Filmreihe. Die Filme sind Bestandteil eines weitreichenden internationalen Kommunikationsprojektes für Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 15 Jahren. Es wird erst im Jahre 2050 abgeschlossen sein. Weltweit haben sich bisher mehr als 40.000 Kinder in 12 Ländern auf vier Kontinenten daran beteiligt.
In jedem der 12 Länder wurde eine wunderschöne und grosse Schatzkiste von Künstler/innen und Handwerker/innen gebaut. Diese Schatzkisten sind Zeitkapseln, die für die Menschen des Jahres 2050 bestimmt sind. Sie wurden von den Kindern von heute mit ihren persönlichen Botschaften an die Kinder der Zukunft gefüllt. Die Schatzkisten wurden sicher verschlossen und dürfen erst in 50 Jahren wieder geöffnet werden.
Die Kinder, die mitgemacht haben, standen vor der Frage: „Was ist meine persönliche Botschaft? Was sollen die Kinder der Zukunft vorfinden, wenn die Schatzkiste im Jahre 2050 wieder geöffnet wird? Was sollen sie sehen, lesen, berühren, hören, schmecken?“
Die 12 Schatzkisten – jede von ihnen ein eigenes Kunstwerk – sind mit den Botschaften der Kinder gefüllt und so gleichsam mit Energie geladen, wie eine Batterie mit Elektrizität geladen ist. Sie verkörpern eine Kommunikation zwischen Generationen. Zugleich sind sie ein internationaler Gruss an das neue Jahrtausend.
Die Schatzkisten werden in den einzelnen Ländern in einem Nationalen Museum aufbewahrt.


Entstehung
Das Konzept zur Schatzkiste wurde auf Initiative des Filmemachers Pierre Hoffmann von Faust Film Berlin an einem gemeinsamen Workshop im Sommer 1997 erarbeitet. Partner waren professionellen Filmemacher/innen in den einzelnen Ländern, die für die einzelnen Filmsequenzen verantwortlich waren. In enger Zusammenarbeit mit Faust Film, die für Koordination und Realisation verantwortlich zeichnete, entstanden 12 individuelle Filme.
In der Vorbereitungsphase waren intensive Kontakte zu Schulen und der Presse nötig, damit Kinder ihre Ideen zur Schatzkiste beisteuern konnten und über die dazu nötigen Informationen verfügten. Als erstes musste dann in jedem Land eine entsprechende Schatzkiste gebaut und die Kinder zum Mitmachen motiviert und eingeladen werden. Den Kindern wurden die einfachen Fragen vorgelegt: Was möchtet ihr zu dieser Schatzkiste beitragen? Was sollen die Jugendlichen im Jahr 2050 darin vorfinden? Was wollt ihr ihnen mitteilen? Was ist es wert, bis dahin aufbewahrt zu werden? Wie die Kinder diese Fragen beantworten und umsetzen würden, war völlig offen; ob Gedichte, Bilder, Fotografien, Collagen, Videos, Tonaufnahmen, Musik, Skulpturen, Comics, Gegenstände mit Erklärungen dazu - der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt.
In der Vorbereitungsphase war die interaktive Zusammenarbeit mit den Kindern sehr wichtig, da deren Resultate das Ausgangsmaterial für die Konzeption jedes Filmes bilden sollten. Diese sollten, wenn möglich, mit Vorteil in Magazinform gestaltet sein und es den Betrachter/innen erlauben, die Botschaften mit den Augen der Kinder von 2050 zu sehen. Zwei grundsätzliche Varianten zeichneten sich ab: Einen Film zu drehen, der zeigt, wie die Botschaften der Kinder entstanden sind oder einen Film, der sich als Teil der Schatzkiste direkt an die Kinder von 2050 richtet.
Bei der Produktion mussten ein paar generelle Regeln beachtet werden: Die Vorbereitungsphase sollte bereits für erste Aufnahmen genutzt werden und möglichst viele Kinder miteinbeziehen. Die vermittelten Inhalte sollten repräsentativ für die Kinder im ganzen Land sein und in anderen Teilen der Welt auch verstanden werden können. Mindestens drei wichtige Aspekte waren zu berücksichtigen: Die Alltagsrealität und die Kultur des Landes, die Art wie Kinder ihre Botschaften vermitteln, die Botschaften selber.
Die individuellen Geschichten sollten ein gemeinschaftliches Erlebnis ermöglichen und Kinder in ganz verschiedenen Alltagsrealitäten zeigen. Dabei sollte die Geschichte eines oder mehrerer Kinder als roter Faden durch den Film laufen und dabei weitere Familienmitglieder miteinbeziehen. Die Botschaften der Kinder würden so wertvolle Einblicke in den Alltag der Menschen geben und eine Identifikationsmöglichkeit für unsere Kinder erlauben. So entstanden schliesslich 12 Filme in 12 Ländern mit unterschiedlicher dramaturgischer Umsetzung.


Kritik
Im Zentrum der 12-teiligen Filmserie stehen zweifellos die Schatzkisten; sie sind aber mehr als blosse Behälter für die Botschaften der Kinder; deren Grösse, Form und Farbe sind kein Zufall. Die voluminöse Kiste aus Edelstahl (BRD), die aus Holz gezimmerte Mini-Hütte (Tansania) oder die getöpferte kleine Datscha (Russland) sind vielmehr Ausdruck der unterschiedlichen Kulturen. Die Filmserie ermöglicht uns somit eine Reise um die Welt, vorausgesetzt allerdings, dass wir uns alle oder mehrere Folgen ansehen. Jeder der 12 Filme zeigt interessante Beispiele von Kindern und ihrem Alltag, ermöglicht uns einen differenzierten Einblick in die verschiedensten Kulturen; durch die Fülle von Beispielen bleiben die Filme aber manchmal etwas an der Oberfläche. Eine Vertiefung mit weiteren Informationen ist deshalb sinnvoll und nötig.
Dabei ist zu präzisieren, dass die einzelnen Folgen von unterschiedlicher Qualität sind; positiv hervorzuheben sind dabei etwa die Filme aus Tibet (Indien) aus den Philippinen oder der Türkei; während im Teil Tansania zum Beispiel die veralbernde Stimme eher störend wirkt.
Alles in allem aber überzeugt die Idee der Schatzkiste. Schätze haben Menschen in allen Jahrhunderten immer wieder fasziniert, sei es materiell in Form von Juwelen zum Beispiel, sei es in Form von menschlichen Werten. Von verborgenen Schätzen geht dabei eine besondere Faszination aus; sowohl die Kinder von heute, wie diejenigen im Jahr 2050 werden mit Spannung auf den Moment warten, in dem die Kisten wieder geöffnet werden. Sie werden sowohl Gegenstände, wie auch damit verbundenen Botschaften und Gedanken „ausgraben“ und bestaunen.
Die Schatzkiste enthält aber auch Schätze im Sinne von verschiedenen Dimensionen, die Anreize zur weiteren Auseinandersetzung schaffen: Eine globale Dimension, eine zeitliche Dimension und eine nachhaltige Dimension: Die Kinder bekommen spannende Einblicke über Grenzen und Kulturen hinweg, sie werden angeregt, sich mit ihrer eigenen Lebenssituation und derjenigen der Kinder in 50 Jahren auseinanderzusetzen, und sie erfahren konkret, was der abstrakte Begriff der Nachhaltigkeit bedeuten könnte.
So unterschiedlich die gezeigten Länder und die Umsetzung der Botschaften auch sind, die grundlegenden Werte, die uns Menschen eine nachhaltige Zukunft garantieren können, bleiben sich über alle Grenzen hinweg gleich: Freundschaft, Liebe, Offenheit, Hoffnung, Respekt vor Mensch und Natur... Diese Werte verbinden Menschen in aller Welt, fördern Verständnis und Solidarität, vermitteln nicht nur Kindern ein positives Zukunftsbild.
Die Serie eröffnet dadurch zahlreiche Möglichkeiten zur Weiterarbeit; über den gezeigten Kinderalltag lassen sich unsere Kinder, wie auch die nachfolgenden Echos zeigen, motivieren, sich auf Fremdes einzulassen und die positiven Elemente der eigenen Kultur neu zu entdecken. Es macht Spass, Kindern wie Lerato beim Tanzen, Malakie beim Fischefangen oder Nikita beim Pflegen der Schweine zuzuschauen. Und vielleicht lässt sich die eine oder andere Kindergruppe vom Schatzkisten-Virus anstecken und stellt selber ein kleines Projekt auf die Beine - das Jahr 2050 kommt bestimmt.


