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Film - Info



Otomo

Deutschland 1999
16mm und VHS, 85 Min., Spielfilm,
Regie: Frieder Schlaich
Buch: Klaus Pohl und Frieder Schlaich
Produktion: Filmgalerie 451, Irene von Alberti, Thomas Lechner / ZDF
Kamera: Volker Tittel
Schnitt: Magdolna Rokob
Ton: Steffen Graubaum
Musik: Freundeskreis
Darsteller: Isaach de Bankolé (Otomo), Hanno Friedrich (Heinz),  Barnaby Metschurat (Rolf), Eva Mattes (Giesela) und Sigrid Burkholder (Anna)

Gefördert vom Kirchlichen Entwicklungsdienst der Evangelischen Kirche in Deutschland

Kurzinhalt:

Asyl hat Frederic Otomo nicht erhalten; er ist nur „geduldet“. Seine Hoffnungen auf einen Neuanfang finden nach einer vermeintlichen Schwarzfahrt ein tödliches Ende.
Ein Film mit Eva Matthes und Isaach de Bankolé in der Hauptrolle

Inhalt:

Es ist 4 Uhr morgens. Der afrikanische Asylbewerber Frederic Otomo packt seine wenigen Habseligkeiten in einen Koffer, den er beim Pförtner deponiert. Offensichtlich will er aus dem Männerwohnheim, in dem er bis dahin gelebt hat, ausziehen. Sein nächstes Ziel ist das Arbeitsamt, wo er sich um einen Aushilfsjob bemüht – vergebens allerdings, denn seine Papiere weisen ihn nur als „geduldet“ aus und er hat und erhält deshalb auch keine Arbeitsgenehmigung. Frustriert macht er sich auf den Weg in die Stadt; noch immer ist es früh am Tag. Es ist dunkel und kalt. Bei einer Kontrolle in der Straßenbahn wird er bezichtigt, ohne gültigen Fahrschein zu fahren – zu Unrecht, wie sich später herausstellen soll. Es kommt zu einem kurzen Gerangel. Otomo entkommt zwar den Kontrolleuren, doch diese rufen die Polizei.
Nach einer mehrstündigen Fahndung gelingt es zwei jungen Polizisten, ihn auf einer Brücke zu stellen. Weil er nicht freiwillig mitkommen will, fordern sie Verstärkung an. Beim Versuch ihn festzunehmen zieht Otomo plötzlich ein Messer und sticht auf die Polizisten ein. Zwei von ihnen werden getötet, drei andere schwer verletzt. Otomo wird von einem der sterbenden Polizisten erschossen.

Der Spielfilm „Otomo“ orientiert sich an einem authentischen Fall, der sich am 8. August 1989 in Stuttgart ereignet hat. Bei einer mißglückten Festnahme starben drei Menschen.
Während ein Boulevardblatt titelte „Der Schlächter wollte morden!“ erzählt und konzentriert sich der weitgehend fiktive Film darauf, was sich in den Stunden vor der Bluttat ereignet haben könnte. Der Regisseur Frieder Schlaich hat die Hintergründe der Tat gründlich recherchiert, um dann die Fakten beiseite zu schieben und einen Spielfilm zu realisieren, der auf vorschnelle Erklärungen verzichtet. Stattdessen zeigt er die Tristesse und die Perspektivlosigkeit im Leben Otomos, die ihn zu seiner Wahnsinnstat treiben, ohne den Täter in die Rolle eines Opfers zu zwängen.
Auf einfühlsame Weise stellt er zugleich den Alltag der beiden jungen Polizisten dar, deren tragischer und sinnloser Tod am Ende des Films steht.


Filmo- Biografie:

Der 1961 in Stuttgart geborene Frieder Schlaich studierte visuelle Kommunikation an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Zusammen mit Irene von Alberti gründete er 1987 die „Filmgalerie 451“, eine Verbindung aus cineastisch orientiertem Videoverleih, Videovertrieb und Filmproduktion.
Neben mehreren Kurzfilmen drehten die beiden 1985 in Algerien den Film „Ténéré – das Land das draußen“. Schlaichs erster Spielfilm, „Paul Bowles – Halbmond“, erhielt 1995 den Preis der deutschen Filmkritik und weitere Auszeichnungen.


Pressestimmen:

„Filmisch reflektierte Studie über die Eskalation von Gewalt und das Zerbrechen von Träumen.“
film-dienst

„Otomo erzählt nicht nur von den letzten Stunden der Titelfigur, die Polizisten, die er später umbringt, sind für den Film genauso wichtig. Schlaich beschreibt ihren frustrierenden Alltag, den alltäglichen Rassismus im Revier, die unnötigen Einsätze, aber auch den Glauben an die Richtigkeit ihres Tuns.“
Lift


Frieder Schlaich über „Otomo“

„Mein Ausgangspunkt für den Film waren Fragen wie: Was treibt einen Menschen zu einer solchen Tat? Wie kommt es dazu? Diese Fragen stellten sich mir unabhängig von der Tat, die natürlich in keiner Weise zu entschuldigen ist. Es ist mir schon aufgestoßen, daß in der gesamten Berichterstattung außer Spekulationen nichts über den Afrikaner zu erfahren war. (...) Was ich erfahren konnte war, daß es einen fast 20 Jahre währenden Fluchtweg Otomos gab und daß er sich schon viele Jahre „in Orbit“ befunden hatte. Mit diesem Ausdruck bezeichnen die Flüchtlingsorganisationen die Situation von Flüchtlingen, die zwischen den behördlichen Zuständigkeiten verschiedener Länder hin und her geschoben werden. Einen Menschen, von dem man nicht weiß, wo er herkommt, kann man nirgendwohin abschieben.“

Isaach de Bankolé über „Otomo“
„Otomo“ ist die Geschichte eines Mannes, der jahrelang in einer Stadt lebte. Er hatte keine Freunde und war weit entfernt von der Welt, in der er aufwuchs. Er hatte keine Papiere. In dem Stress hat er den Verstand verloren. Auf der Brücke will er sein Leben nur noch gegen das der Polizisten aufrechnen. Wenn er einen tötet, bevor sie ihn töten, sind sie gleich. Wenn er zwei oder drei tötet, ist er in seinem Tod ein Sieger.

Preise und Auszeichnungen:

Auszeichnung von der Katholischen Filmkommission im Rahmen der 33. Hofer Filmtage.
Goldene „Rosa Camuna“ beim Bergamo Film Meeting, 2000
Eva Mattes wird beim 11. Internationalen Filmfestival in Valenciennes als beste Schauspielerin für ihre Rolle in „Otomo“ ausgezeichnet.
Nominierung zum Grimme-Preis 2001

 

 


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