EZEF-Arbeitshilfe
Mossane
Nr. 131
Safi Faye, Senegal/Frankreich/Deutschland 1996 Spielfilm, 105 Min., Farbe, OmU Verleih 16mm: EZEF Verleih Video: anzufragen bei EZEF
Inhalt:
An einem Meeresarm der senegalesischen Atlantikküste liegt das kleine Dorf M’Bissel.
Der Film erzählt von diesem Dorf und seinen Bewohnern. Eine junge Frau von 14 Jahren steht im Mittelpunkt des Geschehens. Ihr Name - Mossane - bedeutet in der Sprache der Serer „Die Schönheit“.
Der Film beginnt mit einem eindrucksvollen Bild. Im Gegenlicht ist eine Frau beim Bad in gleißenden Meereswellen zu beobachten. Dann sieht man drei Männer um ein Feuer hocken und zu einen Lied, das eine Frau mit voller Stimme singt, die Köpfe rhythmisch hin und her bewegen. Die nächste Szene spielt sich im Haus der Eltern ab: Ngor, Mossanes kranker Bruder, wird von der Mutter Mingue umsorgt. Sie schickt Mossane zu ihrem Onkel Baak, dem Heiler, um Hilfe zu holen. Auf dem Weg dorthin folgen ihr zwei kleine Jungen, die sich sogar von ihrem Fußballspiel trennen, um mit Mossane zusammen den langen Weg zu gehen. Der Heiler vertröstet Mossane und sagt ihr, er werde, wenn er seine Patienten versorgt hätte, zu Mingue kommen. Dann der Rückweg: Man sieht von weitem schon den Wagen, der schwerfällig von einem Pferd durch den Uferschlick gezogen wird. Als das Fuhrwerk den Weg Mossanes kreuzt, rufen zwei Männer vom Wagen herab: „Mossane, Cousine, komm hoch. Komm rauf, fahr mit uns!“ Sie freuen sich sehr, Mossane zu sehen. Es sind zwei Studenten, die an einem Streik teilgenommen haben und deshalb noch vor der Auszahlung der Stipendien von der Universität geflogen sind. Im Dorf wird der Wagen von vielen Menschen umringt. Sie rufen ihnen zu, wie sie sich freuen über ihre Ankunft. Zu Hause angekommen, wird Mossane von ihrer Mutter zur Rede gestellt, wie sie es wohl wagen konnte, gemeinsam mit den beiden Studenten Fara und Ndiak zu fahren: „Was sollen denn die Leute im Dorf denken?“ Kurz darauf sieht man Mossane unter einem Baum sitzen. Ihre Freundin Dibor kommt hinzu, setzt sich zu ihr hin und fragt, ob sie etwas für Diogoye näht und ob er noch bei Concorde la Fayette in Frankreich arbeitet. Mossane schüttelt unwillig den Kopf. Und als Dibor noch eine weitere Bemerkung macht und auf die Ankunft der Studenten hinweist, reagiert Mossane noch abweisender. Dann holt Dibor, die bereits verheiratet ist, unter ihrem Rock einen Fotoroman hervor, um ihn Mossane zu zeigen. Mit der Bemerkung, „Das kenne ich schon. Das will ich jetzt nicht sehen,“ wehrt Mossane auch dieses Gesprächsangebot ab. Auf den Ruf der Mutter hin, steht sie auf und geht ins Haus. Inzwischen ist der Heiler gekommen. Er durchquert die Schmiede-Werkstatt des Vaters. Farba und der Gast begrüßen sich. Mossane Vater sagt diesem: „Deine Schwester wartet schon auf dich!“ Im Haus liegt der kranke Bruder. Die sorgenvoll blickende Mutter bittet Mossane, einen Korb zu holen. Der Heiler schüttet seine Muscheln und Steinchen hinein und fährt mit der Hand darüber, um alle Teile miteinander zu vermischen. Das wiederholt er dreimal. Mit konzentriertem Gesicht sagt er dann zur Mutter: „Ich höre in seinem Herzen und in seiner Leber eine grausame Sprache. Die muß ausgelöscht werden.“
Die Szene wechselt. Alle Bewohner des Dorfes gehen auf einen großen Baobab-Baum zu. Er ist der zentrale Ort für Opferungen. In ihm wird MAISSA ALY DIONE, der Gründer des Dorfes M’Bissel und Erster Monarch verehrt. Die Frauen und Männer gehen um den Baum herum und singen und tanzen. Dann gibt der Leiter der Zeremonie ein Zeichen und fordert die Frauen auf, ihre vollen Kalebassen unter den Baum zu stellen. Der Mann beginnt dann, die Kalebassen auszuleeren und den Baum damit zu begießen.