Die Schatzkiste im Test
Kinder sind aufmerksame Zuschauer/innen, sind neugierig und offen für Neues. Sie möchten sich mit den Betroffenen identifizieren können und reagieren sensibel auf zerrüttete Familienverhältnisse, Ungerechtigkeiten, soziale Unterschiede. Dies hat die Kinderjury am Kinderfilmfestival von München (Juni 2000) bewiesen, indem sie den Prix Jeunesse dem Film Tibet (Dharamsala) aus der Serie „Die grosse Schatzkiste“ vergeben hat.
Schülerinnen einer 4. Klasse haben Folgendes zu den Folgen Philippinen und Südafrika geschrieben:

„Der Film über die Philippinen gefiel mir nicht so gut wie der von Südafrika. Bei dem Süd-afrikafilm fand ich interessant, wo und wie sie gelebt haben, wie sie getanzt haben und was sie in die Schatzkiste gelegt haben. Bei dem Philippinenfilm fand ich es traurig, als der Vulkan ausgebrochen ist und das Dorf zerstört hat. Und dass Raoul’s Vater gestorben ist und seine Mutter in einer andern Familie lebt fand ich auch schlimm...“ (Jana, 4. Klasse)

„Ich fand den Film von den Philippinen besser als den von Afrika. Denn im Philippinenfilm war es genauer und deutlicher gezeigt worden wie die Kinder leben und es war mehr vom Land zu sehen, z.B. das Meer, den Vulkan und den Steinbruch. Es war auch neu für mich zu wissen, dass andere Menschen einen einfachen Fotoapparat nicht kennen oder sogar solche Tänze veranstalten; das würde hier keiner machen. Man sieht bei den Filme recht gut den Unterschied zwischen armen und etwas wohlhabenderen Leuten...“ (Anke, 4. Klasse)

„Ich finde eigentlich den Film über die Philippinen besser, weil die Kinder mehr über sich erzählen. Beim Afrika-Film erzählen sie nicht so viel über sich. Ausserdem finde ich gut, dass wir etwas über verschiedene Kulturen erfahren. Bei beiden Filme denke ich, haben sich auch die Kinder viele Gedanken gemacht und haben dann gedacht, dass es diese schönen Dinge vielleicht in 50 Jahren nicht mehr geben wird. ... Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr gefallen mir beide Filme. Ich glaube es ist Geschmackssache..." (Stefanie, 4. Klasse)


Didaktische Anregungen zur ganzen Serie
Die 12-teilige Serie bietet die Möglichkeit, einen oder mehrere Filme anzuschauen und sich dabei durch Vorlieben oder Vorwissen leiten zu lassen. Für die Weiterarbeit wurde angesichts der Vielzahl von Themen bei jedem Film ein Schwerpunktthema ausgewählt und didaktisch näher ausgeführt. Dieses lässt sich zum Teil auch auf andere Länder übertragen. Vieles kann hier aus Platzgründen nur angetönt werden. Die Filme lassen sich sowohl fächerspezifisch (zum Beispiel das Thema Multikulturalität in der Lebenskunde, die Schatzkiste im Zeichnen und Gestalten oder das Verfassen von Botschaften in den Sprachfächern), wie auch fächerübergreifend (zum Beispiel als Projekt) einsetzen Jeder Film kann auch mit den allgemein bekannten Methoden ausgewertet werden (wie zum Beispiel Film ohne Ton anschauen und selber einen Kommentar verfassen, stumme Filmauswertung mit Zeichenstift, Assoziationen zum Film sammeln etc.).

Die Schatzkiste als wertvolles Kulturgut...
· Eine der Schatzkisten genau betrachten (Grösse, Form, Farben, Material etc.) und eine Zeichnung dazu anfertigen.
· Überlegen, was das Besondere an der jeweiligen Schatzkiste ist und was sie über die Lebensweise und die Kultur der jeweiligen Menschen aussagt.
· Eine eigene Schatzkiste entwerfen, so wie man sich eine Kiste für seine Botschaften vorstellen würde. In der Klasse ein Modell auswählen und aus Pappkarton nachbauen.
· Im Rahmen eines kleinen Projektes selber Botschaften für die Kinder im Jahr 2050 verfassen oder basteln. Dazu können weitere Klassen oder das ganze Schulhaus miteinbezogen werden. Ein sicherer Aufbewahrungsort muss gefunden und jemand mit der Betreuung beauftragt werden (z.B. im Archiv der Schule oder in einem Glaskasten im Schulhauskorridor). Die Schüler/innen im Jahr 2050 werden dann in Anwesenheit der Schöpfer/innen die Kiste öffnen.
· Für sich selber zu Hause eine ganz persönliche Schatzkiste auswählen oder anfertigen und im Lauf der Jahre die Dinge darin sammeln, die einem wichtig sind. Diese Schatzkiste bleibt persönlich und kann jederzeit ergänzt oder geöffnet werden.

Kinderalltag anderswo...
· Ein Kind im Film auswählen und ein Porträt von ihm erstellen.
· Den Alltag dieses Kindes mit dem eigenen vergleichen, nach Gemeinsamkeiten und Unterschiede suchen und diese austauschen.
· Auflisten, was den Kindern im Leben wichtig ist.

Die Botschaften der Kinder
· Eine Liste mit den wichtigsten im Film gezeigten Botschaften aufstellen und diskutieren. Überlegen, was wir selber in die Schatzkiste legen würden.
· Begründen, weshalb die Kinder gerade darauf gekommen sind (Umfeld, soziale Aspekte, Umwelt...).
· Zusammentragen, welche Werte (wie Freundschaft, Respekt vor der Natur etc.) den Kindern grenzüberschreitend wichtig sind.

Eine Reise in die Zukunft
· Im Gespräch mit den Grosseltern herausfinden, wie die Welt vor 50 Jahren ausgesehen hat.
· Versuchen sich vorzustellen, wie die Welt in 50 Jahren, nämlich im Jahre 2050, wenn die Schatzkisten wieder geöffnet werden, wohl aussehen wird.
· Anhand konkreter Beispiele von Botschaften überlegen, wie die Kinder des Jahres 2050 auf die Schatzkisten reagieren werden.
· Eine Geschichte mit dem Titel „Zeitreise“ erfinden; beschrieben, was wir selber unterwegs zum Jahr 2050 antreffen könnten.

Filme im Vergleich...
· Drei Filme aus der Serie auswählen, zum Beispiel je einen aus den Kontinenten Asien, Afrika und Lateinamerika. Vor dem Anschauen Beobachtungsaufgaben stellen, zum Beispiel was im Alltag der Kinder besonders erstaunt, was gefällt oder missfällt.
· Vier Filme auswählen und pro Quartal je einen zum Thema machen; die Auswertung schriftlich und zeichnerisch festhalten. Am Ende des Jahres rückblickend alle Filme noch mal diskutieren.
· Die Themen zusammenstellen, welche den Kindern über Grenzen und Kulturen hinweg wichtig sind (zum Beispiel Freundschaft, Liebe, Respekt vor der Natur...). Die eigenen Themen auflisten und diskutieren.
· Eine kleine Filmjury bilden und die einzelnen Filme nach selber festgelegten Kriterien bewerten.

Surfen im Internet...
· In den 12 Folgen der Schatzkiste werden 12 Länder aus der Sicht der Kinder vorgestellt; vieles kann in 25 Minuten nur kurz gestreift werden. Im Internet kleine Recherchen zum Land, zur Kultur, zur Geschichte etc. anstellen. Bei jedem Land ist weiter hinten eine entsprechende Internet-Adresse angegeben.
 
Filmdaten
Filmart: Dokumentar-Serie
Altersstufe: geeignet für Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 15
Länder: Mexico, Griechenland, Tansania, Philippinen, Deutschland, Tibeter in Indien, Russland, Türkei, Südafrika, Belarus (Weissrussland), Kanada (Inuit), Polen
Länge: 12 Filme à 25 Minuten
Idee und Konzept: Pierre Hoffmann
Filmemacher/innen: Tatyana Kirikozowa (Belarus), Leetia Ineak (Kanada), Dimitris Spyrou (Griechenland), Michael Vetter (Mexico), René O. Villanueva (Philippinen), Jerzy Moszkowicz (Polen), Zakes Mda (Südafrika), David Kyungu (Tansania), Tenzing Sonam u. Ritu Sarin (Indien), Thomas Balkenhof (Türkei), Pierre Hoffmann (Deutschland), Ella Mitina u. Andrew Smeliy (Russland)
Koordination und Produktion: FAUST Film+Projekt GmbH in Koproduktion mit Partner/innen in 12 Ländern
Kontakt für Information: FAUST Film+Projekt GmbH Pierre Hoffmann, Pariserstr. 37, 10707 Berlin Tel. 030-88 54 191 / Fax 030-88 54 192 / e-mail:
faustcom@aol.com
Herausgeber/innen: FAUST Film+Projekt GmbH und EZEF Evangelisches Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit, Kniebisstr. 29, 70188 Stuttgart, Tel. 0711-28 47 243; Fax: 28 46 936 / e-mail: info@ezef.de; Internet: www.ezef.de


Belarus – Ein Weidenkorb über Tschernobyl...

