Link zum Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik
Über das EZEF
Verleih
Veranstaltungen
EZEF-News
EZEF Filminfo
EZEF-Arbeitshilfen
Presse-Informationen
Ihr Kontakt zu uns!
Interessante Links
Suchen Sie in unserem Katalog!
Link zur EZEF Startseite

Evangelisches Zentrum
für entwicklungsbezogene Filmarbeit



    Link zur eed Startseite

EZEF-Arbeitshilfe



Vielleicht bin ich morgen schon tot

Nr. 134

Buch u. Regie: Rita Erben, Deutschland 1996
Video, 28 Min., f., Dokumentarfilm
Verleih: alle EMZ (bei EZEF gegen Bearbeitungsgebühr)


Inhalt:

Kolumbien - das Land des Kaffees, der Kunst und der Kultur. Kolumbien - das Land der Drogen, der Kriminalität und der Zerstörung.
Ever lebt in Las Cruces, einem Armenviertel in Bogotá. Er gehört zu den Gotas de Rap, einer
Gruppe Jugendlicher, die im Rahmen des Jugendverbandes Red Juvenil (Jugendnetz) mit einer Rap-Oper gegen die alltägliche Gewalt singen und tanzen.

In dieser Oper wird der 18-jährige Andrés ermordet, seine Freunde graben ihn wieder aus, um sich von ihm mit einem Fest zu verabschieden. Ever spielt den Tod, der in der Oper als Vertrauter und Freund, auch als Lebensretter auftritt. Gewählt hat er diese Rolle, weil zwei seiner Freunde ermordet worden sind und er sich als Mitglied des Jugendnetzes für ein gewaltfreies Kolumbien einsetzt. Daß er selbst Gewalterfahrungen hat, kommt in einem Gespräch zum Ausdruck, in dem er über sein Leben erzählt, die Geschichte eines Jungen aus einem Armenviertel, der selbst gewalttätig geworden ist. Sein großes Vorbild ist Eduardo, ein ehemaliger Killer aus Medellín, der in einem Viertel Bogotás ein Zentrum für die Armen eingerichtet hat. Durch die Gespräche mit diesen Armen erhält Ever auch Anregungen für seine Texte zur Rap-Oper.

Die Frage, was für ihn Glück bedeute, beantwortet er mit einem Zitat, dem er aber hinzufügt, daß es ihm in der Gruppe gut geht und daß der gegenseitige Respekt im Sinne von Toleranz ein wichtiger Bestandteil eines friedvollen Zusammenlebens ist. Das wichtigste im Leben sind für ihn Freundschaft und Liebe.

Dora lebt in Medellín und gehört zu einer Gruppe von Rapperinnen, die bei Jugendkonzerten auftreten und für den Frieden singen und tanzen. In ihrer Stadt gibt es Gewalt, mehr als tausend Menschen werden pro Jahr von der Guerilla entführt, der Drogenhandel blüht. Aber auch hier haben sich Jugendliche zusammengeschlossen, um den Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt zu beenden. Sie machen kulturelle, soziale und politische Veranstaltungen, sie setzen sich für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ein; im Rappen drücken sie Protest, Wut und Hoffnung aus. Auch Dora hat ihr nahestehende Menschen durch die Gewalt verloren, Erfahrungen, die sie veranlaßt haben, Mitglied im Jugendnetz zu werden.

In Medellín betreibt das Red die Radiostation Leben, zu deren Mitarbeitern Jugendliche gehören, die im Alter von fünfzehn Jahren bei den sogenannten Volksmilizen mitgekämpft haben. Auch sie versuchen durch ihre Kulturarbeit andere Jugendliche von der Sinnlosigkeit der Gewalt zu überzeugen.

Rita Erben hat in ihrem Film mehrere Jugendliche in Bogotá und Medellín interviewt, die vor der Kamera über ihr Leben und ihre Motive reden. Die Rap-Oper wird ebenfalls in Ausschnitten gezeigt, die Anliegen und Botschaft der Jugendlichen auf einer künstlerischen Ebene verdeutlichen. Interviews wie Opernausschnitte werden durch Bilder der ganz gewöhnlichen Gewalt in Kolumbien illustriert. Militärs durchsuchen Zivilisten und treiben echte oder vermeintliche Kleinkriminelle vor sich her, die toten Opfer von Massakern und Überfällen werden ebenso gezeigt wie die Wohnungssituation der Armen in ihren Vierteln.

„Vielleicht bin ich morgen schon tot“, sagt Even an einer Stelle des Interviews. Wie realistisch seine Aussage ist, zeigen die Zahlen von Menschenrechtsorganisationen. Danach liegt Kolumbien weltweit an der Spitze der Gewaltstatistik.