Mossane ist unter den Frauen und Männern, die um den Baum versammelt sind. Alle beten. Da kommt von hinten Fara, er flüstert ihr ins Ohr, aber sie schüttelt energisch den Kopf. Auf ein nochmaliges Bitten von Fara willigt sie ein und geht mit ihm weg. Einige Frauen, die das gesehen haben, blicken den beiden nach. Kurz darauf sind Mossane und Fara wieder zu sehen. Sie tollen herum, spielen Fangen bis sie sich ganz erschöpft ins Gras fallen lassen. Als Fara sich Mossane nähern will, weist sie lächelnd zurück, um sich danach doch von ihm küssen zu lassen.
Es folgt eine Szene im Haus. Gäste sind eingeladen, Mossane hat das Essen zubereitet und wird dafür gelobt - nicht ohne von der Tante ermahnt zu werden, nicht soviel in der Küche zu stehen und zu kochen, damit ihre Gesichtshaut nicht angegriffen wird. Als ein Gespräch über Diogoye beginnt, schickt Mutter Mingue sie nach draußen, damit sie den kleinen Bettler, der schon lange mit seinem Singsang auf sich aufmerksam gemacht hat, mit Essen versorgt. Mit einem Segen für sie und ihre Familie begibt sich der kleine Bettler erneut auf seinen Wanderweg.
Dieser Sequenz folgt eine Liebeszene mit ihrer Freundin Dibor und deren Mann. Als Mossane von weitem ihre Freundin ruft, sagt diese zu ihrem Mann: „Verschwinde, Mossane ist noch ein Kind.“ Mossane kommt nicht dazu, ihr von Fara zu erzählen. Das Herz von Dibor ist zu voll von ihrem eigenen Erleben.
Jetzt kommt wohl die schönste Szene aus dem Film: Der kleine Bruder von Fara hatte Mossane gebeten, zu Fara zu kommen. Nun sieht man wie Mossane und Fara ganz gelassen Hand in Hand zum Meer gehen. Dann kommt hinter einer kleinen Insel ganz langsam ein Boot hervor. Als es näher herankommt, sieht man Mossane mit einem wunderschönen Kleid. Der Wind bläht die Ärmel auf. Ihr Gesicht strahlt Glück aus. Viele hochfliegende Pelikane beenden die Szene.
Der Heiler Baak geht durch das Dorf. Er sieht seine Schwester Mingue weinend auf der Terrasse sitzen, begibt sich zu ihr, legt seinen Arm um ihre Schulter und geht mit ihr ins Haus zu Ngor. Er führt noch einmal seine Rituale durch. Mit seiner Diagnose knüpft er an seinen ersten Besuch an und rät seiner Schwester zugleich zu folgender Therapie: „Ngor hat eine Beziehung zu Mossane, die verdächtig ist. Die beiden müssen vom Schlaf in den Traum und von dort in die Realität gehen. Wenn Ngor nicht mit Mossane ‘verbunden’ wird, wird bei ihm eine Blockade entstehen. Mossane muß verheiratet werden. Ihre Schönheit sorgt für Zwietracht und Mißklang. Richte die Feier am besten weit entfernt vom Dorf aus.“
Mingue geht zu ihrem Mann und erzählt ihm, was der Heiler angeordnet hat. Am gleichen Abend geht Farba mit seinen Sohn und seiner Tochter an eine Stelle, wo er bereits eine Grube ausgehoben hat. Sie setzen sich auf eine Matte und Farba erklärt ihnen, daß sie in ihrer Kindheit und Jugend zu fest miteinander verbunden waren. Er läßt sie in die Grube steigen - mit dem rechten Fuß zuerst, weil der linke Unglück bringt. Danach umwickelt er Ngor und Mossane, die Rücken an Rücken stehen, mit einem Seil. Während der Nacht sagt Mossane zu ihrem Bruder: „Wenn ich mich zu dir herumdrehen könnte, würde ich dich solange ansehen, bist du blind wirst!“ Am Morgen werden die beiden von der Mutter losgebunden. Sie sagt zu Ngor: „Zieh dich an, ich bringe dich jetzt zu dem Onkel, damit er die Behandlung weiterführen kann. Und du, Mossane, schaufelst die Erde wieder in die Grube und ziehst dich danach an.“ Einen Augenblick später setzt prasselnder Regen ein.