Inhalt
Die Schatzkiste für Belarus (sprich Weissrussland) besteht aus einem grossen geflochtenen Weidenkorb, der zu Beginn mit einem Heissluftballon durchs Land geflogen wird. Dabei begegnen wir Nikita, der Schweine über alles liebt und eine Schweineskulptur aus Lehm macht. Anja, die sehr schön singen kann, hat extra für die Schatzkiste ein Lied über den Traum von der Liebe komponiert und eingesungen. Die Kinder der Zukunft sollen sich auch erinnern, wie die Landschaft vor 50 Jahren ausgesehen hat, als es noch nicht so viele Strassen und Häuser gab. Ein Knabe möchte an die Tiere erinnern und bastelt einen Grashüpfer. Unter den geschickten Händen eines Mädchens entsteht ein Gefäss aus Ton. Klassenbücher, Zeichnungen, ein geschnitztes Kruzifix von Grossvater, Gehäkeltes etc. ergänzen die Botschaften der Kinder – Im Jahre 1986 wurde ein Drittel des Landes durch die Katastrophe von Tschernobyl (Atomreaktor) zerstört. Viele Kinder erkrankten in der Folge an Krebs und erzählen ihre bewegende Geschichte. Ihre Botschaft ist der Glaube an Heilung durch die Liebe. – Der Weidenkorb wird schliesslich noch mit weiteren Gegenständen ergänzt und dann bis zum Jahr 2050 verschlossen.

Didaktische Anregungen – Handwerk und Technologie
· Aufzählen, welche Gegenstände die Kinder herstellen und welche Wünsche und Träume sie mit dem jeweiligen Handwerk verbinden.
· Auflisten, welche Formen von Handwerk typisch sind für Belarus (zum Beispiel Korbflechten, Häkeln, Strohverzierungen, Filzstiefel...).
· Überlegen, weshalb in Belarus gerade diese Formen von Handwerk heimisch sind.
· Im Internet genauere Angaben zu Belarus recherchieren, über die Menschen und ihre Kultur.
· Selber ein Handwerk auswählen, das einem zusagt. Einen Gegenstand herstellen, der mit den eigenen Wünschen und Träumen zu tun hat.
· Überlegen, welche Formen von Handwerkskunst es bei uns im grösseren Stil noch gibt und typisch sind für Deutschland.
· Nachforschen, wie sich Handwerk in diesem Jahrhundert bei uns verändert hat.
· Die Geschichte der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl nachlesen.
· Meinungen darüber austauschen, wie der Weidenkorb, sprich „Handwerk“ und Tschernobyl, sprich „Technologie“ überhaupt zusammengehen.
· Sich vorstellen, wie das Handwerk im Zeitalter der zunehmenden Computerisierung im Jahre 2050 aussehen und ob noch jemand etwas von Hand herstellen wird.
· Weitere Themen: Belarus (Land, Geschichte, Kultur...), Haustiere...

Hintergrund - Reaktorkatastrophe von Tschernobyl
Am 26. April 1986 ereignet sich im ukrainischen „Lenin“-Kraftwerk Tschernobyl der grösste anzunehmende Unfall (GAU): Der Block 4 des Atomkraftwerkes explodiert. Die Stadt Pripjat wird abgeriegelt, Hubschrauber werfen Sand, Stahl, Blei und Lehm auf den brennende Reaktor. Der „Unfall“ wird zunächst verharmlost, doch in Skandinavien stellt man bereits eine erhöhte Radioaktivität fest. Die radioaktiven Stoffe gelangten in die Atmosphäre. 1989 müssen über 100'000 weitere Menschen aus der Umgebung evakuiert werden. Rund 9 Millionen Menschen leben in gesundheitsgefährdenden Gebieten. Mindestens 7'000 der 800'000 an den Dekontaminationsarbeiten Beteiligten sind gestorben, Krebserkrankungen vor allem bei Kindern und Missbildungen bei Neugeborenen nehmen erschreckend zu.


Deutschland – Ein Hund für Bosnien...

Inhalt
Die grosse verspiegelte Schatzkiste reist von Berlin nach München und unterwegs werden die verschiedenen Botschaften an die Kinder der Zukunft eingesammelt. Viele Kinder beteiligen sich daran und haben Super-Einfälle: Foto-Collagen, Körnersammlungen, Rap-Songs und Hip Hop auf Video, ja sogar eine selber moderierte Radiosendung. In Bayern nimmt ein alter Bauer Gegenstände wie Hufeisen, Holzscheite und Modellbauten entgegen. Ein Junge aus Bosnien, der vor dem Krieg flüchten musste, bastelt einen Hund aus Ton, zwei andere malen ihr Lieblingsessen, eine Pizza, ein anderer hängt den Zahn der Zeit an einen Galgen, andere wiederum halten ihre Gedanken in Briefen und Gedichten fest. An einer öffentlichen Veranstaltung werden die Schätze unter dem Applaus der Kinder von einer orientalischen Prinzessin entgegengenommen und der Kiste übergeben. Die Kiste wird abgeschlossen und in einem Museum aufbewahrt.

Didaktische Anregungen – Multikulturelles Zusammenleben
· Die von Kindern verschiedener Nationen gebastelten Gegenstände aufzählen und zeichnerisch festhalten; jedem Gegenstand die entsprechende Nation zuordnen.
· Überlegen, welche Geschichte hinter diesen Gegenständen steckt.
· Die Geschichten weiterspinnen, zum Beispiel diejenige des Jungen aus Bosnien mit dem Hund.
· Austauschen, wie die Kinder im Film in den deutschen Schulen integriert sind und ob sie sich wohlfühlen.
· Auflisten, wo es beim multikulturellen Zusammenleben Probleme gibt und was man dagegen tun kann.
· Zusammentragen, was eigentlich „typisch“ deutsch, türkisch, bosnisch, französisch etc. ist und aufschreiben. Die „Steckbriefe einsammeln, mischen und laut vorlesen; versuchen, das betreffende Land zu erraten.
· Ahnenforschung in der eigenen Familie betreiben; herausfinden, woher unsere eigenen Vorfahren genau stammen.
· Eine multikulturelle Wandzeitung der eigenen Klasse entwerfen (Fotos, Texte...).
· Sportmannschaften unter die Lupe nehmen und herausfinden, wie viele Nationen darin jeweils vertreten sind.
· Überlegen, wie die verschiedenen Kulturen in Deutschland im Jahre 2050 friedlich zusammenleben könnten.
· Weitere Themen: Asyl, Fremd sein, Integration, Ausländerhass, Rechtsextreme...
 
Hintergrund – Zum Begriff „Ausländer“
„Der Begriff „Ausländer“ ist eine rechtstechnische Konstruktion; er besagt weder etwas über die Ursachen und Motive für die Anwesenheit nationaler und kultureller Minderheiten, noch bringt er zum Ausdruck, dass ImigrantInnen und Flüchtlinge de facto BewohnerInnen der Bundesrepublik und nicht „des Auslandes“ sind. Die Grundlage für diese Klassifizierung in „In- und Ausländer“ bildet der Nationalstaat, der sich von anderen Nationen abgrenzt. In der BRD wird dabei von einer Einheit von Volk und politischer Nation ausgegangen. Deutscher wird man durch deutsche Abstammung. Alle anderen sind „Ausländer“, auch wenn sie in der Bundesrepublik geboren sind und seit Jahrzehnten hier leben.“
(Aus „Nicht nur Antirassismus - Für eine multikulturelle Gesellschaft v. Erika Trenz/Monika Bethsschneider)


Griechenland – Das trojanische Pferd...