 

Zum Film:

Die vielfältigen Formen der Gewalt sind das Thema des Films, erträglich gemacht oder verstärkt durch Aufnahme künstlerischer Ausdrucksformen Kolumbiens. Er beginnt mit großen, von Jugendlichen aufgesprühten Graffitis, die an Murales erinnern und die Gewaltverhältnisse im Land abbilden Ein Straßenkind liegt von Klebstoff benebelt auf einem belebten Platz, dazu wird ein altes Volkslied „Wenn du wüßtest, wie sehr ich dich liebe“ eingespielt. Wenn der Tod in der Rap-Oper Andrés sein Leben zeigt, fügt die Regisseurin Bilder blutüberströmter Gewaltopfer ein.
Die Ohnmacht der Zivilisten teilt sich durch die Aktionen von Polizei und Militär mit, und die Aussagen ehemaliger Killer zeigen die strafrechtliche Folgenlosigkeit von Auftragsmorden oder anderen Übergriffen. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß Jugendliche sich weder länger aktiv an der Spirale der Gewalt beteiligen noch zusehen wollen und die Formen, die sie wählen, um ihre Altersgruppe zu erreichen.
Ihr Mut und ihre Auskunftsbereitschaft tragen den Film.

Das Red Juvenil (Jugendnetz in Kolumbien):

In dem Jugendnetz haben sich Jugendgruppen unterschiedlicher Ausrichtung in den Städten Kolumbiens zusammengeschlossen. Sie fordern eine kommunale Jugendpolitik, die unter Einbeziehung der Jugendlichen entwickelt wird; das Recht auf Kriegsdienstverweigerung, damit nicht noch mehr Jugendliche aus den Armenvierteln zum Militär eingezogen werden und im Krieg gegen die Guerilla sterben. Sie entwickeln Freizeit- und Bildungsangebote für die jungen Leute im Viertel, bemühen sich um Jugendtreffs, Sportplätze sowie um Ausbildungsmöglichkeiten. Und sie bemühen sich, dem verbreiteten Bild des gewalttätigen Jugendlichen das Ziel einer gewaltfreien Zukunft gegenüberzustellen.
Im Januar 1998 gehören in Medellín 37 Jugendgruppen zum Netz, das es seit 1990 gibt.

Dieser Zusammenschluß strebt eine größere Anerkennung der Jugendlichen und ihrer Bedürfnisse nach Ausbildung, Rechtssicherheit und Gewaltfreiheit an. Ihr Motto heißt „Träume weben, Tatsachen schaffen“.


Die Gotas de Rap:

 „Wir sind vielleicht die bekannteste kolumbianische Rap-Gruppe, haben große Rap-Konzerte organisiert und bei einem unabhängigen Label Aufnahmen gemacht.
Wir stammen zwar aus den unterschiedlichsten Landesteilen Kolumbiens, leben aber heute in einem der gewalttätigsten Viertel von Bogotá: Las Cruces. Dort beteiligen wir uns an der Organisierung der Jugendlichen in den Redes Juveniles (den Jugendnetzen). Wir engagieren uns auch in einer Gruppe von Kriegsdienstverweigerern. Keiner von uns hat Militärdienst geleistet“. (Aus der Selbstdarstellung der kolumbianischen Rap-Gruppe. terre des hommes.)

Die Rap-Oper haben Patricia Ariza und Carlos Eduardo Satizibal von der professionellen Theatergruppe La Candelaria gemeinsam mit den Jugendlichen aus Las Cruces produziert. Die beiden Theaterleute gehören zu einer Gruppe kolumbianischer Künstler, die Kulturarbeit mit sozialen Randgruppen betreiben.

Die kolumbianischen Jugendlichen waren bereits zweimal in Europa, wobei sie auch in Deutschland Gastspiele mit der Rap-Oper gegeben haben.
(Kontakte über terre des hommes)
Zum Einsatz des Films:

Der Film zeigt die alltägliche Gewalt in Kolumbien, er streift Ursachen und Auswirkungen bewaffneter Auseinandersetzungen in einem Land, in dem offiziell Frieden herrscht.
Er kann vordergründig zur Illustration der Situation Jugendlicher in Kolumbien eingesetzt werden, die zerstörerischen Auswirkungen des Drogenhandels auf die Gesellschaft werden sichtbar gemacht.

Daß es so viele kindliche und jugendliche Auftragskiller und Soldaten gibt, hat viel mit den vagabundierenden Kleinwaffen zu tun, die es überall in der Welt gibt. Kleinwaffen sind leicht zu bedienen, leicht auseinanderzunehmen und leicht zu transportieren. Alles Voraus-setzungen, die den Einsatz von Kindern und Jugendlichen in Kriegen und bewaffneten Aus-einandersetzungen begünstigen.

Daß Jugendliche eigene kulturelle Ausdrucksformen als Mittel gegen Gewalt einsetzen, ist sicher der interessanteste Aspekt des Films. Daran in der Diskussion mit Jugendlichen hier anzuknüpfen bzw. eigene Formen gemeinsam zu entwickeln, könnte bedeuten, sich die reichen Erfahrungen der Menschen des Südens zunutze zu machen und einen Süd-Nord-Dialog zu eröffnen.

