Glaube spielt wichtige Rolle

Für die Menschen in Deutschland spielen Religion und Glaube einer Studie zufolge eine wichtigere Rolle als zumeist angenommen. So können rund 70 Prozent der Bürger als religiös eingestuft werden, ergibt sich aus einer Erhebung der Bertelsmann Stiftung.

Darunter gilt fast jeder fünfte Deutsche als tiefreligiös: er geht regelmäßig zum Gottesdienst, betet häufig und hat tiefe religiöse Überzeugungen.

Rund 29 Prozent gaben an, sie gehörten keiner Religionsgemeinschaft an. Projektleiter Martin Rieger folgerte: "Wir können ein langfristiges Aussterben der Religion in Deutschland, wie es immer wieder behauptet wird, definitiv nicht bestätigen."

Für die repräsentative Studie "Religionsmonitor 2008" hat die Bertelsmann Stiftung 21.000 Erwachsene aus 21 Ländern rund um die Welt zu ihrer Einstellung bezüglich Religion und Glaube befragen lassen. Rieger: "Fest steht, es gibt eine große Stabilität des religiösen Bewusstseins in breiten Bevölkerungsschichten, das aber sehr vielfältig ist."

Mit 52 Prozent bezeichnen sich in Deutschland gut die Hälfte der Befragten der Studie zufolge als "durchschnittlich religiös", weitere 18 Prozent als "tiefreligiös", bei ihnen haben Religion und Glaube einen enorm hohen Stellenwert für persönliche Identität und Lebensgestaltung. Unter den Kirchenmitgliedern steigt der Anteil der "Religiösen" auf 79 bis 84 Prozent.

Gleichzeitig aber ist unter den Mitgliedern der beiden großen Kirchen jeder sechste nicht religiös. Besonders viele tiefreligiöse Menschen gibt es unter den Katholiken. Mit 27 Prozent sind es dort fast doppelt so viele wie unter evangelischen Christen. Jeweils ein Drittel der Deutschen sind Mitglied der katholischen oder evangelischen Kirche. Der Islam ist die drittstärkste Religionsgemeinschaft in Deutschland.

Unterschiede weist der "Religionsmonitor" für Ost- und Westdeutschland nach. So liegt der Anteil der Religiösen in den alten Ländern bei 78 Prozent, darunter 21 Prozent Tiefreligiöse. In den neuen Ländern sind lediglich 36 Prozent Religiöse festzustellen, darunter acht Prozent Tiefreligiöse. In der bundesdeutschen Gesellschaft sind gut 29 Prozent der Befragten konfessionell nicht gebunden. Konfessionslos bedeutet der Studie zufolge nicht immer
religionslos: Ein Drittel der Nicht-Kirchenmitglieder bezeichnet sich als religiös, ein Zehntel glaubt an die Existenz eines Gottes oder etwa die Unsterblichkeit der Seele.

Aus der Studie ergibt sich, dass Frauen allgemein religiöser sind als Männer. Beim Vergleich der Altersgruppen wird von der Erhebung das Klischee von den "frommen Alten" nicht bestätigt. Zwar besuchen Ältere häufiger den Gottesdienst als junge Menschen, außerdem ist der Anteil der Hochreligiösen mit 28 Prozent bei den über 60-Jährigen am höchsten. In der Altergruppe unter 30 sind es nur 14 Prozent.

Gleichzeitig nimmt bei vielen Senioren die Skepsis in religiösen Dingen zu, wie die Studie zeigt. So glaubt jeder Dritte (37 Prozent) nicht an ein Leben nach dem Tod. Bei den unter 30-Jährigen sind dies mit 19 Prozent deutlich weniger. Insgesamt könne man nicht von einem Traditionsbruch zwischen der älteren und der jüngeren Generation sprechen, so ein Fazit der Erhebung.

Bei den gläubigen Deutschen handelt es sich der Studie zufolge mehrheitlich keineswegs nur um "Sonntagschristen". Ihre religiöse Einstellung hat den größten Einfluss beim Umgang mit einschneidenden Lebensereignissen wie Geburt, Hochzeit oder Tod. Rund zwei Drittel der Religiösen gaben an, dass ihr Glaube für die Haltung zur Umwelt einen klaren Einfluss hat.

Einem weiteren Befund zufolge stellen sich die meisten Menschen in Deutschland Gott als Person oder als höhere Macht vor. Als auffällig registriert die Erhebung den Trend weg von der Kirchenlehre hin zur "Patchwork-Religion". Jeder Fünfte gab etwa an, man solle sich seinen Glauben aus verschiedenen religiösen Lehren zusammenstellen.

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland in Bezug auf Religiosität im unteren Drittel - an der Spitze stehen Indien und Nigeria mit jeweils 99 Prozent religiösen Menschen. Auch in den USA ist der Anteil mit 89 Prozent sehr hoch. In Europa spielen Glaube und Religion vor allem bei den Italienern (89 Prozent) und bei den Polen (87 Prozent) eine große Rolle, ergibt sich aus der Befragung.

Deutschland liegt mit 70 Prozent religiösen Menschen etwa gleichauf mit den Nachbarn Österreich und Schweiz. Weniger ausgeprägt sind die Religionen in Großbritannien und Frankreich. Russland liegt mit nur 50 Prozent religiösen Menschen am unteren Ende der Statistik.

 



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