Inhalt
In seiner Werkstatt in Athen schweisst der Künstler Costis Papadopoulos an einem Kunstwerk. Die Kinder Yason, Dimitris, Euridice staunen als sie sehen, was daraus wird: ein modernes trojanisches Pferd, das als grosse Schatzkiste für die Botschaften an die Kinder der Zukunft dienen soll. Eine Gruppe beschliesst, Masken von den eigenen Gesichter zu machen. Auf seiner Reise durch Griechenland gelangt das trojanische Pferd per Schiff auf die Insel Syros. Die Athener Schüler/innen erkunden die Insel und wollen über diese ein Album für die Schatzkiste zusammenstellen. Die Leute dort leben noch wie früher, doch der Tourismus gefährdet das traditionelle Leben auf dem Land. – In einer kleinen Stadt auf dem Peloponnes begegnen wir Alexis (15), der seine Grossmutter mit den Ziegen und den Hühnern besucht. Er freut sich riesig, dass seine Geschichte über die Sommerferien, in denen er bei der Traubenernte hilft, abgedruckt wird. Seine Geschichte wird zusammen mit dem Verzeichnis der Büchersammlung der Stadtbibliothek ins trojanische Pferd gelegt.
Nikos (14) und Melina (12) schliesslich haben Zeichnungen und Geschichten für die Schatzkiste parat. Bis zum Jahr 2050 wird das Pferd nun ins Museum gestellt.

Didaktische Anregungen – Mythen und Sagen
· Die Sage vom trojanischen Pferd nachlesen und erzählen.
· Selber ein modernisiertes trojanisches Pferd zeichnen oder basteln.
· Weitere Sagen und Mythen aus dem alten Griechenland suchen und eine Erzählstunde organisieren.
· Die Sagen aus den Büchern mit der Darstellung des „Hercules“ in der gleichnamigen TV-Serie vergleichen.
· Sagen und Geschichten aus Deutschland zusammentragen und einander vorlesen; vielleicht gibt es welche aus der unmittelbaren Umgebung.
· Wie Nikos und Melina Zeichnungen zu den Geschichten anfertigen.
· Selber eine Gipsmaske vom eigenen Gesicht anfertigen. Überlegen, was man mit Masken alles ausdrücken kann und kleine, improvisierte Szenen aus der Sage vom trojanischen Pferd aufführen.
· Alexis (15) besucht mit seinem Freund den Apollon-Tempel; herausfinden, was es mit diesem Tempel auf sich hat.
· Eigene Ferienerlebnisse bezüglich Sehenswürdigkeiten wie Tempel, Museen etc. austauschen.
· Wie Alexis (15) eine Geschichte über die eigenen Ferien verfassen.
· Eine Sage erfinden, die im Jahr 2050 spielen könnte.
· Weitere Themen: antikes Theater, Masken, Kultur, Tourismus...

Hintergrund - Die Sage vom trojanischen Pferd
Vor etwa 4000 Jahren wollen die Griechen Troja erobern, weil die schöne Helena dahin entführt worden ist. Aber Troja hat dicke hohe Mauern und lässt sich nicht einnehmen. Den Griechen fällt eine List ein. Sie bauen ein riesengrosse Pferd, in seinem Bauch verstecken sich viele ihrer Krieger. Das Pferd lassen die Griechen ganz allein vor Troja stehen und verschwinden scheinbar mit ihren Heerscharen. Die Trojaner platzen fast vor Neugier und werden unvorsichtig. Sie öffnen ihr grosses Stadttor und ziehen das geheimnisvolle Pferd an dicken Stricken hinein. Die darin versteckten Krieger öffnen die Stadttore. Ein fürchterlicher Kampf entbrennt. Troja wird besiegt. (Überlieferte Sage aus Griechenland)
 

Kanada (Eskimos) – Die Feder des Raben Tulugaluk

Inhalt
Raben gelten bei den Eskimos, oder besser Inuit, als etwas ganz besonderes. Aus ihren Federn wurden einst die Menschen erschaffen, so sagt es die Schöpfungsgeschichte. Aus ihrer Sicht wird die Geschichte der Kinder auf Baffin Island im hohen Norden Kanadas geschildert. Sie wohnen zwar heute in geheizten Häusern und ihre Väter fahren mit Motorschlitten zur Jagd, aber sie wissen von ihren Grosseltern, wie die Inuit in Iglus Schutz vor eisigen Polarstürmen suchten. Das ist noch nicht lange her, und solche Zeiten können wiederkehren, meinen die Kinder. Deshalb ist für sie klar, was sie in die grosse Schatzkiste für die Kinder der Zukunft hineinlegen wollen: alles, was man braucht, um in der Arktis zu überleben. Malakie zeigt, wie man Fische fängt, die unter dem Eis schwimmen, und legt einen Angelhaken in die Schatzkiste. Simeonie will wie sein Vater Jäger werden und verrät, wo es viele Enten und deren Eier gibt. Salmatak und ihre Brüder sammeln mit ihrer Grossmutter nahrhafte Muscheln am Strand. Deshalb legen sie eine Schaufel in die Schatzkiste. Weiter kommen u.a. eine Bauanleitung für Iglus, Fellkleidung, Hundeschlitten-Geschirre und Spiele aus Robbenknochen dazu.

Didaktische Anregungen –  Kulturelle Identität
· Die Geschichte vom Raben Tulugaluk nacherzählen und mit der Schöpfungsgeschichte im Christentum vergleichen.
· Die Begriffe „Eskimo“ und „Inuit“ (siehe unten) und weitere aus dem Film klären.
· Anhand der Fertigkeiten der Filmkinder Yoannik, Malakie, Simeonie und Salmatak die traditionelle Kultur der Inuit nachzeichnen; eine Wandzeitung gestalten.
· Auf einer Karte einzeichnen, wo überall Inuit leben.
· Im Internet mehr über die Spiele der Inuit wie Deckenwerfen, Zielen, Jonglieren oder Bola herausfinden (Adresse siehe hinten) und eventuell selber ausprobieren.
· Beschreiben, welche neuen Techniken bei den Inuit Einzug gehalten haben und wo die Inuit noch im Einklang mit der Natur leben.
· In die Schatzkiste kommt auch eine Anleitung zum Bau eines Iglus; überlegen, weshalb dies so wichtig ist und im Winter selber versuchen, ein Iglu zu bauen.
· Nachdenken, auf welche traditionellen Techniken wir in Deutschland zurückgreifen könnten, wenn uns das Heizöl und der Strom einmal ausgehen sollten.
· Ein Bild der Inuit-Kultur des Jahres 2050 entwerfen.
· Weitere Themen: Kanada (Land u.Leute), Entdeckung der Arktis, Minderheiten...

Hintergrund– Eskimos (Inuit), eine Kultur im Wandel
Ein Viertel aller Eskimos, oder richtig Inuit, lebt in Kanada. Inuit bedeutet in Inuktitut, der Sprache dieser Ureinwohner, „Menschen“. Eskimo hingegen kommt vom Wort Esquimantsik (= „Rohfleischesser“), einer geringschätzigen Bezeichnung gewisser Indianerstämme für die Inuit. Rund 55'700 Inuit leben in 53 Kommunen im hohen Norden Kanadas, und ihre Zahl wächst weiter. Die moderne Technik hat das Leben der Inuit aber verändert; Motorschlitten, Geländefahrzeuge, Autos und Lastwagen haben die traditionellen Hundeschlittengespanne weitgehend ersetzt, Gewehre die Harpunen und geheizte Häuser die Iglus. Obwohl die wirtschaftliche Grundlage der Inuit heute vielseitiger als früher ist, bereitet die Anpassung an die moderne Industriegesellschaft Probleme. Die Inuit des gesamten Nordens haben sich in der „Inuit Circumpolar Conference“ zusammengeschlossen. 1999 sollte in Kanada ein neues Territorium „Nunavut“ entstehen, wo die Inuit überwiegend das Sagen haben.


Mexico - Von Baracudas, Haien und Muränen...

Inhalt
Rodrigo (15), lebt in der Stadt Cancun an der karibischen Küste. Er dreht mit seiner Unterwasserkamera ein Video über Baracudas, Haie und Muränen, denn er will die Kinder mit seiner Botschaft auf die bedrohten Arten des Meeres und die Schönheit des Lebens unter Wasser aufmerksam machen. Im Land der Zauberer in der Sierra Madre im südlichen Mexico lebt Chalino (8); er wurde vom Indiovolk auserwählt, einen Beitrag für die Schatzkiste herzustellen: ein Bild aus kleinen Glasperlen, das er in überlieferter Handwerkskunst anfertigt. Er ruft die Kinder auf, das Wasser sauber zu halten. Mario (14), musste sich jahrelang als Strassenkind in Mexico-City durchschlagen. Er schildert den Kindern, wie schwierig es war, von der Strasse loszukommen und warnt vor den Gefahren wie Drogen, Gewalt und Hunger. Er möchte am liebsten Pilot werden und sein Traum vom Fliegen geht fürs erste tatsächlich in Erfüllung. - Von den über 6'000 Botschaften aus dem ganzen Land werden viele von den Kindern persönlich überbracht. Rodrigos Schwester Christina verschliesst die Kiste, die bis zum Jahr 2050 im Museum für Kinder aufbewahrt wird.