In einer Zeit, in der Gewalt unter und von Jugendlichen zunehmend zum Problem wird, kann dieser Film zu neuen kreativen Umsetzungsmöglichkeiten anregen.

 

Auszug aus einem Interview mit dem 22jährigen Javier Arbeláez, von den Gotas des Rap. Gesendet in einem Radiobeitrag von Rita Erben am 26.4.1996 in S 2 - Spielzeit: „Redes Juveniles. Kolumbianische Jugendliche rappen gegen die Drogenmafia“

 

   Als Rapper lebst Du gefährlich. Ich habe
   schon zwei Mordanschläge hinter mir.
   Aber es gibt auch Menschen, die uns als
   Stars betrachten. Sie wollen Autogramme
   und Photos von uns.
   Das gibt uns Mut weiterzumachen. Für die Leute
   sind wir wichtig. Sie hören auf das,was wir ihnen
   sagen. Zum Beispiel sagen wir ihnen, daß
   sie nicht zum Militär gehen sollen, daß sie
   fliehen sollen, wenn es nachts eine Razzia
   gibt.Wir alle in unserer Gruppe haben
   den Kriegsdienst verweigert. Wir sind alle
   Antimilitaristen, und wir werden es bleiben,
   egal, auch wenn uns das Wasser bis zum Hals
   steht. Wenn sie dich kriegen wollen, mußt
   du abhauen, denn wenn sie auf dich schießen,
   dann stirbst du. Keiner von uns wird je für
   den Staat die Waffe in die Hand nehmen.
   Die Militarisierung ist eines der größten
   Probleme in Kolumbien. Man braucht für
   alles einen Militärnachweis. Für den
   Führerschein, um zur Uni zu gehen, um im
   Krankenhaus behandelt zu werden, um Arbeit
   zu finden und so weiter.Also, der Staat zwingt
   dich, zum Militär zu gehen.
   Und die Jugendlichen, die sich nicht mit dem
   Krieg zwischen dem Staat, Guerilla und
   Rauschgifthandel identifizieren können,
   wollen eine Alternative, und wir zeigen sie
   ihnen: Haltet zusammen! Organisiert euch im
   Jugendnetz! Wir machen ihnen Mut, und trotz
   aller Repressalien gibt es in Kolumbien eine
   gigantische Bewegung gegen den
   Militärdienst.
   Wenn wir auftreten, dann kommen die Jugend-
   lichen in Massen. Ob wir im Kindergarten
   oder in einer Turnhalle spielen. In Wirklichkeit
   sprechen wir nicht nur unsere Gedanken aus,
   sondern die vieler Menschen.

 

Weitere Informationen:

Literatur:

? Gundula Neuscheler, Menschenrechte in Kolumbien; epd-Dokumentation 32/96
    GEP, Postfach  50 05 50, 60394 Frankfurt
? Hans-Martin Große-Oetringhaus, Ich will endlich Frieden
     Verlag Westfälisches Dampfboot 1998

Adressen:

? Brot für die Welt; Referat Menschenrechte, Stafflenbergstr. 76, 70184 Stuttgart,
Tel.: 0711-2159-497
? Kolumbiengruppe e.V Nürtingen, Postfach 13 47, 72603 Nürtingen; Tel. u. Fax: 07022-36242
? terre des hommes, Lateinamerika-Referat, Postfach 4126, 49031 Osnabrück, Tel. 0541-71010
? Katholische Junge Gemeinde der Diözese Aachen, Veldmanstr. 17, 52062 Aachen,
Tel.: 0241/354-76 oder -77, Fax: 0241/406213
? Verein für Friedenspädagogik Tübingen e.V., Bachgasse 22, 72070 Tübingen, Tel.: 07071-21312, Fax: 07071-21543

Medienhinweise:

BLUMENFRAUEN
(Amor, mujeres y flores)
Jorge Silva / Marta Rodriguez, Kolumbien 1989
52 Min, f., Dokumentarfilm, OmU
Verleih 16mm: EZEF, EMZ 2, 4-6, 8, 12, 13
Verleih Video;  EMZ 1, 2, 6, 7, 10-13, 15

GREGORIO UND JULIANA
(Anda, Corre, Vuela...)
Augusto Tamayo, Peru / Deutschland 1995
90 Min., f., dt. Fassung, Spielfilm
Verleih 16mm: EZEF, EMZ 2, 12
Verleih Video:  EMZ 2, 4, 5, 12, 13

MYRIAMS BLICK
(La mirada de Myriam)
Clara Riacos, Kolumbien 1986
24 Min., f., Dokumentarfilm mit Spielszenen
Verleih 16mm: EZEF, EMZ 4, 12

 


April 1998            Ursula Pattberg



Artikel zuletzt geändert am: Donnerstag, 25. Oktober 2001 14:40


Evangelisches Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit
Kniebisstraße 29, 70188 Stuttgart

Telefon: 0711 - 28 47 243, Fax: 0711 - 28 46 936

Kontakt per E-Mail