Aus Frankreich kommt ein dicker Brief ins Haus von Mingue und Farba. Und damit nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Der Lehrer wird geholt, um den Brief vorzulesen. Diogoye schreibt: „Als Mossane geboren worden ist, wurde sie mir als spätere Ehefrau versprochen. Ich habe mich lange zurückgehalten. Jetzt nähert sich der Zeitpunkt der Heirat. Seit längerer Zeit ist schon alles vorbereitet. Da ich bei Concorde la Fayette viel verdient habe, ist Mossanes Zukunft und Eure gesichert.“ Die Eltern reagieren stolz und erfreut auf den Brief ihres zukünftigen Schwiegersohns. Bei einem Gang auf den Markt wird Mingue sogleich von den anderen Frauen bestürmt: „Wie geht es Mossane? Wir haben gehört, daß die Hochzeit mit Diogoye bevorsteht.“
Die Reaktion der Großmutter, die bis dahin kein Wort gesagt hat, ist ganz anders. Sie geht zu Dibor. Beide schimpfen über die Haltung der Eltern. Sie sind gegen die Hochzeit. Sie be-schließen, daß die Großmutter zu Mingue geht, um ihr ins Gewissen zu reden. Eine andere Szene: Zwei kleine Jungen sitzen sich gegenüber auf einem Baum und mach ihrem Herzen Luft. „Hätte Fara ihr ein Kind gemacht, wäre Diogoye ‘gearscht’ gewesen.“
Samba, den Mossane das „Auskunftsbüro“ nennt, hat jetzt seine große Zeit. Er spricht mit Mingue. Dann wieder mit Mossane, dann mit dem Vater von Fara usw.
Die Großmutter geht zu Mingue, um mit ihr über Mossane zu sprechen. „Man verbrennt keinen Baum, der Früchte trägt. Wenn Mossane traurig ist, dann bin ich auch traurig. Wenn Mossane weint, leide ich. Versprich mir, daß du barmherzig zu ihr bist.“ Im Weggehen hebt sie ihre Hände hoch und sagt: „Die Geister mögen uns beistehen!“
Bisher hat Mossane geschwiegen. Doch nun platzt sie in die Küche herein und schreit ihre Mutter an: Mit meiner Heirat habe ich auch etwas zu tun. Und ich will den Mann heiraten, den ich liebe, Fara! Du hättest einen Minister heiraten sollen, dann brauchtest du jetzt nicht mich zu verkaufen!“ Die Mutter ist entsetzt. Der Vater hat von dem Streit gehört und wirft vor Wut eine Stange nach Mossane. Unbeirrt setzen die Eltern die Vorbereitung der Hochzeit fort.
Die Studenten haben über das Radio erfahren, daß die Streiks zu Ende sind. Das bedeutet für sie: Sie müssen in die Stadt zurück. Ndiak und Fara sprechen miteinander. Ndiak empört sich: „Mossanes Eltern sind auch meine Eltern. Und jetzt verkaufen sie meine Cousine!“ Fara ist ratlos. Er ist ein armer Student. Liebe gilt nichts, nur Geld.
