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"Die große Schatzkiste für die Kinder der Zukunft"

Nicht erst seit es den Kinderkanal gibt wird intensiv um Qualitätsprogramme für Kinder debattiert, hin und wieder auch gestritten und werden die unterschiedlichsten Initiativen gestartet, um Kindern und Jugendlichen Alternativen zu den inhaltlich äußerst fragwürdigen und billig produzierten Zeichentrickprogrammen zu bieten, die viele Privatsender ausstrahlen. Daß Kinder gute Filme durchaus zu schätzen wissen, läßt sich einmal mehr an der internationalen Serie "Die große Schatzkiste für die Kinder der Zukunft " ablesen, bei deren Entstehung das EZEF bzw. die Filmförderung des Kirchlichen Entwicklungsdienstes maßgeblichen Anteil hatten.

Im Juni diesen Jahres wurde die Serie beim renommierten Prix Jeunesse von der Kinderjury als bestes Programm ausgezeichnet - genauer, der dort präsentierte Beitrag aus Tibet, der im indischen Exil gedreht wurde. Für gehörigen Begleit-Donner sorgte die chinesische Delegation, die die Vorführung in München zu verhindern suchte und zu diesem Zweck auch mit ihrer Abreise drohte.
"Die große Schatzkiste für die Kinder der Zukunft" ist ein ungewöhnliches, weil weltumspannendes Medien-Projekt, an dem nicht nur Filmemacher sondern vor allen Dingen sehr viele Kinder beteiligt waren.
In den zwölf an dem Projekt beteiligten Ländern wurde jeweils ein "Ratschlag von Kindern" initiiert, bei dem es darum ging Botschaften der Kinder von heute an die Kinder der Zukunft zu formulieren. Materialisiert wurden diese Botschaften der Kinder in den unterschiedlichsten Formen - in Form von Bildern, Fotos, Gedichten, handwerklichen Arbeiten etc. All diese wurde dann jeweils in einer großen Kiste gesammelt, die in einem Museum oder an einem anderen sicheren Ort aufbewahrt wird. Diese Kisten dürfen erst nach fünfzig Jahren wieder geöffnet werden, um dann den Kindern der Zukunft die Hoffnungen und Erwartungen, aber auch die Befürchtungen und Ängste ihrer "Vorgänger" vor Augen zu führen.
Darüber, wie und welche Botschaften in die Kiste kommen, wurde in jedem der beteiligten Länder ein 25minütiger Film gedreht. Jedes Land stellt seinen Film den anderen Partnerländern zur Verfügung und erhält im Gegenzug die anderen elf Beiträge zur Übernahme - eine attraktive Serie für die jeweils national ausgestrahlten Programme der beteiligten Länder (dies waren: Belarus, Deutschland, Griechenland, Kanada, Mexiko, Philippinen, Polen, Russland, Südafrika, Tanzania, Tibet und dieTürkei).
Was die Inhalte der einzelnen Beiträge angeht, so können diese an dieser Stelle nur skizziert werden. Dabei liegt ein großer Reiz in der kulturellen Vielfalt. Vergleiche drängen sich geradezu auf, z.B. schon hinsichtlich der Gestaltung und materiellen Beschaffenheit der Schatztruhen. Riesig groß sind einige, manche sogar begehbar. Meist sind sie schön bemalt oder sonstwie reich verziert. Statt Kisten, wie sie uns vertraut sind, kann es sich aber auch um große Körbe handeln, wie auf den Philippinen, oder um einen Schlitten, wie bei den Eskimos in Alaska. Gemeinsam ist ihnen aber ihr Zweck: Symbolischer Aufbewahrungsort zu sein für die Wünsche, Hoffnungen aber auch für die Ängste und Befürchtungen, die Kinder überall auf der Welt mit ihrer Zukunft verbinden.
In vielen Beiträgen der Kinder geht es um den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, um das Aussterben bedrohter Tierarten, aber diese Beiträge zeugen auch von Hoffnung und Vertrauen in die Zukunft. Mit am eindrucksvollsten wird dieser Aspekt von einem philippinischen Jungen artikuliert, der von seinem Großvater weiß, daß die durch Asche und Lava des Vulkans Pinatubo unfruchtbar gewordene Region in 50 Jahren fruchtbares Ackerland sein wird. Seine Botschaft an die Kinder des Jahres 2050 ist es deshalb, die Erinnerung an sein zerstörtes Dorf wach zu halten, und die Erinnerung an all die Menschen, die um die Jahrtausendwende unter den durch den Vulkanausbruch verursachten Zerstörungen zu leiden hatten.
Im Oktober letzten Jahres wurde die von insgesamt drei ARD-Anstalten (BR, NDR, SFB) koproduzierte Serie im Kinderkanal ausgestrahlt. Der Bayerische Rundfunk will die Serie diesen Herbst im Dritten Programm ausstrahlen; weitere ARD-Sender werden wohl später folgen.
Herausgegeben wird die Serie gemeinsam von EZEF und der Produktionsgesellschaft Faust-Film und sie kann ab Herbst bei EZEF und den landeskirchlichen Evangelischen Medienzentralen ausgeliehen werden.

Bernd Wolpert / September 2000
erschienen in GEP Info 3'2000



Artikel zuletzt geändert am:

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