Didaktische Anregungen - Bedrohte Tierarten
·  Rodrigos Erlebnisse als Taucher schildern und aufzählen, was es zum Tauchen alles braucht.
· Eigene Taucherlebnisse erzählen und schildern, welche Tierarten man dabei entdeckt hat.
· Nach neusten Angaben der internationalen Naturschutzunion sind über 11'000 Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht (darunter auch Meeressäuger und Schildkröten). Eine Liste der bedrohten Tierarten zusammenstellen.
· Überlegen, was wir selber zum Schutz dieser Tiere beitragen könnten.
· Ein Porträt seines Lieblings-Meerestieres anfertigen und mit Bildern an die Wand pinnen.
· Weitere Informationen zu diesem Tier und weiteren bedrohten Tieren sammeln, zum Beispiel wie Rodrigos Schwester Christina über Internet (Adresse siehe hinten).
· Exkursionen unter kundiger Führung zu Seen, Fliessgewässern und Teichen in der eigenen Umgebung unternehmen und unsere eigene Tierwelt mit derjenigen Mexicos vergleichen.
· Sich vorstellen, wie es mit der Tierwelt im Jahre 2050 wohl aussehen wird.
· Weitere Themen: Strassenkinder, Handwerk, Geschichte der Azteken, Tourismus...

Hintergrund – Geschichte Mexicos
1519 betrat der spanische Eroberer Hérnan Cortés in Veracruz das Land der Azteken (oder auch mexica genannt). Bereits ahnte der damalige Herrscher Moctezuma, was kurze Zeit später Wirklichkeit wurde: Die Spanier eroberten das Land und Mexico wurde zum grössten Silberproduzenten der Welt. Die Indios mussten auf den haciendas als Sklaven arbeiten. 1821 brachte ein Revolution die Unabhängigkeit. Doch bereits 1848 verlor Mexico die Hälfte seines Landes an den Kriegsgegner USA. Wieder wurde das Land besetzt, diesmal von den Franzosen. Anfang des 20. Jahrhunderts lehnte sich der berühmte Emiliano Zapata mit seiner Bauernguerilla auf und 1917 wurde die heute noch gültige Verfassung verabschiedet. Zapata wurde ermordet und mit ihm starben über eine Million Menschen während der Revolution.


Philippinen – Eine Handvoll Lava-Erde...

Inhalt
Auf den Philippinen, einem Staat, der aus vielen im südchinesischen Meer liegenden Inseln besteht, bewahren die Menschen ihre Schätze in Körben auf. Raoul, der im Steinbruch hart arbeitet, fotografiert mit einer geschenkten Kamera seine Familie, das Dorf und den Steinbruch – die Bilder sind seine Botschaft für die Schatzkiste. Jackie (12) kennt sich gut mit Bienen aus; ihre ganze Familie lebt vom Verkauf des Honigs und des Bienenwachses. Ihre Botschaft: eine selbstgefertigte Kerze aus Bienenwachs. Sie wird die Kinder an die Natur erinnern. Lina (11), Tochter eines Fischers, lebt am Meer. Ihre Botschaft: eine Muschel in der das Lied des Meeres und ihre Träume aufbewahrt sind. Feli lebt in einer berühmten Holzschnitzerstadt. Für die Schatzkiste schnitzt sie ihr liebstes Tier aus Holz, einen der letzten Wasserbüffel. Zunehmend werden Tiere wie Pferde aber aus Pappemaché gemacht. Bayany, ein kleiner Junge am Fuss des Vulkans Pinatubo, packt eine Handvoll Lava in die Schatzkiste. Der heilige Berg mit seinen Ausbrüchen mit Lava und Asche flösst den Menschen Angst ein. Ihr Dorf wird verschüttet und dabei alles zerstört. Viele Menschen verlieren ihr Zuhause, manche gar ihr Leben.

Didaktische Anregungen: Naturgewalten
· Nachdenken, weshalb der kleine Junge Bayany ausgerechnet eine Handvoll Lava-Erde in die Schatzkiste packt und welches seine Botschaft ist.
· Überlegen, was der Satz „Wenn Eure Zeit der reichen Ernte kommt, vergesst nicht unsere Zeit als alles mit Asche bedeckt war“ eigentlich genau bedeutet.
· Die Geschichte des Vulkans Pinatubo im Internet (Adresse siehe hinten) recherchieren und alle Infos zusammentragen.
· Sich vorstellen, wie es Banyany beim Vulkanausbruch zumute war.
· Begründen, weshalb der Pinatubo für die Menschen dort ein heiliger Berg ist, sie ihn und die Natur allgemein respektieren und sie überhaupt dort leben.
· Überlegen, welchen „Sinn“ solche Naturgewalten für den Menschen haben.
· Recherchieren, wie und weshalb ein Vulkanausbruch vor sich geht und wie sich die Menschen davor schützen können.
· Weitere bekannte Vulkane aufzählen und Geschichten dazu suchen (Krakatau, Vesuv...); vulkanische Tätigkeiten in der eigenen Region schildern.
· Obwohl 50 Jahre für das Erdzeitalter praktisch unbedeutend sind, überlegen, was sich bis ins Jahr 2050 bezüglich Naturlandschaft noch verändern könnte.
· Weitere Themen: Handwerk, Fischfang, Bienenzucht, Fotografie, Philippinen...

Hintergrund – Der Vulkan Pinatubo
Die Philippinen liegen, wie Japan oder Kalifornien, auf dem „Feuergürtel der Erde“. Es gibt noch 12 aktive Vulkane auf den Inseln. Wenn sie ausbrechen, wie zuletzt 1991 der Mount Pinatubo auf der Insel Luzon, dann trifft es wieder die Armen, diejenigen, die keinen anderen Platz zum Leben haben als am Fusse des Vulkans. – Nach gut 600 Jahren Ruhepause war dieser Ausbruch der grösste der letzten 50 Jahre. Die Eruptionswolke stieg bis in die Stratosphäre und breitete sich wie ein Regenschirm 200 km in alle Richtungen aus. Staubniederschlag wurde noch im 1200 km entfernten Indochina festgestellt und führte zu ungewöhnlichen Sonnenuntergängen. Die Ausbrüche forderten 300 Opfer, Schlammströme machten unzählige Menschen obdachlos.
 

Polen – Ohne Zukunft keine Freundschaft...

Inhalt
Die polnische Schatzkiste steht mitten im Stadtpark von Poznan. Es ist ein hoher Holzturm mit goldenem Dach und vielen Schubladen, den Kunststudent/innen mit ihren Professoren kreiert haben. Über 3000 Kinder aus ganz Polen sind mit Bussen angereist. Der Park steht ihnen einen ganzen Tag lang zur Verfügung, zum malen, basteln und feiern. Chris (11) hat selber ein Gedicht für die Schatzkiste geschrieben und berichtet über den Anlass. „Die Schatzkiste hat uns mit Super-Energie aufgeladen. Die geben wir an die Kinder der Zukunft weiter. Wir schicken ihnen unsere Energie ins Jahr 2050, damit sie gut leben werden – in einer friedlichen Zeit.“ Die polnischen Kinder sind sehr umweltbewusst. Sie schenken den Kindern der Zukunft nur Gegenstände, die sie aus natürlichen Materialien gemacht haben: zum Beispiel aus Seide, Holz, Metall und Glas. „Wir wollen den Kindern der Zukunft auf diese Weise mitteilen, dass sie sich um die Erde kümmern müssen. Sie darf nicht zur Schrotthalde verkommen, alles soll wiederverwertet werden.“ In einem Festumzug wird die Schatzkiste in die Innenstadt von Poznan geleitet und für die nächsten 50 Jahre im Innenhof des Schlosses deponiert.