Die Hochzeitsvorbereitungen laufen auf Hochtouren. Dann treffen die Pakete von Diogoye ein. Alle Dorfleute versammeln sich. Auch die Eltern, Geschwister und Verwandte von Diogoye kommen. Sie werden von Mingue herzlich begrüßt. Samba hat es übernommen, die Geschenke auszupacken. Sie sind in viele große Kisten verpackt. Auch hat er die Aufgabe, Geldgeschenke an die verschiedenen Gruppen des Dorfes zu verteilen. Mossane sitzt derweil auf der Terrasse wie eine Statue. Sie hat ein langes weißes Tuch um, das nicht nur ihren Kopf, sondern den ganzen Körper bedeckt. Nun erhebt sie sich, tritt nach vorn und hält an die Versammlung eine Rede. Sie weiß, daß so etwas völlig unüblich ist. Die Mutter möchte sie noch zum Schweigen bringen. Trotzdem redet sie und sagt, daß sie Diogoye auf keinen Fall heirate.
Doch ihr Protest nützt nichts. Der Vater erinnert an das Versprechen, welches die Eltern bei ihrer Geburt gemacht hätten und befiehlt Mossane mit den Worten „Ehre geht vor Gefühl“, den Ehevertrag zu schließen. Mossane sieht nur noch eine Möglichkeit. Als es dunkel wird, ergreift sie die Flucht. Fara und Ndiak trifft sie nicht an. Sie sind bereits zur Universität aufgebrochen. Laut um Hilfe schreiend läuft sie deshalb weiter zum Meer, nimmt sich eines der dort liegenden Boote und rudert damit fort. Als sie das Ruder verliert, gerät das Boot in einen Strudel, kippt um und Mossane ertrinkt. Währenddessen ist ihre Abwesenheit von der Mutter bemerkt worden. Aber die Suche verläuft ergebnislos. Am nächsten Morgen finden einige Dorfbewohner die tote Mossane am Ufer. Ein großes Wehgeschrei erhebt sich. Der Film endet wie er angefangen hat. Die drei Bettler sitzen wieder am Feuer und singen die Legende von dem Mädchen, dessen Schönheit ihm zum Verhängnis wird.
Zum Film:
„Es sind die kontraststarken Farben, die Muster und das Licht, die diesen Film so klar und nah erscheinen lassen. Und seine durchlässige Tonspur, die auch in Innenräumen noch die letzte ferne Regung des Dorfes registriert. Vor allem überführt die Regisseurin Safi Faye den Zu-schauer unmerklich in das Raum- und Zeitempfinden ihrer Figuren. So bekommt eine Pferde-karrenfahrt über die Lagune wirkliche Dauer. - Durch den Trott des Tieres, durch entgegen-kommende Bekannte, wechselnde Programme aus dem Transistorradio, Veränderungen der Landschaft. Im Dorf selbst gibt es keinen geschlossenen Raum. Immer wieder blickt die Kamera durch Fenster, Zaunlücken, erspäht bei vertrauten Gesprächen plötzlich Menschen im Hintergrund. Jede Situation kann im nächsten Moment geöffnet werden, in andere größere Bereiche übergehen, bis in die grenzenlose ausgetrocknete Weite. Im Film wirkt die Ebene mit ihren vereinzelten Bäumen so alt und unendlich wie das Firmament.“ (Aus: TIP 12.11.97) Der Film wird eingerahmt von einem Lied, das eine alte Legende besingt: Einem Mädchen wird seine Schönheit zum Verhängnis, es muß vor der Erfüllung seiner Liebe sterben. Safi Faye zu ihrem Film: „Die Situation der Afrikanerinnen ist nicht mehr nur eine Frage des Gegensatzes zwischen den feudalistischen Traditionen und dem Ruf nach Moderne. Für Mossane und Millionen anderer Mädchen bedeutet es nicht weniger als wirtschaftliche Erpressung.“
Zur Regisseurin:
Safi Faye wurde 1943 in Dakar, Senegal, geboren. Zunächst arbeitete sie als Lehrerin in Dakar. Um Ethnologie zu studieren, ging sie nach Paris. Als Schauspielerin erwarb sie in einem Spielfilm von Jean Rouch erste Erfahrungen mit dem Medium Film. Um ihre ethnologischen Forschungen bei den Serern in Senegal auch filmisch dokumentieren zu können, studierte sie Film.
Zur Arbeit mit dem Film:
Der Film ist für die Jugend-, Konfirmanden- und Erwachsenenarbeit in der Gemeinde, sowie für die Schule geeignet. MOSSANE vermittelt uns sowohl typische Probleme eines afrikanischen Landes, indem er die kulturellen und religiösen Grundlagen einer uns fremden, in eigenen Tradtionen verwurzelten Gesellschaft zeigt, die von uns Respekt und Achtung fordern. Der Film bietet aber auch Anknüpfungspunkte an unsere Realtiät, insbesondere in dem gezeigten Generationskonflikt. Daß sich Jugendliche mit Mossane identifizieren können, wurde in der Begründung der Jury des Frankfurter Kinder- und Jugendfilmfestivals deutlich, wo der Film 1997 mit dem Haupt-preis ausgezeichnet wurde. „Die Erwachsenen denken immer nur, daß wir ‘action’ und ‘fun’ auf der Leinwand haben wollen, aber wir wollen Filme mit Inhalt sehen, Geschichten, die uns betreffen“, zitiert die Presseerklärung des Festivals ein jugendliches Jury-Mitglied.
Die Begründung der Jury, die aus fünf Kindern und fünf Erwachsenen zusammengesetzt war, unterstreicht diese Position nochmals: „In einer sehr eindrucksvollen Weise beschreibt der Film für ältere Kinder, wie ein Mädchen sich gegen Familie, Tradition und Habgier in ihrem Dorf auflehnt. Der Film schafft es, durch seine dichte Athmospäre einen Einblick in afrikanische Lebensweise in einem senegalesischen Dorf zu geben. Ganz besonders beeindruckt waren wir davon, mit welcher Konsequenz die Mossane-Darstellerin ihren Weg geht. Auch wenn der Film einen traurigen Schluß hat, endet er dennoch mit einem Sieg für die Frauen.“
Folgende Arbeitsmethoden bieten sich an:
- sich mit jeweils einer Person aus dem Film beschäftigen, ihre Beziehung zu anderen Personen des Dorfes schildern - Welche Rolle den Frauen in dieser afrikanischen Gesellschaft der Serer zukommt, ist sicherlich das zentrale Thema: - Mossane hat ihre Kraft zum Widerstand von den Frauen. Ihre Mutter Mingue entscheidet alle familiären Angelegenheiten. - Die Haltung der Großmutter zur Frage der Eheschließung mit dem Migranten Diogoye. - Der weitgehende Ausschluß aus dem Bildungssystem macht es den Frauen unmöglich, ihre dörfliche Gemeinschaft zu verlassen und für das eigene Auskommen zu zu sorgen. Ein Bei- spiel dafür: Der Vater nimmt seine Tochter Mossane vorzeitig von der Schule und begründet das damit, daß sie keine „Zwitterbildung“ haben soll. Unter „Zwitterbildung“ versteht er, wenn jemand „auf zwei Pferden zugleich reitet“. So hat Mossane keine Möglichkeit, ihren Freund Fara finanziell zu unterstützen - Ein weiteres Thema ist die interessante Kolonialgeschichte Senegals
Erläuterungen zum Film:
Der Ausdruck „Mitgift“ in der Übersetzung des Textes ist mißverständlich. Es geht um den Brautpreis. Im Laufe der Zeit entwickelt sich die Gewohnheit, bei der Heirat den Eltern des Mädchens eine Entschädigung zu geben, da ja das Mädchen zur Familie ihres Mannes zog und damit als Arbeitskraft verlorengeht. Der so entstandene Brautpreis wurde in Vieh, Geräten oder später in Geld an die Eltern der Braut entrichtet.