Didaktische Anregungen – Freundschaft und oekologisches Bewusstsein
· Das bemerkenswerte Gedicht von Chris (11) „Ohne Zukunft gäbe es keine Freundschaft...“ nochmals abspielen und aufschreiben; versuchen zu verstehen, was er uns damit sagen will.
· Aufzählen, was es ausser Freundschaft braucht, damit wir alle eine Zukunft haben (menschliche Werte, ökologisches Handeln etc.).
· Darüber nachdenken, was Freundschaft mit umweltbewusstem Handeln gemeinsam hat (z.B. Respekt, Rücksichtnahme, Hilfe, Zuneigung, Liebe...).
· Überlegen, wie die Kinder in Polen das Thema „Freundschaft“ und „Umweltbewusstsein“ darstellen (Baum der Freundschaft, Recycling-Materialien...).
· Versuchen, Selbstporträts auf Glas zu malen und eine Art „Perpetuum mobile“ der Klasse zu fertigen.
· Austauschen, was Freundschaft für einen selber bedeutet und auflisten, was es zu echter Freundschaft braucht, bzw. was Freundschaft am meisten gefährdet.
· Auf einer Weltkarte mit Wollfäden markieren, wo wir selber mit andern Menschen freundschaftlich verbunden sind.
· Überlegen, wie es mit dem eigenen Freundeskreis im Jahr 2050 aussehen könnte.
· Weitere Themen: Polen (Land u. Leute), Holzschnitzkunst, Recycling, Kunst, Film...

Hintergrund – Das kulturelle Leben Polens
Das kulturelle Leben Polens hat in den 90-er Jahren trotz der mit der politischen Wende ver-bundenen Umstrukturierungsprobleme und finanzieller Engpässe grosse Vitalität und Vielfalt sowie ein bemerkenswert hohes Niveau bewahren und weiter entfalten können. International anerkannt ist besonders das polnische Filmschaffen (mit berühmten Regisseuren wie Andrzej Wajda oder Krzysztof Zanussi), die zeitgenössischen Komposition (Krzysztof Penderecki u.a.m.) und die polnische Literatur (Nobelpreisträger wie Milosz, Szymborska). Eine wichtige Grundlage für die Kultur ist auch die Bildungspolitik. Der Minister für nationale Bildung verfolgt ungeachtet vieler Widerstände von Interessengruppen die Bildungsreform mit den Schwer-punkten Abitur, Modernisierung der Inhalte und Lehrmethoden, zwei obligatorische Fremdsprachen für alle, drastische Anhebung der Gehälter.


Russland – Eine Zauber-Datscha aus Ton...

Inhalt
Walodja (12) hat den guten Einfall gehabt, die russische Schatzkiste aus Ton zu modellieren. Herausgekommen ist dabei ein Gefäss, das aussieht wie eine Datscha, ein mit Blumen und Tieren geschmücktes russisches Landhäuschen. „Das hält garantiert bis zum Jahr 2050 und noch viel länger. Man darf es natürlich nicht fallenlassen,“ sagt Walodja. Anvertraut wird die Schatzkiste Nika und Andrej, einem Mädchen und einem Jungen, die sich in ihrer Heimatstadt Moskau bestens auskennen. Die beiden tragen die zerbrechliche Schatzkiste vorsichtig durch die russische Hauptstadt und sammeln darin Wünsche für die Kinder der Zukunft – von den Kindern von heute. Dabei lernen sie Anja (11), die sehr schön singen kann und deren Mutter, eine Klavierlehrerin, kennen. Auch mit Sascha, der früher auf der Strasse leben musste und heute regelmässig die Glocken auf dem Kirchturm läuten darf, schliessen sie Bekanntschaft. Und im Zirkus bei Grischa, einem jungen Artisten, ist es natürlich besonders spannend. Beim abschliessenden grossen Wunschtreffen wird das kleine getöpferte Schatzkästchen randvoll und alle sind gespannt, welche Wünsche wohl im Jahr 2050 in Erfüllung gehen werden.

Didaktische Anregungen – Wünsche und Zauberei
· Meinungen zu Wolodjas Mini-Schatzkästchen aus Ton austauschen und über den Zauber, der Wünsche wahr werden lässt, nachdenken.
·  Es wird gesagt, Grosses halte in Russland sowieso nicht sehr lange, deshalb sei das Schatzkästchen klein; nachdenken, was dieser Satz bedeuten könnte. Dazu müsste man in Büchern oder im Internet etwas mehr zu Russland erfahren.
· Die Wünsche der Kinder in Russland auflisten und daneben eine Liste mit Wünschen von Kindern aus Deutschland erstellen; eine kleine Umfrage im Schulhaus könnte dabei helfen.
· Überlegen, welche Bedeutung Wünsche im Russland von heute haben.
· Der junge Artist Grischa wünscht allen Kindern mindestens 4 Zirkusse im Land; herausfinden, ob dies in Deutschland bereits der Fall ist und wie sie heissen.
· Eindrücke von Grischas Zirkus austauschen.
· Eigene Zirkuserfahrungen mit Zauberstücken erzählen oder vorführen.
· Überlegen, welche Wünsche im Jahr 2050 für die Kinder in Russland und bei uns in Erfüllung gehen werden.
· Weitere Themen: Geografie Russland, Geschichte, Kultur, Überleben im Alltag, ...

Hintergrund – Die russische Föderation auf einen Blick
Hauptstadt: Moskau (ca. 8.75 Mio. Einwohner), Fläche: 17.075.000 qkm, Einwohnerzahl: 145,6 Mio., Bev.dichte: 8,53 Einw./qkm, Nationalitäten: 81,5% Russen, 3,8% Tataren, 3 % Ukrainer, 1,2% Tschuwaschen, unter 1% Baschkiren, Weissrussen, Mordwinen, Russlanddeutsche u.a., Landessprache: Russisch, Religionen: Russisch-orthodox, Islam, Regierungsform: Präsidialdemokratie mit föderativem Staatsaufbau, Staatsoberhaupt: Prä-sident: Wladimir Putin (ab 7.5.2000), Parlament: Föderationsversammlung, bestehend aus: Staatsduma (450 Deputierte) und Föderationsrat (178 Vertreter/innen), Mitgliedschaft: UNO (Sicherheitsrat), IWF (Internat. Währungsfonds), Weltbank, OSZE, Europarat, etc. Geschichte: 1917 Oktoberrevolution, danach UdSSR (Sowjetunion) mit kommunistischem Regime, 1989 Einleitung der Wende, UdSSR zerfällt in Teilstaaten, u.a. Russland


Südafrika - Tanzen überwindet Grenzen...

Inhalt
Lerato (12), die Tänzerin werden will, Hussein (11), indischer Abstammung oder William (12), mit dem Bauarbeiterhut verkörpern die erste junge Generation in Südafrika, die ohne Rassentrennung aufwächst. Sie stammen aus ganz verschiedenen Gegenden des Landes und kommen aus sehr unterschiedlichen Familienverhältnissen. Was sie der Schatzkiste anvertrauen, hat viel mit ihrer eigenen Geschichte zu tun. Geprägt sind ihre Erlebnisse nicht zuletzt von der Umgebung, in der sie aufgewachsen sind, sei es das Township (slumartiger Vorort der Grossstädte), das Villenquartier oder die Strasse. Neu ist für Südafrika, dass all diese Kinder, egal welcher Hautfarbe und Religion, gemeinsam zur Schule gehen und zusammen Zeichnungen, Gedichte oder Bastelarbeiten für die Schatzkiste anfertigen. Damit verbunden sind auch ihre Wünsche für die Zukunft, wie zum Beispiel die Rettung von bedrohten Tierarten, der Kampf gegen Verbrechen und die Umweltverschmutzung... Singend und tanzend empfangen die Kinder im ganzen Land die bunt bemalte Schatzkiste, die schliesslich bis ins Jahr 2050 in einem Museum in Pretoria aufbewahrt wird.

Didaktische Anregungen - Tanzen
· Spontane Meinungen zu den Tanzszenen mit der 12-jährigen Lerato austauschen. Was drücken diese Tänze für einen selber aus.
· Aufzählen, was man mit Tanz alles ausdrücken kann (Gefühle wie Freude oder Wut, Geschicklichkeit, Akrobatik...). Unter dem Apartheidregime spielten Tänze immer wieder eine wichtige Rolle: Für den Zusammenhalt, das Gemeinschaftsgefühl, als Ausdruck von Wut und Empörung, von politischer Aktivität.
· Beschreiben, welche verschiedenen Arten von Tanz im Film vorkommen (vom traditionellen Stammestanz bis zum modernen Rap).
· Die eigenen Vorlieben austauschen und überlegen, weshalb die Kinder gerade diese Art von Tanz ausgewählt haben.
· Von den eigenen Tanzerfahrungen erzählen und eventuell mit Bildern aus dem Familienalbum dokumentieren.
· Ton- oder Videobeispiele von verschiedenen Tänzen aus dem eigenen Land mitbringen, gemeinsam sichten und über ihre Herkunft nachdenken.
· Im Fach Sport selber einen Tanz einüben (Literatur siehe hinten).
· Überlegen, welche Art von Tänzen wohl im Jahr 2050 aktuell sein wird.
· Weitere Themen: Kulturelle Vielfalt, Rassismus, Geschichte der Apartheid...

Hintergrund - Die Zeit der Apartheid (Rassentrennung)
Am 2. Februar 1990 verkündet der damalige Staatspräsident de Klerk, Nelson Mandela, der wegen seinem Kampf gegen das Apartheidregime 27 Jahre im Gefängnis sass, werde entlassen. Ein Freudentag und gleichzeitig das Ende einer Ära, die 1652 mit der Landung der holländischen Buren (Bauern) begann. Sie gründeten eine Versorgungsstation für ihre Schiffe, wurden aber 1806 von den Briten verdrängt. Buren und Briten gründeten später eine Union und legten mit dem Landgesetz und der Job-Reservierung den Grundstein für das Apartheidsystem. Die Freiheitscharta des African National Congress (ANC) von 1955 für die Einhaltung der Grundrechte aller Menschen wurde erst 40 Jahre später umgesetzt. Mandela wurde Präsident und setzte eine Wahrheits- und Versöhnungskommission ein, die die Verbrechen der Vergangenheit zum Wohle von Tätern und Opfern aufarbeiten sollte.


Tansania - Sandalen aus Tierhaut und Autoreifen...

Inhalt
Unter der Obhut des guten Geistes wird eine Schatzkiste in Form einer kleinen Hütte gebaut, damit Kinder aus dem ganzen Land ihre Botschaft darin plazieren können, ob Massai aus der Steppe, Strassenkinder aus der Grossstadt oder Bewohner/innen der Küstenregion. Der 10-jährige Sebastian zum Beispiel formt eine Tasse aus Ton, Asha eine Figur einer schwangeren Frau. In Tingatinga werden tolle Bilder von Tieren der Steppe gemalt und Schmuckstücke aus Korallen hergestellt. Die Massai, die grossen Wert auf das Äussere legen, steuern ihre selbstgefertigten Schuhe aus Tierhaut oder Autoreifen bei. Dann wird die Schatzkiste farbig bemalt und auf einem Anhänger in die Hauptstadt Dar es Salaam gebracht. Dort herrscht buntes Treiben; in einem Zentrum für Kinder tanzen die Strassenkinder und führen akrobatische Kunststücke vor. Die jungen Massai bringen ihren selbstgemachten Kopfschmuck und die Sandalen persönlich in die Hauptstadt. Selbst von einer Insel fahren die Kinder mit ihrer Botschaft per Schiff zur Schatzkiste. Alle Botschaften wie zum Beispiel auch Hocker, Trommeln, Schlagstöcke, Bilder, Skulpturen etc. werden von einem Mädchen sorgfältig verstaut, der Schlüssel vom Direktor der Museen verwahrt.

Didaktische Anregungen – Bedrohte Völker
· Beobachtungsaufgaben vor dem Betrachten des Films stellen; zum Beispiel bezüglich dem äusseren Erscheinen der Massai und deren Gewohnheiten und Bräuche.
· Das Beobachtete zusammentragen und an die Wand pinnen. Fragen dazu formulieren und weitere Informationen und Bildmaterial über die Kultur der Massai recherchieren (Internetadressen siehe hinten).
· Nachdenken, worin die grösste Bedrohung für das Volk der Massai heute besteht.
· Weitere Völker aufzählen, die bedroht sind (Amazonas, Arktis, Malaysia etc.).
· Überlegen, was wir selber tun könnten, um zum Überleben dieser Völker beizutragen; als Schüler/innnen, zukünftige Tourist/innen...
· Sich über die Länder Tansania und Kenia (in beiden Staaten leben die Massai) informieren; ein kleines Länderporträt anfertigen (Internetadresse siehe hinten).
· Die Kleidung der Massai genauer unter die Lupe nehmen und herausfinden, woraus ihre Kleidungsstücke, ihr Schmuck etc. gefertigt ist.
· Selber Sandalen aus alten Autoreifen basteln und ausprobieren.
· Sich vorstellen, wie weit der „Fortschritt“ bei den Massai im Jahr 2050 Einzug gehalten haben wird.
· Weitere Themen: Handwerk, Recycling, Tourismus, Kenia/Tansania...

Hintergrund - Die Massai, ein Volk mit Traditionen
Die Massai, Sprecher der Maa-Sprache, leben als Halbnomaden oder sesshafte Bodenbauern im Great Rift Valley (ca.1100 km lang) von Tansania und Kenia. Seit Jahrhunderten leben sie völlig angepasst in dieser Savannenlandschaft. Als Viehzüchter sind sie der festen Über-zeugung, dass alle Rinder dieser Erde ihr Eigentum sind. In 12 Stammesgebieten leben etwa 400.000 Massai. Jeder Stamm hat seinen eigenen Namen, Dialekt, sein Land, seine Zeremonien und politische Autorität. Das ganze kulturelle Leben ist durch das strenge Altersklassensystem der Männer bestimmt: Kinder werden zu Kriegern (durch die Beschnei-dung emorata), Krieger moran zu Familienvätern ennoto, Väter zu Alten laibon. Bedroht wer-den die Massai vor allem durch fehlende Weidegründe und zunehmenden Tourismus.


Tibet (Dharamsala) - Weihrauch zum Frühstück...

Inhalt
In Dharamsala, einer Stadt in den Bergen im Nordosten Indiens, leben viele Tibeter/innen, die aus ihrem Land geflüchtet sind. Seit 1950 ist das Land von der Volksrepublik China besetzt. Somma und ihr Bruder wohnen bei ihren Eltern und besuchen die Schule des tibetischen Kinderdorfes. Die meisten der über 2000 Kinder im Internat sind aber ohne ihre Eltern nach Indien gekommen. Sie alle stammen aus Tibet. Alle sind fasziniert von der Idee der Schatzkiste und machen sich sofort an die Arbeit; es entstehen Zeichnungen, Collagen, Bastelarbeiten, ein Video mit Liedern von Jungen vorgetragen, ja sogar Instrumente. Lobsang (13) zum Beispiel legt ein tibetisches Gebetbuch in die Kiste; er hat nämlich Angst, dass seine Religion in 50 Jahren verschwunden sein wird. Er schildert die Flucht seiner Familie nach Indien. Tenzings (13) Beitrag: Eine selber gemachte Fahne von Tibet. Ein anderer Junge will Arzt werden und legt ein Stethoskop in die Kiste. Bei einem Instrumentenmacher wird ein tibetisches Lied gesungen. Schliesslich wird die Kiste geschlossen und der Geschichtenerzähler hofft, dass sie einst im Tibet geöffnet werden kann.

Didaktische Anregungen – Religion als Kultur
· Das morgendliche Weihräuchern der Wohnung ist nur ein Beispiel für die allgegenwärtige Religion der Tibeter/innen; weitere Beispiele aufzählen.
· Nachdenken, bei welchen Gelegenheiten und wozu bei uns Weihrauch noch verwendet wird.
· Die Wohnung von Somma und ihrem Bruder beschreiben und sagen, was einen erstaunt oder was ähnlich ist wie bei uns.
· Aufschreiben, welche Kleider bei welchen Gelegenheiten die Kinder im Film tragen; überlegen, welche Bedeutung Jeans und T-Shirts für die Kinder im Tibet haben
· Überlegen, wie es wäre, wenn wir mit unseren Familien im Exil in England oder Frankreich leben müssten und was wir von unserer Kultur beihalten würden.
· Aufzählen, was die tibetanische Kultur ausmacht und Stichworte an eine Wand pinnen. Überlegen, weshalb die Menschen im Tibet so an ihrer Kultur, sprich Religion hängen.
· Beschreiben, was unsere eigene Kultur ausmacht.
· Sich über die Lehre Buddhas, Grundlage des tibetischen Glaubens, informieren. Themen wie „Frieden“ und „gewaltfreier Widerstand“ diskutieren.
· Lobsang (13) hat Angst, dass seine Religion in 50 Jahren verschwunden sein wird; mögliche Gründe dafür suchen.
· Weitere Themen: Geschichte Tibets, Flüchtlinge, China, Unabhängigkeitskampf, ...