Durch den Einfluß der Geldwirtschaft entartete diese Tradition. Mit dem Brautpreis wurde regelrecht Wucher betrieben und die Frau dadurch zum Kaufobjekt erniedrigt. Die Heirat der Töchter wurde so zum Mittel des Gelderwerbs. Ein Ehevertrag in Abwesenheit des Braut-paares. Im Film gibt es eine Szene, in der der Ehevertrag vollzogen wird. Das ist ein islamischer Brauch in Senegal. Die Braut wird durch einen Vormund vertreten. Sie ist bei der Zeremonie nicht anwesend. Eine Männergesellschaft, darunter die beiden Väter, setzt sich zusammen mit dem Iman, um den Vertrag zu schließen. PERSONEN DES FILMS:
Mossane Mingue Diouf - ihre Mutter Farba Diouf - ihr Vater Ngor - ihr kranker Bruder ihre Großmuttter Dibor - Mossanes schon verheirate Freundin Onkel Baak - der Heiler Diogoye - arbeitet in Frankreich bei Concorde la Fayette, Mossane wurde ihm bei ihrer Geburt als zukünftige Ehefrau versprochen Fara - Student, der /den Mossane liebt Ndiak - Student, Faras Freund und Mossanes Cousin Samba - „das Auskunftsbüro“, wie Mossane ihn nennt
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Senegal in Stichworten und Zahlen:
Senegal liegt in Westafrika, unterhalb des Saharagürtels Fläche: 196.192 qkm (BRD 357.030 qkm) Einwohnerzahl: 7.700.000 (BRD 79.950.000) = 39,8 Einw./qkm / (BRD 224 Einw./qkm) Senegalfluß 1.430 km; Hauptstadt: Dakar
Den größten Bevölkerungsanteil stellen die Volksgruppen der Wolof (35%), Peul (18%) und Serer (17%). Hauptreligionen: Islamische Sunniten ca. 85%, ca. 5% Christen; ca 10% Animisten Analphabeten: 62 % Temperatur: Sommer 28 ° / Winter 21 ° Regierungsform: Republik Der erste Präsident nach der Unabhängigkeit von Frankreich 1960: Léopold Sédar Senghor
Literaturhinweise:
? Gambia und Senegal, APA GUIDES, APA PUBLICATIONS LTD, 1997 ? Brozinsky-Schwabe, E., Kultur in Schwarzafrika, Geschichte - Tradition - Umbruch - Identität, Köln 1988 ? Ousmane, Sembène, Die Postanweisung, Berlin 1988 (Roman) ? Ousmane, Sembène, Guelwaar - Eine afrikanische Heldengeschichte, Wuppertal 1997, (Roman) ? Ousmane, Sembène, Xala, Wuppertal 1997 (Neue Übersetzung), (Roman ? R. und G. Riepe, He Sarah träum nicht!, Misereor Aachen 1988 (Vom Leben junger afrikanischer Frauen) ? Wolfgang Fritz und Erich Lutz, Kochen wie in Afrika, Berlin 1988
Medienhinweise:
AS WOMEN SEE IT: SELBE EINE VON VIELEN Safi Faye, Senegal 1981 30 Min., f., Dokumentarfilm Verleih 16mm: EZEF, EMZ 4,7,12 Verleih Video: EMZ 5, 6,8,10
ERNTEZEIT Safi Faye, Senegal 1979 30 Min., f., Dokumentarfilm Verleih 16mm: EZEF, EMZ 12
Xala Ousmane Sembène, Senegal 1974, 120 Min., Farbe, Spielfilm, O. m. U. Verleih16mm: EZEF Verleih Video: EMZ 12
Guelwaar Ousmane Sembène, Senegal 1992, 105 Min., Farbe, Spielfilm, O. m. U. Verleih16mm: EZEF, EMZ 2 Verleih Video: EMZ 2,7,8,12,14
Die Kinder von Foufou und Coca Cola, aus dem Alltag einer afrikanischen Vielehe Peter Heller, Dokumentarfilm, 30 Min., f. , 1989, Video, Hrsg.: FWU (Sign.Nr. 4201150) Verleih: versch. konfessionelle und staatliche Bildstellen
Magrit Kirchner Februar 1998
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