Hintergrund – Tibets Kampf um Unabhängigkeit
Keine Nation kam Tibet 1950 zu Hilfe, als es auf Befehl Maos von den Chinesen besetzt wurde. Tibet ist vergessen worden, obwohl 1,2 Mio. von 6 Mio. Tibeter/innen seit der chinesischen Besetzung ums Leben gekommen sind. Hunger, Folter, Massaker und Hinrichtungen waren an der Tagesordnung. Ursprünglich gehörte das Land dem Staat und dem Dalai Lama, dem geistigen und weltlichen Oberhaupt der Tibeter/innen. Er musste 1959 fliehen und lebt seitdem in Indien im Exil. 1989 wurde ihm aufgrund seines unermüdlichen Einsatzes für den gewaltfreien Widerstand der Friedensnobelpreis verliehen. Er wird als Wiedergeburt des Buddha betrachtet; der Buddhismus beschäftigt sich mit der zentralen Frage, wie für alle Wesen Leiden vermieden und Glück erlangt werden kann.


Türkei – Papierdrachen über Ankara...

Inhalt
Der junge Mehmet lebt in dem kleinen Dorf Akdere, irgendwo in der Türkei. In der dortigen Schule steht verlassen eine schöne Aussteuertruhe, die einst zu spät zu einer Hochzeit eingetroffen ist und nun nicht mehr gebraucht wird. Während eines Schattentheaters im Unterricht kommt die Idee, die Truhe als Schatzkiste zu verwenden. Die Kinder schreiben einen Brief an die Kinder der Zukunft und schildern ihnen das Leben im Dorf. Sie verzieren den Innendeckel und legen ihre Botschaften in die Schatzkiste. Doch weil sie nicht einmal halbvoll wird, schicken die Kinder die originelle Schatzkiste in die grosse Stadt Ankara in ein Zentrum für Strassenkinder. Dort hält sich ab und zu auch Cöcan (12) auf, der eigentlich zuoberst im Armenviertel lebt und mit dem Verkauf von Papiertaschentüchern etwas für seine Familie und für den Kauf von Schulmaterial verdient. Im Strassenkinderzentrum entdeckt er die Schatzkiste und bastelt spontan einen einfachen Papierdrachen als Symbol für die Freiheit. Im Kindertheater Tempo wird die Schatzkiste weiter gefüllt und die Kinder äussern ihre Zukunftswünsche: Arzt werden, fliegen können, Computer studieren, Briefe von Kindern aus aller Welt erhalten, ein grosses Fest mit einem Feuerwerk für alle Kinder dieser Welt...

Didaktische Anregungen - Strassenkinder
· Versuchen, selber einen Papierdrachen zu basteln und fliegen zu lassen.
· Beschreiben, wie sich das Leben auf der Strasse für Cöcan (12) abspielt.
· Das Stadtviertel von Cöcan genauer unter die Lupe nehmen und mit der Lebenssituation auf dem Land vergleichen.
· Nachdenken, wie Cöcan es schafft, Schule und Lebensunterhalt verdienen unter einen Hut zu bringen und wie es ihm gefühlsmässig dabei geht.
· Gründe dafür suchen, weshalb der Junge Papiertaschentücher verkaufen muss.
· Die schönen und die eher gefährlichen Seiten des Lebens als Strassenkind schildern (zum Beispiel Spiel, Schule, Arbeit, Gewalt...).
· Nachdenken, wie es mit der Solidarität unter den Strassenkindern stehen könnte.
· Überlegen, ob es in Deutschland auch Strassenkinder gibt.
· Eigene Beispiele erzählen, wo und weshalb Kinder in Deutschland einem „Nebenverdienst“ nachgehen; eigene Erfahrungen austauschen.
· Die Zukunftswünsche der Kinder in der Türkei mit denjenigen von uns selber vergleichen.
· Überlegen, wie die Situation der Kinder in 50 Jahren wohl aussehen könnte.
· Weitere Themen: Gegensatz Stadt/Land, Tourismus, Kultur, Kurden-Frage...

Hintergrund - Menschenrechte in der Türkei
1923 wurde die Türkei als geeinte „Nation“ aus dem Traum eines Mannes geboren: Kemal Atatürk. Obwohl das Land heute eine parlamentarische Demokratie hat, ist aber die Meinungs-freiheit ständig in Gefahr. Die blutige Auseinandersetzung zwischen dem Staat und der be-waffneten Opposition bestimmt seit 12 Jahren den politischen Alltag. Brutale Menschen-rechtsverletzungen nehmen überhand. Unter dem Vorwand der Bekämpfung des kurdischen „Separatismus“ werden unter anderem auch Kinder verhaftet, festgehalten, gefoltert, miss-braucht oder sogar getötet. Friedlicher politischer Protest wird nach Artikel 8 des Anti-Terror-Gesetzes geahndet. Der bekannteste türkische Schriftsteller, Yasar Kamal, wurde 1996 wegen einem Buch über „Gedankenfreiheit in der Türkei“ verurteilt.

  
Literaturtipps u. Internet-Adressen
Allgemeines
·
www.kindercampus.de Internet-Seite für die virtuelle Schatzkiste
·
www.auswaertiges-amt.de Kurzinformationen und diverse Länderporträts
·
www.epo.de Informationen zu allen Sachgebieten und Nord/Süd-Themen, Suchmaschinen (z.B. FAST)
·
www.northernlight.com Suchmaschine für alle Themen
·
www.ezef.de Filmbeschriebe, Arbeitshilfen, Beratung
· So lebt der Mensch Familien in aller Welt zeigen, was sie haben; Fotoband von Peter Menzel, 1998 GEO im Verlag Gruner u. Jahr
· Freizeit, Reisen, Tourismus; M. Gujer, M. Andres, Verlag an der Ruhr 1998

Zu den einzelnen Ländern
Belarus (Weissrussland) 
www.tschernobyl.de (Reaktorkatastrophe von Tschernobyl)
Deutschland Miteinander – Wir sind Kinder aus vielen Ländern, I.Jäger-Gutjahr, Klett 1995
  Interkulturelles Lernen – Geografie heute; Friedrich 1996
  Arbeitsbuch gegen Ausländerfeindlichkeit; W.Heigl, Beltz, 1996
Griechenland 
www.reiseenduro.de
  Es war einmal, es war keinmal...; ein multikulturelles Lese- u. Arbeitsbuch, Ulich/Oberhuemer, Beltz 1985
Kanada (Eskimos/Inuit) Eskimokartei zum Buch „Julie von den Wölfen“; B.Seidler, Verlag an der Ruhr 1991 
 
www.epo.de  (anklicken: Internet-Recherchen, Umgang mit Suchmaschinen, FAST, eingeben: Inuit Kanada...)
 
www.gfbv.de  (Gesellschaft für bedrohte Völker) 
Mexico Mexico; K.Biermann, Beck, 1993, 151 Seiten, Sachtexte u. Karten zu Geografie, Kultur, Geschichte...
 Mexico verstehen; Sympathie Magazin Nr. 5,
 Studienkreis für Tourismus, 1994 
 
www.wwf.de (World Wildlife Fond, bedrohte Tierarten)
Philippinen Philippinen: Verstehen u. verstanden werden; K.de Buhr-Kriett, Interkom, Bonn 1992
  Philippinen; Deutsche Welthungerhilfe, Bonn 1996
  
www.epo.de
Polen www.auswaertiges-amt.de
Russland 
www.auswaertiges-amt.de (Russische Föderation)
Südafrika Afrikanische Tänze und Rhythmen; Cheikh Tidiane Niane, B.Brugger, I. Blersch, Arbor 1995
  Südafrika nach der Apartheid; Cornelsen Aktuelle Landkarte, 1995
Tansania 
www.auswaertiges-amt.de (Tansania)
  
www.epo.de (Massai)
  
www.orf.at (Dok.film über die Massai, Oktober 2000)
Tibet (Dharamsala) Tibet; Unterrichtsmappe v. Regina Behrendt, Verlag an der Ruhr 1997
Türkei  Die Strassen der Kinder; Geschichten, Strategien, Projekte; R.Leuthold, terre des hommes, 1996
 
www.amnesty.de (Menschenrechte)                                         


Verleih: EMZ Berlin, Düsseldorf, Eisenach, Frankfurt, Hannover, Magdeburg, Nürnberg, Stuttgart,
Nur Filme von Mexiko, Tansania, Südafrika, Philippinen, Tibet
vorhanden: EMZ Bielefeld, Bremen, Dessau, Dresden, Greifswald, Hamburg, Kassel, Speyer

 

 

November 2000                                                       Peter Meier


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